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Brett- & Kartenspiele

„Dragon Dodge“ – Kurzweil mit taktischer Tiefe

Box mit Zauberkarten im Hintergrund Hidden Creek Games Box mit Zauberkarten im Hintergrund

Das Kartenspiel Dragon Dodge lädt zu einer schnellen Partie ein und ist leicht zu erlernen, aber schwierig zu meistern. Sehr gut für zwischendurch.

Rezension

Das Kartenspiel Dragon Dogde stellt einen Kampf zwischen Zauberern nach, bei dem zwei Teams aus jeweils zwei Zauberkundigen versuchen, ihrem Gegner einen Drachen auf den Hals zu hetzen und diesem ihrerseits auszuweichen. Mithilfe von Zaubersprüchen bewegen sich die Magier durch die Kampfarena oder bauen sie zu ihren Gunsten um und steuern die Drachen zum feindlichen Team. Gewonnen hat, wer die gegnerischen Zauberer aus dem Spiel geworfen hat, indem er sie von einem der zwei Drachen hat fressen lassen, die in der Arena hausen.

Das Spielfeld besteht aus maximal 24 quadratischen Kacheln, die gemischt und verdeckt nach einem Muster ausgelegt werden. Dragon Dogde liefert ein Aufbaumuster zum Anfangen und drei weitere für Fortgeschrittene. Prinzipiell können Spieler sich Arenen aber auch selbst ausdenken. Zu Spielbeginn werden die Karten aufgedeckt. Neben der Arena gibt es noch zwei Kartenstapel: einen für die Elementarzauber zum Bewegen der Zauberer und Drachen sowie einen für die Zauber, mit denen die Arena verändert werden kann. Jeder Spieler darf, wenn er an der Reihe ist, zwei beliebige Karten ziehen und sie sofort einsetzen oder für später aufbewahren. Eine Kartenhand kann so bis zu sechs Karten enthalten.

DD 1

Um Zauberer oder Drachen über das Spielfeld zu bewegen, braucht es verschiedene Kombinationen aus Elementarzaubern. Welche genau, das ergibt sich aus den Kacheln, über die eine Figur sich bewegt. Daher kann es helfen, die Arena seinen Bedürfnissen anzupassen. Im zweiten Zauberkartenstapel gibt es die Veränderungszauber Drehen, Bewegen und Hinzufügen, mit denen immer genau eine Kachel verändert werden kann. Durch das Drehen einer Kachel können die Kombinationen der Elementarzauber für das Überqueren verändert werden. Eine Kachel zu bewegen, kann nützlich sein, um unüberquerbare Lücken zwischen Kacheln zu schließen oder einen Drachen, der nur eine Kachel entfernt steht, von sich wegzuschieben. Das Hinzufügen von Kacheln dient ebenfalls dem Schließen von Lücken oder schlicht der Erweiterung der Arena (zu welchem taktischen Zweck auch immer).

DD 2In Verbindung können die richtigen Veränderungs- und Elementarzauber eine Vielfalt von Taktiken ermöglichen, wie der Spieler einerseits die eigenen Zauberer von den Drachen wegführt und andererseits die Drachen zu den feindlichen Zauberern hinbewegt. Das ergibt ein schnelles, sehr dynamisches Spiel, bei dem ein Zauberer schneller gefressen ist, als man denkt. Das passiert immer dann, wenn eine Drachenfigur mit einer Zaubererfigur auf einer Kachel steht. Der Zauberer wird dann aus dem Spiel genommen. Überhaupt sind die Drachen zerstörerisch. Bewegen die Feuerechsen sich durch die Arena, werden alle Kacheln, auf denen sie entlang gegangen sind, aus dem Spielfeld genommen. Die Arena wird also kleiner und der Druck erhöht sich. Nur gut, dass die Zauberer Kacheln wieder hinzufügen können.

DD 3 Das Spiel ist für 2-4 Spieler ausgelegt. Bei mehr als zwei Spielern werden Teams gebildet, sodass entweder Zwei gegen Zwei oder Zwei gegen Eins gespielt wird. Spieler eines Teams können immer beide Zauberer und beide Drachen bewegen, dürfen sich aber nicht absprechen oder einander ihre Karten zeigen. Jeder Spieler sammelt seine eigenen Karten und muss also nicht nur die Züge des Gegners, sondern auch die seines Verbündeten vorausahnen. Eine Spielerweiterung erlaubt weitere taktische Variationen, unter anderem durch Zaubersprüche, mit denen die gegnerischen Zauberer bewegt werden können (mehr zu den Regeln hier).

So simpel Dragon Dogde zunächst wirkt, so anspruchsvoll kann es sein. Es ist leicht zu lernen, aber schwierig zu meistern – und bietet so taktische Tiefe und viel Kurzweil zugleich. Da ein Spiel tatsächlich, wie angegeben, 15-25 Minuten dauert, eignet sich Dragon Dogde auch zu einem schnellen Spiel für zwischendurch. Auf dem deutschen Markt ist das Kickstarter-finanzierte Kartenspiel bisher nicht erschienen. Es kann aber als englischsprachiges Original direkt bei den Herausgebern Hidden Creek Games im Internet bestellt werden.

Ein letztes Wort zu den farbenfrohen Illustrationen, die in ihrer freundlichen Strahlkraft durchaus kindergeeignet sind, wie Dragon Dogde selbst auch: Zeichnung und Kolorierung stammen von der Künstlerin Terrana Cliff, die den interaktiven Comic Nwain: The Knight Who Wandered Dream gezeichnet hat (und noch weiter zeichnet; verfügbar im Netz unter nwain.com). Hinter Nwain steht ein spannendes mediales Konzept, dem ich mich in Kürze in einem separaten Text widmen werde: die interaktive Beweglichkeit einzelner Panels, die dem Comic etwas Filmhaftes und Unvorhersehbares verleiht.

Infokasten

„Dragon Dogde“

Spieldesign: Jeff Fitzgerald, Maggie Stewart

Illustration: Terrana Cliff

Herasugeber: Hidden Creek Games

USA | 2017

Letzte Änderung amMittwoch, 06 Dezember 2017 11:10
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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„Ich habe den ganzen Kosmos mit meinem Schädel zerkaut! Ich habe gedacht, bis mir der Speichel floß. Ich war logisch bis zum Koterbrechen. Und als sich der Nebel verzogen hatte, was war dann alles? Worte und das Gehirn.“

Gottfried Benn