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Serie

„Gotham“ – Harte Cops gegen Korruption und Wahnsinn

Serien-Plakat (Staffel 2) Warner Bros./DC Serien-Plakat (Staffel 2)

Die ersten zwei Staffeln der Serie Gotham ergründen die Ursprünge vieler Figuren aus dem Batman-Universum, insbesondere die von James Gordon und Dem Pinguin.

Rezension

Gotham ist eine Film-Noir-Stadt durch und durch. Die guten Cops werden mundtot gemacht oder gleich erschossen und im Fluss versenkt, die übrigen sind korrupt oder haben anderweitig Dreck am Stecken. In dieser Stadt sind die Nächte dunkler als anderswo, Nebel steigt in Schwaden aus der Kanalisation auf. Bis in die höchsten Ämter der Stadtpolitik reicht das Netz der Mafia, die Gotham kontrolliert, an ihrer Spitze Carmine Falcone (John Doman), der wenigstens ein gewisses Ehrgefühl an den Tag legt und in seiner Weise für Ordnung sorgt. Aber andere Kräfte, die nach oben streben, wollen Falcones Macht brechen und gefährden die gesamte Stadt, allen voran die gerissene Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) und ihr Handlanger Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor), den sie in ganz Gotham bald schon Den Pinguin nennen werden.

Gotham1James Gordon (Ben McKenzie) ist einer der wenigen, die in dem Labyrinth aus Intrigen noch eine weiße Weste haben, ein junger Polizist, der mit Härte und Rechtschaffenheit durchgreift und sogar die Kollegen aufmischt. An seiner Seite Harvey Bullock (Donal Logue), der nicht ganz so rechtschaffene, eher pragmatische Cop mit zwielichtigen Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Dies ungleiche Gespann kämpft sich Folge für Folge von Fall zu Fall und gerät dabei immer wieder an Grenzen, die ihnen die allgegenwärtige Korruption aufzeigt, bis auch Gordons Ehrlichkeit bis aufs Äußerste erprobt wird. Parallel folgt die Serie vor allem Oswald Cobblepots kriminelle Karriere und zeichnet dabei einen ambivalenten Antagonisten, mitleiderregend und doch so kaltblütig-verrückt – eine gelungene Figur, mit Robin Lord Taylor großartig besetzt.

Gotham4Gotham erzählt seine verzweigte Geschichte multiperspektiv und folgt vielen verschiedenen Figuren, unter anderem den da noch Jugendlichen Bruce Wayne (David Mazouz) und Selina Kyle (Camren Bicondova), die später Catwoman sein wird. In dieser Weise schildert die Serie einerseits Gordons Kampf für Recht und Ordnung und andererseits die Unterwelt-Politik mit ihren auf- und absteigenden Sternen, bis zunehmend wahnsinnigere Figuren auftreten, die später als Bösewichte im Batman-Universum bekannt sein werden. Neben den Hintergründen des Pinguins ist es vor allem Der Riddler, der sich nach und nach im Bewusstsein des schrägen Polizisten Edward Nygma (Cory Michael Smith) manifestiert und in der zweiten Staffel schließlich eine wesentliche Rolle spielen wird. Aber auch andere üble Gestalten haben ihren Gastauftritt, so etwa Der Joker, Scarecrow und Mr. Freeze.

Gotham2

Man darf keine Superhelden-Action erwarten, dann ist Gotham eine unterhaltsame Krimi-Serie mit vielschichtigen Figuren, einem wendungsreichen Geschehen und vielen comichaft überzeichneten Elementen. Ein spannender, weil gut gemachter Zugang zum Batman-Universum, der mal etwas anders ist. Die dritte Staffel läuft derzeit in Deutschland auf dem Privatsender ProSieben Fun und kann bisher nur digital geliehen oder erworben werden.

 Trailer zu Gotham, Staffel 2

Infokasten

„Gotham“

Schöpfer: Bruno Heller  

Produzent: Primrose Hill Productions, DC Comics, Warner Bros. Television

Laufzeit: 42 Minuten / 22 Episoden, bisher 3 Staffeln

Verleih: Warner Bros. Home Entertainment

USA 2014-

Die Serie erscheint auf DVD, Blu-Ray und digital.

Letzte Änderung amFreitag, 25 August 2017 05:41
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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„Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten. Das klingt geistreich oder vielleicht zugespitzt. Aber es ist mir ganz ernst damit, es ist nicht eine witzige Formel. Der Mensch, der krank ist, der zeigt, daß bei ihm gewisse menschliche Dinge noch nicht so unterdrückt sind, daß sie in Konflikt kommen mit den Mustern der Kultur und daß sie dadurch, durch diese Friktion, Symptome erzeugen. […] sehr viele Menschen, das heißt, die Normalen, sind so angepaßt, die haben so alles, was ihr eigen ist, verlassen, die sind so entfremdet, so instrumente-, so roboterhaft geworden, daß sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden.“

– Erich Fromm