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Film

Ein Film über Liebe: „Das Flüstern des Wassers“

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Guillermo del Torro bringt ein weiteres Herzensprojekt auf die Leinwände. Das Flüstern des Wassers ist ein emotionales und tiefgehendes Märchen, ganz ohne Kitsch.

Rezension

SOW PosterDer mexikanische Regisseur Guillermo del Torro hat mittlerweile viele Filme gemacht – ob als Produzent oder als Regisseur. Wie bei kaum einem anderen zeitgenössischen Filmemacher verdeutlichen seine Werke den kommerziellen Druck, der auf den Schultern von Regisseuren in Hollywood liegt. So finden sich in seiner Filmografie neben kunstvollen und besonderen Filmen wie Pans Labyrinth oder The Devils Backbone eben auch solche wie Pacific Rim oder Der Hobbit, die nur den Sinn haben, Geld zu verdienen. Mit The Shape of Water, wie Das Flüstern des Wassers im Original betitelt ist, dürfe es del Torro gelingen seinen künstlerischen Stil und Anspruch mit kommerziellem Erfolg zu verbinden. Der verspielte Stil des Phantastischen, die grundlegende positive Atmosphäre und die mitreißende Inszenierung des Werkes machen Das Flüstern des Wassers zu einem herausragenden Film. Jeder kann hier etwas finden, das ihn mitnimmt. Sei es die Liebesgeschichte im Zentrum oder die vielschichtigen Außenseiter, welche die Figuren sind, die gesellschaftskritischen Aspekte oder einfach nur der verspielte Humor, der Film bietet so vieles an und macht einfach gute Laune. Einige sehr düstere Momente konterkarieren das allerdings und erden dadurch die „Feel Good“-Mentalität durch Tragik und angenehm unaufdringlichen Pathos.

SOW 2Elisa Esposito (Sally Hawkins) ist stumm. Sie arbeitet als Reinigungskraft in einer Regierungseinrichtung und lebt insgesamt ein routiniertes und nach festen abläufen bestimmtes Leben. Eines Tages werden Elisa und ihre Kollegin Zelda (Octavia Spencer) Zeuge davon, wie ein neues Forschungsexperiment angeliefert wird. Eine fremdartige Kreatur (Doug Jones), die am Amazonas gefangen wurde und dem Menschen ähnlich scheint. Diese soll in der Einrichtung untersucht werden. Die Operation leitet der Regierungsagent Richard Strickland (Michael Shannon), der das Wesen als niedere Lebensform ansieht und es foltert. Der leitende Wissenschaftler Dr. Rober Hoffstetler (Michael Suhlbarg) bemerkt jedoch schnell, dass jenes fremdartige Wesen weit mehr zu bieten hat, als Strickland erkennt. Wie der Zufall es will, freundet sich Elisa mit dem Wesen an. Daraus erwächst eine riskante Beziehung, denn sollte Elisa mit dem Wesen entdeckt werden, drohen Bestrafungen. Als dann vom Militär befohlen wird, das Wesen zu töten und eine Autopsie durchzuführen, sieht sich Elisa zum Handeln verpflichtet und beschließt ihren neuen Freund zu befreien.

Alle Charaktere haben ihre eigenen Probleme und Komplexe in diesem Film. Beeindruckend ist die Dynamik, mit der das Figurenensemble interagiert und wie diese miteinander verbunden werden. Man sollte über Das Flüstern des Wassers nicht viel wissen, bevor man sich dieser Ode an die Liebe hingibt. Viele Details machen das Werk zu etwas Einzigartigem und Besonderem. Zweifellos ist dieser Film für die große Leinwand gemacht und bietet nicht nur visuell, sondern auch auf auditiver Ebene ganz großes Kino an.

Zwischen Unterhaltung und Emotionen gelingt es Guillermo del Torro gesellschaftskritische Töne anzuschlagen und dennoch nicht mit dem Finger auf etwas zu zeigen. Das Flüstern des Wassers findet eine nahezu perfekte Balance zwischen Fröhlichkeit und Tragik, sodass er nicht weniger ist als ein exzellenter Film.

Trailer The Shape of Water

Infokasten

„Das Flüstern des Wassers“ (OT: „The Shape of Water”)

Regie: Guillermo del Torro

Drehbuch: Guillermo del Torro und Vanessa Taylor

Produktion: Bull Productions, Double Dare You, Fox Searchlight Pichtures

Laufzeit: 123 Minuten (uncut)

USA | Kanada | 2017

Ab dem 15.02.2018 im Kino.

Letzte Änderung amMittwoch, 14 Februar 2018 17:36
Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

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„Ich habe den ganzen Kosmos mit meinem Schädel zerkaut! Ich habe gedacht, bis mir der Speichel floß. Ich war logisch bis zum Koterbrechen. Und als sich der Nebel verzogen hatte, was war dann alles? Worte und das Gehirn.“

Gottfried Benn