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Film

„Alone“ – Wenn die letzten Menschen auf Erden Teenager sind

Kinoplakat (Ausschnitt) Kinoplakat (Ausschnitt)

Bis auf fünf Jugendliche sind alle Menschen verschwunden. Sie raufen sich zusammen, müssen aber erkennen, dass da noch jemand ist, der ihren Tod will.

Rezension

Plötzlich ist Leila (Sofia Lesaffre) allein. Gestern noch eine Prügelei mit ihren Schulkameraden und jetzt sind alle weg. Selbst ihre Eltern sind verschwunden. Die Großstadt liegt menschenleer vor ihr. Erst nach langem Suchen stößt Leila auf andere Teenager, die sich glücklicherweise nicht wie der Rest der Welt in Luft aufgelöst haben. Da wären zunächst der einzelgängerische Dodji (Stéphane Bak), der Ärger mit dem Gesetz hat, und der stinkreiche, aber schüchtern-schräge Yvan (Paul Scarfoglio). Terry wiederum ist der jüngste der Truppe (Jean-Stan Du Pac) und Camille das Mädchen (Kim Lockhart), das ihren Stiefvater hasst. Die Teenager raufen sich angesichts der unerklärlichen Situation zusammen und versuchen gemeinsam herauszufinden, wo alle hin sind. Bald müssen sie allerdings feststellen, dass ein Fremder in der stillen Einsamkeit der Stadt Jagd auf sie macht: ein albtraumhafter Messerschlitzer im Regenmantel.

Die Comicverflimung Alone erzählt eine Geschichte über fünf Jugendliche, von denen jeder sich auf eine individuelle Art schon allein fühlte, als es ihre Mitmenschen noch gab. Jetzt, da sie wirklich von allen verlassen sind, tun sich die Ausgestoßenen zusammen und entdecken, was Freundschaft bedeutet. Leider wird diese Thematik, die den Film eigentlich prägt, nicht besonders entwickelt. Im Zentrum der Handlung stehen vielmehr das mysteriöse Verschwinden der Menschen und der Kampf gegen den Fremden, der die Jugendlichen bedroht.

Alone 1

Zwar findet insgesamt eine schöne Figurenzeichnung statt, die auch von den schauspielerischen Leistungen der jungen Akteure getragen wird, dennoch bleiben die Charaktere ein wenig auf Distanz. Das mag vielleicht daran liegen, dass ein Comic nicht immer so vielschichtige und komplexe Figuren benötigt, sondern vieles der fantasievollen Ausdeutung des Lesers überlassen und dementsprechend auf kraftvolle, ikonische Bildkompositionen setzen kann, die eine solche Fantasie beflügeln. Was zwischen den einzelnen Panels unerzählt bleibt, füllt der Leser mit seinem Ich auf.

Wird ein Comicstoff also für einen Film adaptiert, müssen diese Lücken möglicherweise aufgefüllt und die Bildkompositionen übersetzt werden, da die Wahrnehmung und Zeichnung von Figuren filmisch ganz anders funktioniert. Wie die Adaption einer Romanvorlage als Comic gelingen kann, belegt zum Beispiel The Witcher: Im Glashaus sehr gut. Für Alone muss diese Besprechung eine Einschätzung der Adaptionsqualität auslassen, da die Vorlage nicht bekannt ist.

Was bleibt, ist ein spannender Mystery-Thriller, der abseits des Mainstreams zwar mit ein wenig blassen Figuren, aber doch mit erstaunlichen Wendungen und schönen Bildern aufwartet.

Trailer zu Alone

Infokasten

„Alone“ (Seuls)

Regie: David Moreau

Drehbuch: David Moreau u. a.

Laufzeit: 90 Minuten

Produzent: Abel Nahmias

Verleih: Studiocanal

Frankreich | Belgien 2017

Letzte Änderung amFreitag, 25 August 2017 12:07
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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„Phantastik, auch Fantastik, ist ein literarischer Genrebegriff, der in Fachkreisen sehr unterschiedlich definiert wird. Außerwissenschaftlich bezeichnet der Begriff „fantastisch“ alles, was unglaublich, versponnen, wunderbar oder großartig ist. Der Ursprung des Begriffs „phantastische Literatur“ ist ein Übersetzungsfehler: E. T. A. Hoffmanns „Fantasiestücke in Callots Manier“ wurden 1814 als „Contes fantastiques“ ins Französische übersetzt, statt richtigerweise als „Contes de la fantaisie“.“

– Wikipedia