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Film

Böses Spielzeug im Kinderkrankenhaus: „Toys of Terror“

Filmstill Warner Bros. Pictures Filmstill

Kurz vor Weihnachten startet in den deutschen Kinos der Weihnachts-Horrorfilm Toys of Terror. Das Werk bietet per Stop-Motion animiertes Killer-Spielzeug.

Rezension

Toys 2Die selbstbewusste und erfolgreiche Geschäftsfrau und Mutter Hannah (Kyana Teresa) kauft und renoviert gemeinsam mit ihrem Mann David (Dayo Ade) alte Gebäude und verkauft diese dann weiter. Der neueste Immobilienfund war ein wahres Schnäppchen und ist derart opulent, dass die beiden beschlossen haben, gemeinsam mit ihren Kindern Alicia (Verity Marks), Franklin (Aul Elias) und Zoe (Zoe Fish) und der Gouvernante Rose (Georgia Waters) dort Weihnachten zu verbringen. Besonders die Teenagerin Alicia ist von dem Plan der Eltern genervt und hat keine Lust, die Feiertage in einem abgelegenen, alten und baufälligen Haus zu verbringen. Als die Familie dort ankommt, stellt sich heraus, dass es sich um ein ehemaliges Kinderkrankenhaus handelt, das Hannah nach der Renovierung für viel Geld an einen reichen Käufer weitergeben will. Sie sieht nur Chancen in dem Investment und kein Risiko. Dabei ist der gesamte zweite Stock derart baufällig, dass es lebensgefährlich ist, dorthin zu gehen. Nachdem Franklin und Zoe gemeinsam mit der Gouvernante eine Kiste voller alter Spielsachen gefunden haben, beginnen die beiden Kinder sich zu verändern.

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Verpasste Chancen und vergeudetes Potenzial

Toys 5Die Grundidee von Toys of Terror ist keine schlechte, wenn auch nicht besonders innovativ. Spielzeug-Horror ist kein allzu verbreitetes Subgenre des Horrorfilms – abgesehen von der kultigen Mörderpuppe Chucky und den Schrecken aus der „Puppet Master“-Reihe – und könnte somit einige überraschende Momente und groteske Szenen bieten. In der Folge macht der Trailer, der auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest vor ca. 70 Prozent aller Filme gezeigt wurde, zumindest neugierig. Zusätzlich interessant wird der Film, weil dieser im Trailer wie eine hochbudgetierte Horrorfilm-Produktion erscheint, die von dem renommierten Filmverleih Warner in die Kinos gebracht wird. Bekanntlich ist das keine Garantie dafür, dass ein Film etwas taugt, aber zumindest besteht die Chance, dass es so ist.

Toys of Terror bleibt in vielen Aspekten hinter den Erwartungen zurück. Bereits die Eröffnung macht deutlich, dass in dem Gebäude etwas nicht stimmt, als eine komplett in Schwarz gekleidete und verschleierte Person, eine große Holztruhe hinter sich herziehend, durch den Schnee stapft. Darin befinden sich die Spielsachen des verstorbenen Sohnes der Frau, der in ebendiesem Krankenhaus gestorben ist. Auditiv wird über Außenaufnahmen des Gebäudes angedeutet, dass in der Klink etwas Schreckliches geschieht.

Toys 4Der Film macht sich gar nicht erst die Mühe Spannung aufzubauen. Von vornherein ist klar: In der Truhe sind Spielsachen, die in dem Haus angefangen haben zu morden. Schließlich ist der Titel des Films Toys of Terror, also Spielzeuge des Schreckens, und das kann das Publikum angesichts des Trailers auch erwarten. Die Konflikte zwischen den Figuren, beispielsweise zwischen der Stiefmutter und der Teenagertochter aus erster Ehe des Mannes oder ein innerer Konflikt der Gouvernante, die ihr ungeborenes Kind verloren hat und sich nichts sehnlicher wünscht als Kinder, bleiben allesamt oberflächlich. Das innerhalb dieser Konstellation verschenkte Potenzial für eine stärkere empathische Bindung zwischen Publikum und Figuren rächt sich mit zunehmendem Voranschreiten des Films. Tatsächlich sind die Figuren weitgehend uninteressant und eindimensional. In der Folge fällt die Spannung ab, sofern diese dann überhaupt entsteht, und weicht unwillkürlicher oder eventuell intendierter, komischer Merkwürdigkeit. Das findet seine Zuspitzung in einer Musicalnummer der Spielzeuge auf dem Dachboden des Hauses. Spätestens an diesem Punkt weiß man nicht mehr, ist das hier Horror oder Comedy.

Technische Schwächen und Anschlussfehler

Es finden sich zudem technische Schwächen in Toys of Terror. So ist die Farbanpassung nicht über alle Szenen hinweg kohärent gestaltet. Die Farb- und Kontrastwerte weichen zum Teil stark voneinander ab. Bei den eingefügten animierten Spielzeugen wurde zudem das Colour-Matching versäumt und/oder die Animationen wurden nicht mit derselben Unschärfe/Schärfe versehen wie das Hintergrundmaterial, in das dieses eingefügt wurde. Solche Fehler sind unnötig und dürfen in einem Film mit dem Anspruch Realfilm und Stop-Motion wirklichkeitsnah zu verschmelzen einfach nicht existieren. Die Animationen der Figuren selbst sind hingegen eines der wenigen Highlights von Toys of Terror. Allerdings ist die Bildqualität nicht einheitlich gut, was den Sehgenuss durchaus einschränkt, da der Eindruck entsteht, einen unfertigen Film zu sehen.

Darüber hinaus finden sich viele Anschlussfehler in Toys of Terror. So tobt draußen am Vorweihnachtsabend ein Schneesturm, der es unmöglich macht, das Haus zu verlassen oder mit dem Auto irgendwohin fahren zu können. Nachdem der Tannenbaum hineingetragen wurde, wird die Tür geöffnet, um zu verdeutlichen, wie stark es schneit. Auf dem Tannenbaum ist allerdings nicht eine einzige Schneeflocke zu sehen. Am Weihnachtsabend lässt eines der Kinder ein Spielzeug auf dem Sofa liegen, nach dem Umschnitt hat das Kind dieses Spielzeug wieder in der Hand. Und als drittes Beispiel nochmal der Schneesturm. Ein Dialog findet in einem Raum im oberen Stockwerk statt, das Fenster ist im Anschnitt zu sehen, es schneit nicht. Umschnitt nach draußen, es schneit. Und zuletzt, im Verlauf des Films ist jemand dazu gezwungen mit dem Auto loszufahren. Als eine andere Person dann später die Vordertür des Hauses öffnet, steht das Auto vor der Tür. Im Umschnitt auf den Gegenschuss ist das Auto dann wieder weg.

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Fazit

Toys of Terror gehört zu den Filmen, die man nicht gesehen haben muss. Der Film nimmt sich und seine menschlichen Figuren offenbar ernst, überschreitet jedoch mehrfach die Grenze von Horror zu Trashcomedy. Dadurch gibt es Sequenzen, in denen das Gezeigte einfach absurd und dadurch lustig wirkt. Kurzweilig ist der Film allerdings auch nicht und scheitert im Endeffekt daran, eine vernünftige Basis zwischen seinen Figuren und dem Publikum herzustellen. In vielerlei Hinsicht ist Toys of Terror daher lediglich ein Film mit guten Ansätzen, der jedoch das durchaus vorhandene Potenzial nicht zu verwenden weiß.

Infokasten

„Toys of Terror“

Regie: Nicholas Verso

Drehbuch: Dana Gould

Produktion: Blue Ribbon, Cartel Pictures, The Cartel

Verleih: Warner Bros.

Laufzeit: 89 Minuten (uncut)

USA | 2020

Veröffentlichung: Kinostart am 02. Dezember 2021.

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Letzte Änderung amDienstag, 02 November 2021 16:45
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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– Shigeru Miyamoto, Videospiele-Entwickler

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