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Diskurs: Was interessiert an Horrorfilmen? Auszüge aus der Wissenschaft

Im Folgenden werden einige Zitate aus der Filmwissenschaft aufgeführt, um einen knappen Einblick in das weite Feld der Horrorforschung zu liefern. Die meisten Texte sind in Englisch, fast alle entstammen Fachbüchern. Texte, die online zu finden sind, wurden darunter verlinkt. Die hier aufgeführten Zitate setzen sich zumeist mit dem Formelcharakter von Horrorfilmen auseinander oder entstammen dem Diskurs zur Begriffsdefinition Horror. Zusätzlich wurde ein Zitat aus dem feministisch-analytischen Ansatz zu Slashern eingefügt. Ein einzelnes Zitat verdeutlicht zudem die finanzielle Reichweite des Horrorfilmmarktes.

In der Hoffnung darauf, dass Horrorfilme nicht immer nur auf Gewalt reduziert werden, nun einige Zitate. Wenn etwas in dieser Art häufiger gewünscht wird, hinterlasst doch bitte ein Feedback. Nun viel Spaß beim Lesen der Oberfläche zum Thema Horror, aus Sicht der Wissenschaft.

„Though in some sense the monsters of horrific fictions do not exist, they would appear to have causal consequences in the actual world – they art-horrify audiences. So one issue before us is to explain how it is that fictions can have impact on the actual world. This issue is further complicated by quandaries derived from the philosophy of mind. For the nonexistence of horrific creatures is, so to speak, not only a fact, but it would also appear to be a fact that is readily available to and acknowledged by the consumers of horrific fictions; indeed, they would seem to seek out such fictions, at least in part, either in order to be frightened by them or with the knowledge and assent that they are likely to be frightened by them.”

Noël Carroll (1990) The Philosophy of Horror or Paradoxes of the Heart, S. 60, Routledge, New York

„The Ways in which you recognise any film as horror is dependent upon the context within which you see the film. […] What this means is that a definition of horror cinema cannot simply be achieved by reeling of a list of films. The horror genre is much more amorphous ad unpredictable than this, and in order to understand this amorphousness and unpredictability, one needs to explore how shifting understanding of horror – industrial, critical and, where the evidence is available, audience-based understandings – are themselves an integral part of generic definition and generic history.”

Peter Hutchings (2004) The Horror Film, S. 8-9, Pearson Education Limited, Essex

„The horror genre is predominantly concerned with fear of death, the multiple ways in which it can occur, and the untimely nature of its occurrence. The central generic image of the corpse reminds the viewer of extinction. Anxiety arises, thereafter, from the conceptualization of the ‘un-dead’, which resists the notion of finality and demonstrates the perpetual agonies of a non-corporeal or sub-human existence. In this model, every monster is the promise of death and demise, and crucially, ‘difference’.”

Paul Wells (2000) The Horror Genre – From Beelzebub to Blair Witch, S.10 Wallflower, London

“A further aspect of horror, or at least of modern horror, that merits a mention is the vexed and controversial question of violence.”

Reynold Humphries (2002) The American Horror Film – An Introduction, S.3, Edinburgh University Press, Edinburgh

“Though it is true that all horror movies are variations on the ‘seek and destroy’ pattern – a monstrous threat is introduced into a stable situation; the monster rampages in the face of attempts to combat it; the monster is (perhaps) destroyed and order (perhaps) restored – this general and abstract genre-model can be realized in a variety of ways and located in a range of possible settings.”

Andrew Tudor (1989) Monsters and Mad Scientists, S. 81, Basil Blackwell, Oxford

„Beherrscht man [die Horror-Formel] und verändert diese minimal oder stellt sie um, kann der Horrorfilm stärker schockieren oder ängstigen, als die Rezipienten vermuten würden, was vor allem im modernen Horrorfilm funktioniert.“

Thomas Heuer (2010) Umweg Hollywood: Internationalisierung von J-Horrorfilmen am Beispiel von ‚Ringu‘ und ‚The Ring‘, S.13, Bachelor Thesis

“Ever since, psychosexual killers have invariably been posited as products of a sick family, ensnared in Oedipal dramas that prevent them from achieving phallic subjectivity. As Carol Clover has argued in Men, Women and Chainsaws: Gender in the Modern Horror Film (1992), in slasher films the masculinity of the serial killer is “severely qualified.” However phallically encoded their stabbing and slashing of female victims might be, it always belies the fact that phallic subjectivity eludes them.”

Nicola Rehling (2007) “Everyman and No Man: White Heterosexual Masculinity in Contemporary Serial Killer Movies” in e-Jumpcut 2007

Essay online unter: http://www.ejumpcut.org/archive/jc49.2007/Rehling/index.html

“The horror film ranks certainly as one of the most popular and profitable of film genres. Hollywood has long exploited interest in monsters and mayhem to make money.”

Douglas Gomery (1996) “The Economics of the Horror Film” in James B. Weaver, III and Ron Tamborini (Hg.) Horror Films – Current Research on Audience Preferences and Reactions, Lawrence Erlbaum Associates, New Jersey

Aus diesen Zitaten wird bereits deutlich, wie sehr der Horrorfilm in der Wissenschaft diskutiert, analysiert und beachtet wird. Angefangen bei der philosophischen Frage nach der Angst hin zu der subjektiven Wahrnehmung dessen, was Horror ist, wurden bereits einige Bücher verfasst. Die drei gewählten Zitate von Carroll, Hutchings und Wells sollen verschiedene Ansätze zu diesem Thema darstellen. Die Darstellung von Gewalt als Stilmittel deutet sich durch das Zitat von Humphries an. Dass Horrorfilme meist klaren Gesetzen unterliegen und diese sich am klarsten in der Horrorformel finden lässt, zeigen die Zitate von Tudor und Heuer. Das weite Feld des Slashers wird hier lediglich durch ein Zitat berücksichtigt, jedoch kann man bereits an diesem erkennen, dass das Slashergenre den Ansatz für feministische Theorien im Horrorfilm verstärkte. Das letzte aufgeführte Zitat zeigt auf, dass Horrorfilme einen großen Anteil an der Wirtschaft in Hollywood besitzen. Dies liegt vermutlich zum einen an den niedrigen Produktionskosten für Horrorfilme und zum anderen an einer treuen Fan-Basis. Zu dieser werden wir uns nun auch gesellen und uns mit Schrecken aus verschiedensten Perspektiven konfrontieren, während wir auf dem Fantasy Filmfest unterwegs sind.

Letzte Änderung amFreitag, 18 August 2017 11:01
syno nyhm

„Syno ist irgendwann hier aufgetaucht und seit dem nicht mehr weggegangen.“

– Edward

syno hat das Bloggen bemerkt. Da er das Jonglieren mit Medien liebt, ist das für ihn genau die richtige Freizeitaktivität. Durch einen Bachelor in Multimedia Production bringt er so manches an Vorwissen mit. Vor Kurzem beendete er erfolgreich das Masterstudium der Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Schwerpunkte sieht er im Bereich Horror, Film, Videospiel und Miniaturen, wildert jedoch ohne große Scheu auch in anderen Rubriken. Sein persönlicher Liebling ist die Kategorie Wissen, für dessen Aufzucht er zuständig ist.    

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„Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten. Das klingt geistreich oder vielleicht zugespitzt. Aber es ist mir ganz ernst damit, es ist nicht eine witzige Formel. Der Mensch, der krank ist, der zeigt, daß bei ihm gewisse menschliche Dinge noch nicht so unterdrückt sind, daß sie in Konflikt kommen mit den Mustern der Kultur und daß sie dadurch, durch diese Friktion, Symptome erzeugen. […] sehr viele Menschen, das heißt, die Normalen, sind so angepaßt, die haben so alles, was ihr eigen ist, verlassen, die sind so entfremdet, so instrumente-, so roboterhaft geworden, daß sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden.“

– Erich Fromm