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Film

Megan Fox als Überlebenskämpferin: „Till Death“

Filmstill (Ausschnitt) Telepool Filmstill (Ausschnitt)

Manche Ehen laufen gut, manche laufen schief. Was der erfolgreiche Anwalt Mark seiner untreuen Frau Emma zum elften Hochzeitstag schenkt, ist ziemlich krass.

Rezension

Emma (Megan Fox) und Mark (Eoin Macken) haben sich auseinandergelebt. Nach elf Jahren Ehe ist irgendwie die Luft raus und Emma hat schon seit einiger Zeit eine Affäre am Laufen. Zum elften Hochzeitstag gehen Mark und Emma schick essen. Mark schenkt seiner Frau eine speziell für sie gefertigte stählerne Halskette, anlässlich ihrer Stahl-Hochzeit. Sie schenkt ihm zwei Spitzenplätze für den Superbowl, die er der Bedienung als Trinkgeld hinterlässt. Irgendetwas zwischen den beiden liegt gewaltig im Argen. Wie heftig es im Argen liegt, soll Emma am nächsten Morgen erfahren, wenn sie angekettet an ihren Mann erwacht und dieser sich zur Begrüßung erschießt.

TD 1Till Death mischt verschiedene Ansätze von Terrorkino. Zum einen wird die Protagonistin von ihrem Gatten in ein bösartiges Folterspiel hineingezwungen und zum anderen kommen Elemente des Home-Invasion-Subgenres zur Anwendung. Die Ausgangslage bietet das Potenzial für einen heftigen Horrorthriller. Ob es daran liegt, dass man eine möglichst große Zielgruppe erreichen will, oder daran, dass eine populäre Darstellerin wie Megan Fox keine extremen Gewaltszenen spielen will oder kann, lässt sich nicht abschließend beurteilen, aber Till Death inszeniert äußerst wenig Leid und Gewalt, gemessen an der Heftigkeit der Ausgangslage. Angekettet an einen Toten und bloß in ein Nachtgewand gekleidet, muss die Protagonistin einen Weg aus dem abgelegenen Haus am See finden, das sie und ihr Mann einst als Liebesnest gekauft haben. Es ist tiefer Winter, überall liegt Schnee und draußen ist es bitterkalt. Als wäre die Situation damit nicht schon kompliziert genug, tauchen zudem zwei Fremde auf, die etwas sehr Wertvolles aus dem Haus stehlen wollen. So wird die Tortur der Protagonistin nochmals intensiviert.

Das Szenario ist clever gewählt, die Dramaturgie des Werkes funktioniert, doch hat man den Trailer zu dem Film gesehen, macht das Werk irgendwie keinen Spaß mehr, beziehungsweise baut kaum mehr Spannung auf, da der Trailer den Film spoilt. Ein weiteres Problem ist das Schauspiel beziehungsweise die Inszenierung von Megan Fox. Gefühlsregungen sind im Gesicht von Megan Fox kaum wahrnehmbar und so wirkt die Qual der Figur Emma zu keinem Zeitpunkt authentisch. Hinzu kommen dann noch einige logische Anschlussfehler, beispielsweise wacht Emma perfekt geschminkt auf, nachdem sie sich das Blut vom Gesicht gewaschen hat, ist sie erneut perfekt geschminkt. Aber auch andere Kleinigkeiten sind nicht rund und stören die potenzielle Wirkung des Schreckens, den dieses Szenario eindeutig anbietet. Wie hat sie es geschafft, sich mit der Leiche am Arm ein Herrenhemd anzuziehen? Woher kommen die Fußwickel, um im Schnee gehen zu können? Solche wichtigen Details lässt der Film ungeklärt. Mit einer Leiche an den Arm angekettet sind solche Kleinigkeiten schwer durchführbar, hier hätte die Inszenierung des Leids der Protagonistin authentisch verstärkt werden können.

In der Summe sind es viele Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass Till Death lediglich ein solider Horrorfilm geworden ist, wo die Veranlagungen für einen heftigen, extremen Horrortrip gegeben wären. Till Death ist ein vor allem schön fotografiertes Werk mit einer interessanten Handlung, aber einer gewählten Inszenierung, die dem Werk die potenzielle Heftigkeit abwürgt.

TD Poster

Infokasten

„Till Death“

Regie: S. K. Dale

Drehbuch: Jason Carvey

Produktion: Brave Carrot, Campbell Grobman Films, Millenium Media

Verleih: Telepool

Laufzeit: 88 Minuten (uncut)

USA | 2021

Veröffentlichung: Ab dem 09. Dezember 2021 auf DVD, Blu-ray und als Video-on-Demand im Handel erhältlich.

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amFreitag, 29 Oktober 2021 23:11
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Der Verstand ist oft die Quelle der Barbarei; ein Übermaß an Verstand ist es immer.“

– Giacomo Leopardi

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