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„Sabrina“-Weihnachtsfolge kramt in Weihnachtsmythen

Filmszene (Ausschnitt) Netflix Filmszene (Ausschnitt)

Folge 11, A Midwinter's Tale, erzählt ein etwas hastiges und nicht allzu schauriges Weihnachtsabenteuer mit Hausgeistern und dämonischen Kinderdieben.

Rezension

sabrina midwinterstale 2Passend zur vorweihnachtlichen Zeit hat die Streaming-Plattform Netflix zu ihrer Serie und Comic-Adaption Chilling Adventures of Sabrina das Weihnachtsspezial Chapter Eleven: A Midwinter's Tale veröffentlicht. Die Folge steht nicht wie manch andere Weihnachtsepisode für sich, sondern stellt einen erzählerischen Übergang zwischen der ersten und der zweiten Staffel her, die im April nächsten Jahres erscheint. Die Auswirkungen der Geschehnisse aus Staffel 1 sind deutlich spürbar in den Beziehungen zwischen Sabrina (Kiernan Shipka) und ihren Freundinnen, ihren Konkurrentinnen und insbesondere ihrer Liebe zu Harvey Kinkle (Ross Lynch). Aber auch die junge Hexe scheint sich gewandelt zu haben. Zwar hält Sabrina nach wie vor an waghalsigen Plänen fest, wenn sie glaubt, damit anderen helfen zu können, aber langsam dämmert auch ihr, dass ihre Zaubereien oft für gefährliche Unordnung sorgen. Und so sieht sich die Heranwachsende damit konfrontiert, dass nicht alle Menschen in ihrem Umkreis magische Hilfe wünschen, egal wie gut sie es meint. Welche Konsequenzen manche Eingriffe in das Gefüge der Wirklichkeit haben, thematisierte schon das vorangegangene Staffelfinale.

Trotzdem will Sabrina in einer Séance Kontakt zu dem Geist ihrer verstorbenen Mutter Diana (Annette Reilly) aufnehmen, den sie in Staffel 1 ruhelos durch den Nimbus hat irren sehen. Und das zur Weihnachtszeit – oder wie es die Hexen sehen: zur Zeit der Wintersonnenwende, wenn die Welt der Geister näher an das Diesseits heranrückt. Dass diese eigenmächtige Handlung den einen oder anderen ungewollten Weihnachtsspuk ins Haus holt, ist absehbar und nicht Sabrinas einziges Problem. Denn zudem stiehlt ein Dämon (Brian Markinson), der wohl nicht zufällig an den Krampus erinnert, Kinder in Greendale.

sabrina midwinterstale 1In unterhaltsamer Weise knüpft A Midwinter's Tale zudem an frühere mythologische Konzepte an, die mit Weihnachten zusammenhängen, aber vorchristlichen Ursprungs sind. Damit ist nicht nur der dämonische Krampus gemeint, der freche Kinder bestraft, sondern unter anderem auch die Vorstellung, dass Weihnachten bzw. die dunkle Winterzeit eine Zeit der Geister ist, gegen die sich der Mensch schützen muss, etwa mit dem Christklotz oder Julblock, der im Kamin brennt, damit den Schornstein nichts Böses hinunterkommt. Auch wenn dies nur seichte Referenzen an halbvergessene Mythen sind, können sie den Blick auf die eigene Kultur geschmeidig biegen und im Spiegel der Popkultur andeuten, was früher war.

Obwohl A Midwinter's Tale stellenweise zu hastig erzählt, bleibt die Folge spannend und macht Lust auf die zweite Staffel von Chilling Adventures of Sabrina.

 

Trailer zu Chapter Eleven: A Midwinter's Tale

infobox

Chilling Adventures of Sabrina“, Chapter Eleven: A Midwinter's Tale

Schöpfer / Drehbuch: Roberto Aguirre-Sacasa, Donna Thorland

Regie: Jeff Woolnough

Laufzeit: ca. 50 Minuten

Produzent: Warner Bros. Television

Verleih: Netflix

USA | 2018

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amDonnerstag, 17 Januar 2019 21:13
André Vollmer

Schriftsteller, der Kritiken schreibt. Gründer von Mellowdramatix. Am Meer geboren.

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