log in

Metablog

Tribut an Solid Snake: Ist das Glorifizierung des Soldatentums?

Solid Snake Konami Solid Snake

Während ich den Artikel zu Solid Snake – Something to fight for schrieb, konnte ich eine für mich wichtige Bedeutungsebene dieses Fanvideos nicht ausblenden: Da der Netzkünstler mit dem Pseudonym DevilFox92 ein Tribut an den fiktiven Soldaten Solid Snake liefert, glorifiziert er damit nicht zugleich das Soldatentum? Ohne Frage bin ich ein großer Fan der Metal-Gear-Reihe und trotzdem kann ich das kritische Flüstern in meinem Kopf nicht abstellen.

Immerhin muss ein Soldat mit dem Widerspruch leben können, dass er für einen Staat notwendige Arbeit tut, zugleich aber einen Teil seiner Individualität abgibt, sich auf Gehorsamkeit verpflichtet und sich bereit erklärt Menschen zu töten, wenn es erforderlich ist. Militär ist daher für mich immer etwas Ambivalentes, das einerseits Ordnung und Sicherheit verkörpert, andererseits aber auch Unterdrückung und Tod. In vielen Filmen und Games wird die ethische Position des Militärs oft sehr vereinfachend dargestellt, indem es schlicht auf der Seite der Guten steht (z. B. in den Filmen Wir waren Helden, Windtalkers, Black Hawk Down oder in der Spiele-Serie Call of Duty). Aus diesem Grund halte ich den Anti-Kriegs-Shooter Spec Ops: The Line zum Beispiel für sehr gelungen. Denn dort wird, soweit mir bekannt, zum ersten Mal in einem Shooter das Schreckliche des Krieges auch als Schrecken dargestellt, obgleich nicht durchgehend, da auch in diesem Spiel das Gameplay über den Realismus siegt.

Die Metal-Gear-Reihe reflektiert das Töten und Gehorchen, das mit dem Dasein als Soldat einhergehen, an vielen Stellen. Da Solid Snake als Klon des größten Soldaten, wie es heißt, zum Kämpfen geschaffen wurde, nichts Anderes als das kennt und dementsprechend zu einem Werkzeug der Regierung wird, ist er gewissermaßen ein ‚tragischer Superheld‘ auf der Suche nach Sinn. Genau das kommt in dem Tribut von DevilFox92 auch zum Ausdruck, das ich daher nicht als Glorifizierung bezeichnen würde. Vielmehr würde ich es die Dramatisierung eines alltäglichen Problems nennen, wie man es oft in der Fiktion vorfindet. Jeder Mensch sucht nach Sinn und muss für sich entscheiden, wie er mit den Widersprüchen des modernen Lebens umgehen will. In Solid Snakes Fall ist das nur pathetischer, spannender und nicht zuletzt unterhaltsamer, weil diese Figur einen Lebenssinn sucht, für den sie nicht nur metaphorisch, sondern mit Leib und Leben kämpft.

Letzte Änderung amMittwoch, 16 August 2017 12:12
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Auf Twitter als er selbst: @avllmr.

Schreibe einen Kommentar

Unter anderem auch das . . .

„Das Schattenreich ist das Paradies der Phantasten.“

 

aus Immanuel Kants Träume eines Geistersehers

Cookie-Einstellungen