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Film

„Game of Death“ – Ein nihilistischer Glanzmoment

Filmplakat (Ausschnitt) Filmplakat (Ausschnitt)

Das Spiel des Todes lädt die Generation Y zum Reflektieren ein. Eben feiern sie noch eine ausgelassene Party, plötzlich müssen Sie den Wert des Lebens erkennen.

In Kürze: 250 Wörter über…

Eine Gruppe von jungen Erwachsenen aus der Generation Y genießt das Leben, zelebriert es als seine endlose Party aus Spaß, zwanglosem Sex und Drogen. Bis auf einer Party ein Gesellschaftsspiel auftaucht, mit dem simplen Titel „Game of Death“. Die Partygäste nehmen – ohne darüber zu reflektieren – an diesem Spiel teil, dass zur Begrüßung erstmal das Blut aller Teilnehmer absorbiert. Auf dem Display erscheint eine 24, dies ist die Zahl der Menschen, die getötet werden müssen, um das Spiel zu beenden. Es endet auch dann, wenn alle Spieler gestorben sind. Wird niemand getötet, wählt das Spiel einen der Mitspieler und richtet über ihn.

Die Grundidee ist trashig, der narrative Verlauf vorhersehbar und die Gewalt wird exzessiv gefeiert. Die wohl abgefuckteste Coming-of-Age-Geschichte in diesem Jahr auf dem Fantasy Filmfest kann aber dennoch überzeugen. Viele heftige Momente und grenzwertige Entscheidungen machen den Figuren deutlich, wie wertvoll das Leben eigentlich ist. Am Klimax mündet alles in einem großartigen Monolog über das Leben, der als Glanzmoment des Nihilismus verstanden werden kann. Dieser Umstand wird auch dadurch unterstützt, dass der sehr gut produzierte Film ausschließlich über den Streaming-Dienst „Black Pills“ verfügbar sein wird, den es nur auf Smartphones gibt. Das ist eine technische Verschwendung, unterstreicht jedoch die Botschaft des Films, denn im Endeffekt ist alles nichts wert.

An Aussage und Form werden sich die Geister scheiden. Game of Death lädt zu einem kurzweiligen Grauenstrip, der in seinen Bildern durchweg ästhetisiert, sei es bei schönen Dingen des Lebens, wie Sex, oder der notwendig werdenden Gewalt. Interessant eingebunden werden auch Smartphonevideos, die das Leben der Figuren vor dem Spiel spiegeln. Ein kurzweiliger Rausch, der durchaus zum Nachdenken anregt.

Trailer zu Game of Death

Infokasten

„Game of Death“

Regie: Laurence Baz Morais, Sébastien Landry

Drehbuch: Edouard H. Bond, Sébastien Landry, Laurence Baz Morais

Laufzeit: 73 Minuten

Produzent: Mathias Bernard, Philip Kalin-Hajdu, Pierre-Alexandre Bouchard

USA | Kanada | Frankreich 2017

Letzte Änderung amDonnerstag, 21 September 2017 12:00
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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It is said, that once a gentleman asked Madame du Deffand (1697 – 1784) if she believed in ghosts. ‘No,’ she replied, ‘but I am afraid of them.’