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31. Schocktober: „Halloween #1“ (2000)

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Happy Halloween! Am Tag des Halloween-Fests gibt es kaum einen Weg um ein Werk herum, das so sehr mit diesem Feiertag zusammenhängt. Dieses Jahr ist es der erste Halloween-Comic.

Rezension und Einordnung

Die Erzählwelt von Halloween ist komplex und etwas verworren. Es gibt mehrere Haupterzählstränge, die allesamt um den ikonischen Killer Michael Myers herum angeordnet sind. In diesem Zusammenhang gibt es folgende Reihen, bei denen immer John Carpenters Film aus dem Jahr 1978 das erste Werk dieser Reihen ist (ausgenommen Rob Zombies Adaptionen.).

John Carpenters Halloween

Der Film über den Jungen, der seine Schwester ermordet und viele Jahre später aus der Psychiatrie entkommt, um dann Jagd auf Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) zu machen. Myers verkörpert das pure Böse und ist ein Antagonist, der keinerlei Menschlichkeit, Empathie oder ähnliches besitzt.

H1 S6

Halloween 2 & 4

Halloween 2 setzt die Schrecken derselben Nacht von Halloween fort. Diese Fortsetzung wurde gegen den Willen von John Carpenter gedreht, da der Film im Grunde nichts Neues bietet und für ihn die Erzählung über Michael Myers abgeschlossen ist. Nachdem der dritte Halloween-Film Halloween III: Season of the Witch auf Michael Myers verzichtete und einen anderen Schrecken an Halloween thematisiert, wurde die Serie in der Form fortgesetzt, dass die Filme unterschiedliche Schreckensszenarien besitzen und die Verbindung durch den Feiertag Halloween selbst gegeben ist. Der Film floppte allerdings und ist bis heute unterschätzt.

In Halloween IV: The Return of Michael Myers wird der ikonische Killer, der sich großer Beliebtheit beim Publikum erfreut, zurückgebracht. Der Film ist narrativ schwach, schließt aber zumindest diesen Erzählstrang mit Lauries Tod ab.

Halloween 4 bis 6

Jamie Lloyd (Danielle Harris) wird zukünftig von Michael Myers gejagt. Dieser Erzählstrang entwickelt sich über drei Filme und thematisiert die Verbindung von Dr. Loomis (Donald Pleasence) und Michael Myers sowie dessen Hintergründe. Diese Werke machen einen deutlichen Ausflug ins Phantastische und definieren, dass es nur dann möglich sei, Michael Myers zu töten, wenn auch Dr. Loomis stirbt. Da Donald Pleasence während der Dreharbeiten zu Halloween 6 verstarb, gerät das Ende des Films extrem anti-klimaktisch, aber es wirkt komplett endgültig. Dieser Film beendet die Lloyd-Trilogie, die später aus dem Kanon entfernt werden wird.

Halloween 2, H20 & Resurrection

Die „Laurie Strode“-Quadrologie besteht aus Halloween,  Halloween 2, Halloween H20 und Halloween: Resurrection. Halloween H20 setzt zwanzig Jahre nach Halloween 2 an und zeigt eine gealterte Laurie Strode, die gemeinsam mit ihrem Sohn in einem abgeschotteten Haus lebt, aber dennoch am gesellschaftlichen Leben teilnimmt. Sie weiß, irgendwann wird Michael zurückkehren. Dafür wird sie bereit sein. In H20 besiegt Laurie Michael Myers, um dann in den ersten Minuten von Halloween: Resurrection von eben diesem getötet zu werden. Der Rest des Films ist der Versuch eines gesellschafts- und medienkritischen postmodernen Slashers, der an seinen eigenen formularischen Zwängen scheitert.

Halloween 2018

Dieser Film negiert alle Halloween-Filme, außer dem ersten und setzt diesen direkt fort. Für weitere Informationen findet sich hier unser Review.

Rob Zombies Halloween 1 & 2

Rob Zombie hat zwei Halloween-Filme gedreht, die sich ausschließlich auf die Persönlichkeit von Michael Myers konzentrieren und aus diesem Grund vollkommen anders als alle anderen Filme der Reihen funktionieren. Nach zwei narrativ verbundenen Filmen endet diese Werksauskopplung, die von Beginn an neben den anderen Werken zu stehen schien. Tatsächlich war Rob Zombies Halloween jedoch als Reboot der Serie gedacht. Die Filme waren jedoch zu anders als das, was das Publikum erwartet hat, wodurch dieses Vorhaben eingestellt wurde. Rob Zombie hat übrigens den Gedanken John Carpenters aufgegriffen, verschiedene Horrorstoffe an Halloween zu inszenieren. Dieser Ansatz findet sich in 31.

H1 1

Chaos Comics Halloween #1

H1 2Der Comic Halloween #1 von Phil Nutman und Daniel Farrands erschien im Jahr 2000. Das ist zwei Jahre nach H20 und zwei Jahre vor Resurrection. In diesem Comic wird die Beziehung von Dr. Loomis und Michael Myers vertieft. Es setzt somit in dem Erzählraum der Lloyd-Trilogie an, die filmisch zu diesem Zeitpunkt bereits als negiert gilt. Halloween #1 erschien bei Chaos Comics und ist ein offiziell lizensiertes Produkt innerhalb der Halloween-Storyworld. Tommy Doyle, eine Figur, die mehrere Halloween-Filme überlebt hat, bekommt in diesem Comic das Tagebuch von Dr. Loomis in die Hände. Tommy Doyle arbeitet mittlerweile als Journalist und will die Wahrheit über Michael Myers veröffentlichen. Der Comic präsentiert fast ausschließlich die Geschehnisse, über die Dr. Loomis berichtet. Gerahmt wird diese Geschichte aus dem Tagebuch von Michaels Suche nach den Aufzeichnungen. In der Geschichte wird erstmals ein tieferer Einblick in Michaels Entwicklung vom Kind zum erwachsenen Killer gewährt. Der Handlungsort ist das Smith’s Grove-Warren County Sanatorium, wo Michael von Dr. Loomis behandelt wird. Um Micheal herum geschehen fragwürdige Unfälle, bei denen Menschen getötet oder mindestens verstümmelt werden. Eine düstere Bedrohung scheint den zu Beginn sechsjährigen Michael zu umgeben. Zudem gewährt der Comic Einblick in das Privatleben von Dr. Loomis und seine Gedanken zu Michael.

H1 S16

Dieser Comic ist rar geworden. Im Internet wird dieser teilweise zu einem dreistelligen Geldbetrag gehandelt. Zufällig fiel mir dieses Werk in die Hände, ohne jedes Wissen darüber, was dieser Comic wert ist. In dieser Zeit forschte ich grade über die Halloween-Storyworld und entdeckte in diesem Werk ein Versatzstück verschiedener Reihen, das losgelöst von allen anderen einen wichtigen Beitrag zur Erzählwelt liefert und alleinstehend funktioniert. Letzteres allerdings nur dann, wenn man den Film Halloween von 1978 gesehen hat bzw. die einleitende Erklärung zu den Hintergründen der Figur Michael Myers gelesen hat. Der vorliegende Comic definiert einen noch unbekannten Zeitraum der Erzählwelt aus und gibt einen vertiefenden Einblick in die Beziehung von Dr. Loomis und Michael Myers und die daraus resultierenden Konflikte. In der Folge baut dieser Comic zwar auf einem Filmstrang auf, der nicht mehr im Kanon der Erzählwelt befindlich ist, arbeitet das Erzählte jedoch so in die Erzählwelt ein, dass es ausschließlich bereichernd für die anderen narrativen Werke in dieser Erzählwelt funktioniert. Ausgenommen sind hier Rob Zombies Halloween-Adaption und Halloween III. Für alle anderen Werke bietet der Comic Halloween #1 einen Mehrwert, der losgelöst funktioniert und auch in der Kombination mit jedem der „Michael Myers“-Erzählstränge eine Bereicherung darstellt. In diesem Zusammenhang ist dieser Comic ein Glanzstück von Storyworld-Teilwerk, da es Fans aller Erzählstränge gleichermaßen inkludiert.

Chaos Comics Halloween #1 ist ein besonderer Comic, der mittlerweile vergriffen ist. Diesem Teilwerk der Halloween-Erzählwelt gelingt das Kunststück, selbst jene Fortsetzungen von John Carpenters Halloween zu erweitern, die es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht gegeben hat. Als Abschluss des ersten Schocktobers auf mellowdramatix musste ein besonderes Werk her, das auch einen Bezug zu Halloween hat. Wir hoffen, unser Spezial hat euch Freude bereitet und bereichert. Im kommenden Jahr ist wieder Schocktober, heute aber erstmal: Happy Halloween!

H1 Cover

Infokasten

„Halloween #1“ (AT: „Chaos Comics Halloween“)

Autor: Phil Nutman, Daniel Farrands

Zeichner: David Brewer

Tusche: Curtis Arnold

Farben: Jason Jenson, John Merrifield

Lettering: Oscar Gongora

Editor: Mike Francis

Verlag: Chaos Comics

USA | 2000

Softcover, 24 Seiten, vollfarbig

Veröffentlichung: Der Comic wurde im Jahr 2000 veröffentlicht und ist selten geworden.

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Das Wort Kunst bezeichnet [...] im engeren Sinne Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selber sein.“

– Wikipedia