log in

Hörspiele & -bücher

„Dorian Hunter – Dämonen-Killer“ (Zaubermond-Verlag)

Cover (Ausschnitt) Zaubermond Verlag Cover (Ausschnitt)

Akustischer Splatter für Pulp-Fiction-Fans!

Die dreiteilige Jubiläumsfolge Die Masken des Dr. Faustus

Erst war er Juan Garcia de Tabera (1487-1508), dann Georg Rudolf Speyer (1508-1540) und nun, in der Gegenwart, Dorian Hunter: sie alle sind Reinkarnationen des Barons Nicolas de Conde, der um der Unsterblichkeit willen im Jahre 1484 seine Seele dem Teufel Asmodi verpfändete und ob dieses Paktes seine Familie einbüßte – woran der Teufel und sein Ränkespiel nicht ganz unschuldig waren. Asmodi ist das Oberhaupt der Schwarzen Familie, allesamt Dämonen, die zu jagen und richten der Baron aus Rache schwor: als Garcia de Tabera, der die dämonische Verschwörung bei Alcázar in Toledo zerschlug, als Georg Rudolf Speyer, der Scholar und ehemalige Lehrling des Dr. Faustus, und zuletzt als Dorian Hunter, der als Leiter der Inquisitionsabteilung des britischen Secret Service Asmodi schließlich tötete. Aber noch sind da die verbliebenen Mitglieder der Schwarzen Familie, die ihre Intrigenspiele forttreiben. Ihnen auf den Fersen, sie einen nach dem anderen dingfest zu machen, ist Dorian Hunter, der Dämonen-Killer.

Die Jubiläumsfolge Nr. 25, Die Masken des Dr. Faustus, verschneidet den Roman Die Todesmasken des Dr. Faustus von Paul Wolf mit der direkten Fortsetzung Das Mordpendel von Neal Davenport und springt so zwischen den Zeiten, die in der literarischen Vorlage noch getrennt waren: der Gegenwart des heutigen Londons, in dem Hunter einen dreifaltigen Dämon stoppen muss, und der spätmittelalterlichen Zeit des Georg Rudolf Speyers, der dem teuflischen Drilling schon damals das Handwerk legen wollte. Offenbar unterlief ihm dabei ein folgenreicher Fehler –

Speyers Suche und Kampf erkundet das Hörspiel in breitangelegten Rückblenden. Während Hunter dergestalt in Erinnerungsschüben von seiner früheren Existenz erfährt, spitzt sich die Lage im Hier und Jetzt zu. Speyer führt es in die Gesellschaft einer wandernden Theatergruppe, mit der reisend es ihn nach Hassfurt verschlägt, wo bald darauf die Hölle auf Erden losbrechen wird. Dank des Wissens, das er als Juan Garcia de Tabera erwarb, ist er sich im Klaren darüber, dass allein der goldene Drudenfuss dem Drilling Einhalt gebieten kann und er das Artefakt folglich rechtzeitig wird finden müssen.

Tontechnisch einwandfrei produziert, außerdem mit vielen bekannten Sprechern und einer atmosphärischen Soundkulisse versehen, setzen Die Masken des Dr. Faustus durchweg auf handlungsgetriebene Spannung und eine Stimmung, die ihre Wirkung aus der Explizitheit des trashig-deftigen Horrors der Romanheft-Vorlagen zieht: die Grauen reihen sich reißerisch aneinander, die Höhepunkte markiert akustischer Splatter. Pulp-Fiction-Fans werden das lieben. Die vielen Szenen- und Zeitsprünge samt den zahlreichen Figuren geben der Handlung eine rasante Rhythmik. Obschon die Figuren sich kaum entwickeln, ist nicht immer gewiss, wer auf welcher Seite der sonst klaren Ordnung von Gut und Böse steht – was die Handlung wendungsreich gestaltet.

Die Masken des Dr. Faustus, umfasst mit den drei Teil-Episoden Mummenschanz, Hassfurt und Fastnacht dreieinhalb Stunden Hörspiel plus den dazugehörigen Soundtrack Hunteresque von Andreas Meyer mit 19 Musiktiteln. Die Romanserie konzipierten die Autoren Ernst Vlcek und Neal Davenport Anfang der 70er Jahre zunächst auf zehn Bände. Funny Fact: Vier davon landeten aufgrund der teils expliziten Gewaltdarstellung auf dem Index. Ab 1994 wurde die Serie dann fortgeführt und nunmehr 20 Jahre später sind bereits über 75 Bände publiziert. Im Sommer 2008 startete die Hörspiel-Umsetzung im Zaubermond-Verlag.

Letzte Änderung amFreitag, 18 August 2017 18:28
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

Schreibe einen Kommentar

Unter anderem auch das

„Das Schattenreich ist das Paradies der Phantasten.“

 

aus Immanuel Kants Träume eines Geistersehers