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Gaming

Text-Adventure à la Lovecraft: „Horror in the Darkness“

Titelbildschirm (Ausschnitt, neu arrangiert) Karmic Shift Studios Titelbildschirm (Ausschnitt, neu arrangiert)

Horror in the Darkness ist ein Text-Adventure mit Lovecraft-Anleihen, das von einem Indie-Entwickler fürs Handy erstellt wurde. Für zwischendurch gut geeignet.

Rezension

Ein Ich-Erzähler aus New England erhält einen Brief von der Witwe eines Kriegskameraden und begibt sich auf deren Wunsch zu dem Wentsire Manor auf einer Insel vor der Küste von Brunswik, Maine. Der Kontakt zu den Verwandten, die dort leben, sei seit einigen Monaten abgebrochen, so die Witwe. Auf eigene Faust erkundet der Mann also Haus und Hof, die verlassen zu sein scheinen, sowie den naheliegenden Wald, in der es eine archäologische Ausgrabungsstätte geben soll. Nach und nach hegt sich der Verdacht, dass der Familie Wentsire etwas Schreckliches zugestoßen sein könnte.

Horror in the Darkness 3Horror in the Darkness 2Horror in the Darkness ist ein Text-Adventure der alten Schule, in dem der Spieler an einem Ort beginnt,  der durch einen kurzen Text beschrieben wird und von dem aus im Norden, Süden, Westen und Osten weitere Orte zu erreichen sind. So kann er von Ort zu Ort wandern, sich dort Objekte anschauen, sie an sich nehmen, etwas öffnen oder schließen, etwas ziehen oder schieben sowie etwas lesen oder benutzen. Realisiert wird dies über die Interaktionsmöglichkeiten Walk, Look, Take, Open, Close, Push, Pull, Read und Use. Schaut sich ein Spieler ein Objekt also an einem bestimmt Ort an, tut er dies über den Knopf Look und erhält dann einen weiteren Text mit einer eingehenderen Beschreibung. Mittels Take kann er das Objekt an sich nehmen und über Use in seinem Inventar mit anderen Dingen kombinieren. Derart gilt es in Horror in the Darkness ein altes Anwesen zu erkunden und darin Rätsel zu lösen. Um weiterzukommen, muss der Spieler Objekte finden, sie schlau zusammenstecken und sie mit der geschilderten Spielwelt sinnvoll in Verbindung setzen, etwa indem er ein Buttermesser als Schraubenzieher verwendet, um die Verkleidung einer Lüftungsanlage abzunehmen. Bis auf die eintönige Musik ist das Text-Adventure grundsolide, wenn auch nicht herausragend und für geübte Adventurer in weniger als einer Stunde durchzuspielen. Schaltet man die Musik aus, ist es dennoch atmosphärisch. Das liegt unter anderem an den gut geschriebenen Texten. , die sich in ihrer Beschreibung der Spielwelt auf das Wesentliche beschränken und sie dennoch plastisch vors innere Auge treten lassen. In der Gestaltung des Schreckens bedient sich der Autor bei bekannten Lovecraft-Motiven, ohne einen direkten Bezug zu einem Werk des Schriftstellers herzustellen. Einzig stört, dass nur dann automatisch gespeichert wird, wenn ein Fortschritt erreicht wurde, und dass die Bedienung manchmal etwas unkomfortabel ist. Wer etwa ins Inventar will, muss erst auf Use, dann auf Inventar und, je nachdem wie weit hinten das Objekt liegt, mehrfach auf Next klicken. Auch die Karte ist hinter der Funktion Read versteckt und nicht separat anwählbar.

Horror in the Darkness 6Horror in the Darkness 7All diese Kleinigkeiten sind in einer verbesserten Version namens Horror in the Darkness Redux überarbeitet worden, das auch inhaltlich ein wenig umfangreicher ist, für diese Besprechung aber nur angespielt wurde. Für die Redux-Version verwendet der Entwickler eine überarbeitete Benutzeroberfläche, die auch in den Sequels zum Einsatz kommt. Das sind zum einen Horror in Innsport, eine direkte Fortsetzung der Handlung von Horror in the Darkness, sowie Horror in the Pacific, das einige Jahre nach dem zweiten Teil in einem Ferienresort auf einer Insel nahe Papua Neu Guinea spielt. Bis auf Horror in Innsport sind die Text-Adventures alle kostenlos, dafür aber nicht werbefrei und zudem ohne Schnellreise-Funktion, die nur in der überarbeiteten Benutzeroberfläche freigeschaltet werden kann. Die Apps können für Kleinstbeträge erworben werden, die mehr als gerechtfertigt sind.

Mit Horror in the Darkness und seinen Sequels sind gut geschriebene Text-Adventures für Android und iPhone erschienen, die für zwischendurch bestens geeignet sind, im Vergleich mit anderen Adventures aber nicht herausragen.

Infokasten

„Horror in the Darkness“

Entwickler: Karmic Shift Studios

Plattformen: Mobilgeräte (Android, iPhone)

Neuseeland 2016

Digital veröffentlicht als App auf Mobilgeräten.

In Englischer Sprache.

Letzte Änderung amFreitag, 25 August 2017 05:41
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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Unter anderem auch das

„Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten. Das klingt geistreich oder vielleicht zugespitzt. Aber es ist mir ganz ernst damit, es ist nicht eine witzige Formel. Der Mensch, der krank ist, der zeigt, daß bei ihm gewisse menschliche Dinge noch nicht so unterdrückt sind, daß sie in Konflikt kommen mit den Mustern der Kultur und daß sie dadurch, durch diese Friktion, Symptome erzeugen. […] sehr viele Menschen, das heißt, die Normalen, sind so angepaßt, die haben so alles, was ihr eigen ist, verlassen, die sind so entfremdet, so instrumente-, so roboterhaft geworden, daß sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden.“

– Erich Fromm