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Zwischen Horror, Comedy und Trash: „Patchwork“ von Tyler MacIntyre

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Einen wunderbar verrückten Ansatz des Frankenstein-Themas bietet Patchwork. Die Zutaten dieser Mischung sind: Horror gespickt mit viel Witz und einiger Absurdität.

In Kürze: 250 Wörter über…

Nachdem Tyler MacIntyre auf dem Fantasy Filmfest 2017 seinen neuesten Film Tragedy Girls vorgestellt hat, ist ein Interesse am bisherigen Schaffen des amerikanischen Indie-Regisseurs entstanden. Er selbst hat im Q&A Patchwork erwähnt, der zwar bereits 2015 fertiggestellt, jedoch erst dieses Jahr im Juni in den USA veröffentlicht wurde. Somit hat Tyler MacIntyre derzeit gleich zwei Eisen im Feuer, die von einem sehr speziellen Humor leben und wohl nicht jeden Geschmack treffen werden. Ähnlich wie Tragedy Girls handelt auch Patchwork von starken weiblichen Charakteren, die gemeinsam alles erreichen können.

Ein zentraler Unterschied ist jedoch, dass in Patchwork nach einem weniger gelungenen Abend in einer Bar drei junge Frauen gemeinsam in einem Körper leben, der aus Teilen ihrer Leichen zusammengesetzt wurde. Das erinnert an Frankensteins Monster und das erinnert auch an Re-Animator, was hier wohl der bessere Verweis ist, denn Patchwork ist gleichermaßen brutal wie humorvoll. Die Ausgangslage ist skurril, denn diskutieren die drei Frauen innerlich, verhält sich der fragile Körper merkwürdig. Jede der drei starken Persönlichkeiten kontrolliert eben die Teile des Körpers, die ihr ursprünglich gehörten. Achronisch wird die Geschichte entfaltet und offenbart manche Überraschung.

Der Film ist passagenweise zum Schreien komisch, überschreitet dabei jedoch manchmal die Grenze zum Trash, was in diesem Fall nicht schlimm ist, aber dem Film einen leicht schmuddeligen Touch verleiht. Dennoch macht Patchwork großen Spaß, wenn man verrückte und absurde Comedy mag, die in einem Horrorszenario eingebettet wird. Regisseur Tyler MacIntyre macht hier vieles richtig und holt aus dem deutlich geringeren Budget als bei Tragedy Girls einiges heraus Patchwork ist ein guter Film für einen spaßigen Filmabend mit Freunden.

Trailer Patchwork

Infokasten

„Patchwork“

Regie: Tyler MacIntyre

Drehbuch: Chris Lee Hill, Tyler Mac Intyre

Produktion: Infinite Lives Entertainment

Verleih: The Orchard

Laufzeit: 86 Minuten (uncut)

Kanada | USA | 2015

In den USA auf DVD, Blu-ray-Disc und digital verfügbar.

Letzte Änderung amSonntag, 05 November 2017 13:04
Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

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„Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten. Das klingt geistreich oder vielleicht zugespitzt. Aber es ist mir ganz ernst damit, es ist nicht eine witzige Formel. Der Mensch, der krank ist, der zeigt, daß bei ihm gewisse menschliche Dinge noch nicht so unterdrückt sind, daß sie in Konflikt kommen mit den Mustern der Kultur und daß sie dadurch, durch diese Friktion, Symptome erzeugen. […] sehr viele Menschen, das heißt, die Normalen, sind so angepaßt, die haben so alles, was ihr eigen ist, verlassen, die sind so entfremdet, so instrumente-, so roboterhaft geworden, daß sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden.“

– Erich Fromm