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Reboot-Blog #1: Ein Blick zurück

Themencollage (Ausschnitt) Mellowdramatix Themencollage (Ausschnitt)

Der Reboot-Blog dreht sich um die kommende Umstellung der Website. Im ersten Eintrag wirft Gründer André Vollmer einen persönlichen Rückblick auf die letzten 10 Jahre.

Kaum zu glauben, dass es bald zehn Jahre her ist, seit ich die Domain Mellowdramatix.de registriert habe. Nur wenige Wochen später folgte Fantasyzeitung.de. Seither hat sich die Website, die unter beiden Adressen zu erreichen ist, thematisch, strukturell und optisch stark weiterentwickelt – ganz zu schweigen von uns, die als Studenten das Bloggen angefangen haben, aber auch als Absolventen nicht aufhören können, über Phantastik, Horror und Science-Fiction zu schreiben. Im Gegenteil: Auf der Grundlage regelmäßiger Veröffentlichungen wird es 2017 erst richtig losgehen. Zuvor aber steht erneut eine große Umstellung der Website an, ein Reboot, wenn man so viel, das unsere schreibende Tätigkeit auf ein neues Level hebt – in der Hoffnung, dass es weiterhin Leserinnen und Leser anzieht, sie gut informiert und ihnen Freude bereitet.

Angefangen hat alles mit der Schreiblust eines Studenten und seiner ersten Joomla-Installation, die bald zu einem überschaubaren Blog für phantastische Literatur aus der Online- und Offline-Welt heranwuchs, damals nur unter der Domain Fantasyzeitung.de abrufbar. Die Webadresse Mellowdramatix.de war da noch für ein anderes Projekt reserviert, das allerdings bald mit dem Fantasy-Blog verschmelzen wollte: für die Veröffentlichung einer Reihe eigenhändig geschriebener Geschichten. Bis heute schwingt in dem Projekt Mellowdramatix der Wunsch mit, als Schriftsteller und Künstler tätig zu sein. Die künstlerische Perspektive prägt in Verbindung mit einem Literatur- und Sprachstudium meine Arbeit in und an dieser Website. Für mich ist es genau diese Kombination, die mir die Hoffnung gibt, dass Mellowdramatix etwas Bleibendes sein wird – und auch Besonderes.

Es hat verschiedene Versuche gegeben, das Literarische in dieses Projekt zu integrieren. Da bisher aber keiner dieser Gehversuche hatte von Dauer sein sollen, wäre es an dieser Stelle müßig, von ihnen zu berichten. Für die Kontinuität dieser Kunstbestrebungen hätte es ohnehin mehr Zeit gebraucht. Dass es an ihr fehlte, hieß nur, dass andere Dinge wichtiger waren. Was von den Versuchen geblieben ist, sind die zwei Domains, die seither auf diese Seite verweisen – und das Versprechen, die Kunst zurückkehren zu lassen. Bis dahin ist wichtig, dass Mellowdramatix als Blogmagazin funktioniert, doch dazu später mehr.

Jedes Ding hat seine Zeit, schreibt Shakespeare. Und es stimmt. Nur sie rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln, ist nicht immer einfach. Das Studium ist abgeschlossen und die ersten Jobs sind heil überstanden, darunter die obligatorischen Ausflüge in den Lehrbetrieb der Unis. Die Idee einer Promotion habe ich auf Eis gelegt. Sie ist nicht gestorben, aber sie schlummert in einem Kälteschlaf, der vorerst ungestört bleibt. Zwar ist Zeit deswegen keine weniger knappe Ressource geworden, aber dass sie fürs Schreiben ganz fehlt, hat sich in meinem Fall geändert, seit ich hauptberuflich als Schriftsteller, Blogger und Texter tätig bin.

Man denke nur an die zweite Hälfte von 2016 und die Anfänge dieses Jahres: Mellowdramatix war in dieser Zeit wie einer dieser geisterhaften Blogs gewesen, die plötzlich verstummt sind, gespenstisch und verlassen wie ein altes Haus, in das eintreten kann, wer die Adresse kennt, wo aber nichts mehr wandelt als der Staub, die verblasste Erinnerung und der seltsame Schimmer vergangener Träume. Solche Geisterblogs nehmen eine museale Qualität an, man kann ihre Inhalte wie Ausstellungsstücke besichtigen, aber sie sind wie hinter Glas. Es fehlt ihnen das Leben.

Phasen, in denen vieles derart brachliegt, hat es in der Geschichte dieser Website häufig gegeben. Sie waren notwendig. Denn, wo Land brachliegt, kann es regenerieren und wieder fruchtbar werden. Von jetzt an liegt ein dauerhafter Fokus meiner Arbeit auf der Weiterentwicklung von Mellowdramatix hin zu einem Blogmagazin, wie ich es nenne. Hinter diesem Begriff, den ich mir nicht ausgedacht habe, verbirgt sich dem Namen nach eine hybride Publikationsform aus Blog und Magazin, zu der ich später noch mehr in diesem Reboot-Blog schreiben werde. Denn darum soll es in dieser Textreihe gehen: um die große Umstellung, die bevorsteht.

Es wird nicht der erste Entwicklungsschub sein, den diese Seite erfahren hat. Was als ein Blog über Fantasy-Literatur gestartet ist, wurde bald eine Rezensionsplattform zu verschiedensten Medieninhalten, zunächst zu Videospielen und Filmen, dann auch zu Comics, Musik und Gesellschaftsspielen. Auch das thematische Spektrum in Bezug auf die Genres wuchs an. Aus dem spätjugendlichen Interesse an Fantasy wurde eine Suche nach der Phantastik, die je nach Begriffsbildung deutlich mehr umfasst als das, was im Deutschen unter Fantasy verstanden wird, oder gar etwas völlig anderes meint. Auf dieser Erkenntnissuche gesellten sich bald die Themenfelder Horror und Science-Fiction hinzu, die miteinander und mit dem Phantastischen viele Überschneidungspunkte haben. Sie zu einem thematischen Komplex zu vereinen, erschien insofern plausibel, als diese Zusammenführung im Material selbst begründet ist und daher nicht willkürlich gesetzt wurde.

Die hier skizzierte Reise, die hinter Mellowdramatix liegt, hätte ich allein nie bewerkstelligen können. Es sind viele Menschen, die diese Website maßgeblich beeinflusst haben, sie durch ihre Arbeit vorangetragen haben und dies nach wie vor tun, allen voran mein Mitblogger und guter Freund Thomas Heuer, der nicht nur viele Inhalte liefert und dessen Feedback ich sehr schätze, sondern der außerdem zahllose Impulse zur Weiterentwicklung gesetzt hat und es auch jetzt noch tut. Mit seinem medienwissenschaftlichen Hintergrund und seiner multimedialen Kompetenz hat Thomas dieses Projekt um ein Potenzial bereichert, das bereits so viel bewegt hat und dabei längst noch nicht ausgeschöpft ist.

Der technische Support eines weiteren guten Freundes hat erst die Grundlage für die Entstehung und Weiterentwicklung dieser Seite geschaffen. Richard Marnau war es, der mich mit Joomla in Berührung gebracht hat und der sich mittlerweile als Fachinformatiker für Systemintegration selbstständig gemacht hat. Den Webserver seiner Firma Compfair können wir seither unentgeltlich für dieses Projekt nutzen.

Zu nennen sind auch die vielen Freunde, Familienmitglieder und Bekannten, die uns immer moralisch den Rücken gestärkt haben, sodass wir, auch wenn es mal schlecht aussah, letztlich weitermachen konnten. Manche von ihnen sind auf Mellowdramatix sogar unter Pseudonymen als Gastautoren aufgetreten.

An all diese Menschen – an euch – geht mein Dank, ihr habt diese Seiten am Leben gehalten und ich hoffe, dass ihr wisst, ohne euch wäre es nicht gegangen!

Insbesondere nicht ohne Dich, die Du einen besonderen Platz in meinem Herzen einnimmst. Nicht nur, wenn ich den Kopf hängen ließ, bist Du mir emotional zur Seite gesprungen, sondern hast auch sonst tatkräftig an Mellowdramatix mitgedacht, mitrecherchiert und mitgeschrieben – mal aus dem Hintergrund als Lektorin, mal direkt als Gastautorin. Du hast alles geduldig und interessiert gelesen, was ich je verfasst habe, und es durch dein sprachliches Feingefühl verschönert. Alle Gedanken und Ideen, so unfertig sie manches Mal waren und so unmöglich die Tageszeit, hast du dir angehört und sie dann mit mir diskutiert. Dafür kann ich Dir nicht genug danken!

Euch allen gebührt mein Dank, denn eben erst dank euch, dank allen Unterstützern und Beitragenden, kann ich sagen, dass dieses Gemeinschaftsprojekt auf einem guten Weg ist. Das merke ich nicht nur an den steigenden Besucherzahlen, sobald Regelmäßigkeit in unser Schreiben gelangt. Auch nicht allein daran, dass Verleihe unsere Rezensionen auf ihren DVD-Covern zitieren. Ich merke es vor allem an der Resonanz der Medienschaffenden. Es gab schon sehr viele darunter, die überrascht waren, mit welcher Offenheit und Neugier wir ihre Werke besprechen und dass wir so ihre ästhetischen Absichten manches Mal sehr genau herauszulesen wussten. Am Ende eines schwierigen Tages ist es die Erinnerung an ein solches Lob, das einen weitermachen lässt.

Und weitergemacht wird auf jeden Fall. Wie und in welcher Form, darüber schreibe ich im nächsten Beitrag dieser Reihe.

Letzte Änderung amSamstag, 02 September 2017 08:20
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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„Horror ist eine Gattung der Phantastik, in deren Fiktionen das Unmögliche in einer Welt möglich und real wird, die der unseren weitgehend gleicht, und wo Menschen, die uns ebenfalls gleichen, auf diese Anzeichen der Brüchigkeit ihrer Welt mit Grauen reagieren.“ – Hans. D. Baumann: Horror. Die Lust am Grauen. Weinheim 1989, S. 109.