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Essays & Aufsätze

Das Erbe der Anschauungskrise

Konzept der Turing-Maschine derivative work: TripleWhy Konzept der Turing-Maschine

Hierbei handelt es sich um eine Hausarbeit aus dem Masterstudium der Medienwissenschaft. Im Fokus steht die Sichtbarmachung von Medienillusionen durch Fehler.

Um die Jahrhundertwende vom 19. Ins 20. Jahrhundert entstand eine Grundlagenkrise in der Mathematik. Resultierend aus einer Abwendung David Hilberts von grafisch ersichtlicher Mathematik (z. B. Geometrie), entstand eine Spaltung von Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft, deren Vermächtnisse noch heute bestehen. Auf der einen Seite entstand eine Mathematik, welche  Ebenen und Prozesse mathematisch analysierte und somit die Grundlage für die heutige Computertechnik lieferte. Auf der anderen Seite entstand in den Geisteswissenschaften eine parallele Strömung, welche die Phänomenologie entwickelt, deren Vorreiter Edmund Husserl und Martin Heidegger. 1936 gelang es Alan Turing die Problemstellung von David Hilberts „Entscheidungsproblem“ zu lösen und dabei eine theoretische Maschine zu entwickeln, welche die Grundlage für heutige Computer darstellt. Die Konvergenz von Interface und Rechner am Computer bilden eine weitere Ebene, an der das Offensichtliche nichts mit dem zu tun hat, was wirklich geschieht um diese Abbildungen zu erschaffen: Das Erbe der Anschauungskrise.

„Die Krise der Anschauung hinterließ der Menschheit die theoretische Anleitung eine Maschine zu erbauen, die dazu in der Lage ist alle Algorithmen zu berechnen. Diese als Turing Maschine bezeichnete Konstruktion entstand als Folge der Bestrebungen David Hilberts eine Mathematik ohne Diagramme, Schaubilder und sonstige grafische Darstellungen zu erzeugen (Kittler n.n.; Wildgruber 2007). Motiviert war dieser Gedanke Hilberts zum Einen von der Überzeugung, dass die grafischen Anschauungsmodelle der Quantenphysik nicht ausreichten, um diese wahrhaftig darzustellen. Auf der anderen Seite wurde auf diese Weise für David Hilbert deutlich, dass lediglich die Mathematik, welche in seinem Verständnis aus Zahlen und Formeln bestand, jedoch nicht aus Grafiken oder Bildern, dazu in der Lage sei, korrekte Aussagen über unanschauliche Vorgänge zu erbringen (Wildgruber 2007, S. 209). Ferner kritisierte Hilbert den Umgang mit Grafiken als subjektiv belastend, da jeder Umgang mit einer Grafik den Anwender dieser Grafik über diese denken ließe. Folglich stellte er die bisherigen Ansätze der Mathematik als inkorrekt dar und wendete sich, nicht vollkommen widerstandslos, von den Grafiken innerhalb der Mathematik ab (Weyl 1921, S. 46; Schütte und Schwichtenberg 1990, S.721-722).“

Weiter in Das Erbe der Anschauungskrise, Thomas Heuer, Berlin 2011 (PDF).

Quellenangaben finden sich in der Arbeit.

Letzte Änderung amMontag, 11 Februar 2019 08:57
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten. Das klingt geistreich oder vielleicht zugespitzt. Aber es ist mir ganz ernst damit, es ist nicht eine witzige Formel. Der Mensch, der krank ist, der zeigt, daß bei ihm gewisse menschliche Dinge noch nicht so unterdrückt sind, daß sie in Konflikt kommen mit den Mustern der Kultur und daß sie dadurch, durch diese Friktion, Symptome erzeugen. […] sehr viele Menschen, das heißt, die Normalen, sind so angepaßt, die haben so alles, was ihr eigen ist, verlassen, die sind so entfremdet, so instrumente-, so roboterhaft geworden, daß sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden.“

– Erich Fromm