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Hörspiele & -bücher

„Das Haus Moreau“ weckt die Geister althergebrachter Genrekonventionen

CD-Cover (Ausschnitt) Rubikon Hörspiele CD-Cover (Ausschnitt)

Folge 2 der Hörspielreihe Fabula Obscura führt auf eine Geisterinsel an der französischen Atlantikküste, wo es Touristen in ein heimgesuchtes Anwesen verschlägt.

Rezension

Seit über 50 Jahren liegt das Haus Moreau verlassen auf einer winzigen Insel vor der Atlantikküste Frankreichs. Es spuke dort, erzählen sich die Menschen aus den umliegenden Dörfern. Niemand, dem Leib und Leben lieb sind, dürfe dort auch nur eine Nacht verbringen. Angezogen von diesen Gerüchten, haben eine Hand voll Sensationstouristen eine Besichtigung des Anwesens bei Paranormal Tours gebucht. Allein der abergläubische Henri (Markus Pfeiffer), der die Gruppe mit seinem Bötchen übersetzt, warnt den Tourleiter Eric Danton (Till Hagen), es würde bald gewittern. Unmöglich, sie dann vor Einbruch der Nacht abzuholen. Aber der gierige Danton schlägt die Warnung in den Wind. Als es dann heftig zu wettern anfängt, bleibt den Schaulustigen keine Wahl. Sie schlagen ihr Lager im Haus Moreau auf und müssen – Wohl oder Übel – ergründen, was es mit den Gerüchten auf sich hat.

Wie auch schon in Folge 1 der Hörspielreihe Fabula Obscura dominiert in Das Haus Moreau eine groschenromanhafte Inszenierung, die nicht an der feinen Zeichnung einer Ambivalenz interessiert ist, die das Phantastische oft erst mit Schrecken beseelt. Dass es in dem Haus Moreau tatsächlich spukt, muss daher nicht groß geheim gehalten werden. Interessant hingegen ist die Figurenzeichnung zu Beginn des Hörspiels, die bereits die wesentlichen Konflikte etabliert, etwa den Widerstreit der Interessen zwischen dem Tourleiter Danton und dem neuen Hauseigentümer Neal Davenport (Peter Flechtner), der mit dem Gedanken spielt, seinen Besitz zu veräußern und Danton damit seine Einkommensquelle zu nehmen. Konflikte wie diese, die ans Existenzielle heranreichen, hätten neben die paranormale Bedrohung eine realistische setzen können. Leider wird das Potenzial dieser Figurenkonstellation nicht ausgeschöpft.

Dennoch kann Das Haus Moreau als typische Geistergeschichte mit deutlichen Bezügen zu H. P. Lovecrafts Werken durchaus unterhaltsam sein. Im Fokus steht weniger die Variation und Innovation des Geistermotivs als vielmehr das Anknüpfen an die Ästhetik altbekannter Gruselunterhaltung, sodass sie im Medium des Hörspiels neu aufleben kann – bis hin zum Tod durch eine Angst, die das Opfer bis in die Haare erbleichen lässt. Diese Art sich zu Tode zu erschrecken, ist so ikonisch geworden, dass sie bereits als gängiges Motiv in Zeichentrickserien Eingang gefunden hat und daher treffend veranschaulicht, wie sehr Das Haus Moreau auf Althergebrachtes setzt und dementsprechend die Grenzen des eigenen Genres nicht überschreitet.

Infokasten

„Fabula Obscura, Folge 2: Das Haus Moreau“

Produktion: Rubikon Hörspiele

Spielzeit: 75 Minuten

Deutschland 2014


Letzte Änderung amFreitag, 25 August 2017 05:49
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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„Mit Hilfe der Askese soll es manchen Buddhisten gelingen, eine ganze Landschaft aus einer Saubohne herauszulesen. Das hätten die ersten, die Erzählungen analysierten, gerne gekonnt: alle Erzählungen der Welt (sie sind Legion) aus einer einzigen Struktur herauszulesen.“

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