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Der Protagonist in „Torpedo 1972“ ist eine Herausforderung

Torpedo 1972 - Ausschnitt Cross Cult Torpedo 1972 - Ausschnitt

Die 30 Jahre später angesiedelte Fortsetzung der Comic-Reihe um Mafioso Torpedo inszeniert einen hassenswerten Protagonisten – aller Überzeichnungen zum Trotz.

Rezension

Cross Cult veröffentlicht die Fortsetzung von Torpedo, der längst vergriffenen Originalserie, im Jahr 2017. Empfohlen wird das Werk ab 16 Jahren, bei dem Inhalt des 56-seitigen Comics überrascht das nicht im Geringsten. Autor Enrique Sánchez Abuli und Zeichner Eduardo Risso muten dem Leser einiges zu. Der Comic beginnt in einer Kinovorführung von Der Pate in New York im Jahr 1972. Vorgestellt werden den Lesern zunächst zwei Personen, die im Publikum sitzen. Ein Mann und eine Frau. Während sie als großbrüstige Blondine mit perfekten Maßen gezeigt wird, ist er mit ihr im Kino und beginnt sie während der Vorstellung zu begrabbeln und zu küssen. Das mündet darin, dass er sich über die eigenen Lippen leckt. James, so erfährt der Lesende auf der nächsten Seite, ist mit Wendy zusammen, doch eine sexuelle Begegnung gab es bisher nicht. Das stört James, Wendy möchte es jedoch dabei belassen. Wenngleich Wendy als selbstbewusst und wehrhaft erscheint, ist dieser Charakter mehr ein Lustobjekt als eine ernste Figur. James ist ein Journalist und schreibt eine Geschichte über einen ehemaligen Mafiakiller, der Torpedo genannt wird. Da Wendy Fotografin ist, bittet James sie darum, einige Aufnahmen von Torpedo in ihrem Atelier zu machen. Doch zunächst soll ein Treffen am nächsten Tag stattfinden.

Torpedo1972 P9Im Stadtpark begegnen James und Wendy dann einem alten Mann mit Gehstock, der die Tauben füttert. Kurz darauf wird deutlich, dass dies Torpedo ist und er die Tauben anlockt, um sie zu erschlagen – im späteren Verlauf wird klar, dass er und sein treuer Gefährte Rascal die toten Tauben zubereiten und verspeisen. Statt den Reichtum zu besitzen und zu mehren, den Torpedo in den früheren Comics besaß, ist er nun verarmt, aber noch immer eitel. James bekommt sein Interview, Wendy wird von Torpedo in ihrem Atelier besucht. Dort trägt sie hochhackige Schuhe, hautenge Hotpants und eine freizügig unter den Brüsten verknotete Bluse. Als Torpedo Wendy vergewaltigt, bekommt die Geschichte eine heftige Wendung. Aus dem, was zunächst noch komisch anmutete, wird eine erschreckend düstere Tragödie. Als James beschließt aus Rache in seinem Artikel Torpedo einen Mord anzuhängen, eskaliert die Geschichte. Dabei wechselt die Erzählung zunehmend von James und Wendy als handlungsführende Figuren hin zu Torpedo und Rascal. Dies ist die größte Herausforderung, an der das Werk durchaus scheitert, denn einen Vergewaltiger und Killer als Protagonisten zu akzeptieren, der zudem ein gieriges Schwein ist und sich menschenverachtend verhält, ist für Lesende eine große Herausforderung.

Inhaltlich bietet Torpedo 1972 eine recht belanglose Geschichte, die durch einen Rape-Revenge-Konflikt angetrieben wird, jedoch derart plump, dass es hier nicht gelingt, Spannung aufzubauen. Nach dem Verbrechen, den Täter zum Protagonisten zu machen, ist schwierig und setzt Figuren voraus, die facettenreich sind und nicht nur Klischees. Genau daran scheitert das Werk, zumindest zum Teil, denn auch die Auflösung des Konflikts ist ebenso flach geraten wie die gesamte Dramaturgie des Werkes.

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Infokasten

„Torpedo 1972“

Autor: E. S. Abuli

Zeichnungen: Eduardo Risso

Übersetzung: Monja Reichert

Verlag: Cross Cult

64 Seite, Hardcover A4, Farbe

Ab dem 26.10.2017 im Handel.

Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

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„Der Begriff Horrorliteratur bezeichnet eine Literaturgattung, deren Gegenstand die Schilderung von angsteinflößenden und oft übernatürlichen Ereignissen ist. Dabei rücken überwiegend die grausigen Motive der Handlung (Monster, Untote, Dämonen, Entstellungen, Qualen etc.) in den Vordergrund bzw. Mittelpunkt.“

– Wikipedia