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Film

Wie weit willst du gehen? „Son“

Filmszene (Ausschnitt) Capelight Pictures Filmszene (Ausschnitt)

Ivan Kavanagh liefert in Son großartiges Horrorkino, das klassische dramaturgische Fragmente mit frischen Ideen kombiniert. Im Ergebnis ein zeitgemäßer Satanistenfilm.

Rezension

son 1Laura (Andi Matichak) lebt allein mit ihrem Sohn David (Luke David Blumm) in einer abgelegenen Kleinstadt der USA. Vor acht Jahren gelang es der alleinerziehenden Mutter aus den Fängen einer Sekte zu entkommen. Als David plötzlich von einer unbekannten Krankheit befallen wird, kehren schreckliche Erinnerungen aus Lauras Vergangenheit zurück. Sie glaubt, dass David der Sohn des Teufels ist und sie ihn vor den Mächten der Dunkelheit bewahren muss. Dieser Ansatz lässt viele an Lauras geistiger Gesundheit zweifeln. In der Folge beschließt Laura, die Wahrheit auf eigene Faust herauszufinden.

Irgendwo zwischen Road-Movie, Aussteigerdrama und intensiven psychologischen Horror siedelt Regisseur und Drehbuchautor Ivan Kavanagh seinen neuesten Film Son an. Geschickt streut der Filmemacher dabei mehrdeutbare narrative Elemente in sein Werk ein und führt sein Publikum mehrfach an der Nase herum. Lange Zeit über bestehen verschiedene Möglichkeiten, was von dem Erzählten wirklich ist und was nicht. Hierbei nutzt Kavanagh hervorragend die Möglichkeit, anhand einer Figur zu erzählen und damit die Wahrnehmung dieser Figur als die Wahrheit anzubieten. Da dies allerdings aus verschiedenen Perspektiven geschieht, bleibt es für eine lange Zeit spannend herauszufinden, was wirklich geschieht. Ist Laura wahnsinnig geworden, gibt es einen satanischen Kult, der Laura und David jagt oder ist es am Ende doch vollkommen anders? Laura scheint jedenfalls überzeugt davon, dass die Rückkehr des Teufels und in der Folge das Ende der Welt nahe ist. Da der Film primär die Geschichte aus der Sicht von Laura, erzählt, ist ihre die filmische Wirklichkeit, die auch die Zuschauer*innen angeboten bekommen. Anders als Laura bekommt das Publikum aber immer wieder andere Perspektiven auf die Orte, die Laura auf ihrem Road-Trip bereits besucht hat. Beispielsweise aus der Sicht der Polizei in Form der Polizisten Paul (Emile Hirsch) und Steve (Cranston Johnson).

son 2

Immer wieder setzt Son auf Gewaltspitzen, in denen es durchaus blutig und zuweilen eklig zu Werke geht. Der Film setzt die Gewalt bewusst ein, als Akzentuierung des Schrecklichen. Dennoch verbleibt der meiste Schrecken im psychologischen Bereich. Dabei ist Son durchweg spannend und zeigt einmal mehr, was für ein großartiger Regisseur und Autor Ivan Kavanagh ist. Bereits 2014 hat er mit The Canal gezeigt, wie man aus einem engen Szenario mit wenigen Figuren einen bedrückenden und intensiven Suspense-Horrorfilm erschaffen kann. In Son bringt Kavanagh sein Können auf eine neue Stufe und erschafft einen intensiven Horrortrip. Dramaturgische Vorbilder wie Rosemary’s Baby sind deutlich erkennbar, dennoch gelingt es Kavanagh etwas Einzigartiges zu kreieren, indem er die Frage „Wie weit geht Laura, um ihren Sohn zu schützen“ zum zentralen Antrieb seiner Protagonistin macht.

Son ist ein großartiger Horrorfilm, der einen Kinostart verdient hätte. Düster, spannend und bösartig entfaltet sich eine Geschichte, die einige Überraschungen bereithält. Einer der besten Filme des Jahres 2021 und für mich persönlich das Highlight der Fantasy Filmfest Nights XL 2021.

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Trailer zu Son

Infokasten

„Son“

Regie: Ivan Kavanagh

Drehbuch: Ivan Kavanagh

Laufzeit: 105 Minuten

Produzent: Rene Bastian, Anne Marie Naughton , Louis Tisné

Verleih: Capelight Pictures

Kanada | 2020

Veröffentlichung: Ab dem 24. September auf Blu-ray-Disc und UHD-Blu-ray-Disc im Handel erhältlich.

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Letzte Änderung amMontag, 27 September 2021 09:56
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„[S]elbst die schönste Gegend hat Gespenster, die durch unser Herz schreiten, sie kann so seltsame Ahndungen, so verwirrte Schatten durch unsere Phantasie jagen, daß wir ihr entfliehen, und uns in das Getümmel der Welt hinein retten möchten.“

Ludwig Tieck in Phantasus. Eine Sammlung von Märchen, Erzählungen, Schauspielen und Novellen

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