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Hörspiele & -bücher

„Planetaktion Z“ aus der Reihe Mark Brandis

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Sci-Fi-Hörspiel mit starkem Bezug zur politischen Lage, das von der Romanvorlage abweicht. Das mag nicht jedem gefallen, ist allerdings exzellent gelungen.

Grigori Romen (David Nathan), genannt Grischa, ist Kommandant auf einem Rettungsschiff. Die weltpolitische Situation ist in zwei Lager aufgespalten. Auf der einen Seite steht die Union, auf der anderen die Republiken der Welt. Beide Interessensgruppen sind auf der Erde beheimatet, doch wird der Konflikt mittlerweile interstellar ausgetragen, da die Menschen den Weltraum erschlossen haben. Das Jahr ist 2136. Nach einem Anschlag auf den Präsidenten der Union stellt sich heraus, dass die Täter allesamt Roma waren. Plötzlich werden alle Roma unter Generalverdacht gestellt, so auch Grischa, der mit seiner Rettungsmannschaft als erstes am Ort des Attentats ankam. Bei seiner Rückkehr zur Erde wird Grischa Kollaboration mit den Attentätern vorgeworfen und er wird weggesperrt. Ein ähnliches Schicksal müssen viele andere Menschen mit einer ethischen Abstammung als Roma oder Sinti über sich ergehen lassen.

Das aufgespannte Szenario erinnert stark an die Anfänge des Nationalsozialismus und verarbeitet dabei die zurzeit wieder aktuelle Thematik von aufkeimender Angst vor einer Überfremdung. Man fühlt sich beim Anhören dieses Werkes mehrfach an die aktuellen Pressemeldungen erinnert und die Bilder rund um PEGIDA und sonstigen Gruppierungen mit einer Fremdenangst-Botschaft. Unabhängig davon ist Planetaktion Z ein gut produziertes Hörspiel mit vielen bekannten Sprechern. Die Geschichte entwickelt sich von einer Rettungsmission zu einem Gefangenendrama mit anschließendem Fluchtversuch. Die Geschichte wird spannend erzählt und ist eingebettet in den größeren Kosmos der Hörspielreihe Mark Brandis. Es ist die 30. Episode in der neuaufgelegten Hörspielreihe, welche von Folgenreich und Interplanar produziert wird und im Verlag von Universal Music erscheint.

Planetaktion Z ist eine spannende Geschichte über den Umgang mit Fremdartigkeit und einer Botschaft, die zum Reflektieren einlädt. 78 Minuten Laufzeit bei einem Preis von 5 Euro sind angemessen. Auch wenn die Handlung dramaturgisch keinen Höhenflug erreicht, wird die Thematik angemessen behandelt. Fans von unterhaltsamer Fiktion mit einem Hang zum Nachdenken und Überdenken sind mit diesem Hörspiel gut beraten.

Letzte Änderung amFreitag, 18 August 2017 17:55
Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

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„Der Traum ist ein zweites Leben. Ich habe nie ohne zu schaudern durch die Elfenbein- oder Horntore dringen können, die uns von der unsichtbaren Welt scheiden. Die ersten Augenblicke des Schlafes sind das Bild des Todes. Eine nebelhafte Erstarrung ergreift unsern Gedanken, und wir können den genauen Augenblick nicht feststellen, wo das Ich in einer andern Form die Tätigkeit des Daseins fortsetzt. Ein ungewisses unterirdisches Gewölbe erhellt sich allmählich und aus dem Schatten der Nacht lösen sich in ernster Unbeweglichkeit die bleichen Figuren, welche den Vorhof der Ewigkeit bewohnen. Dann nimmt das Bild Form an, eine neue Helligkeit erleuchtet diese Erscheinungen in wunderlichem Spiel: - es öffnet sich uns die Welt der Geister.“

– Gérard de Nerval in „Aurelia oder Der Traum und das Leben