log in

Film

Auf der Suche nach Perfektion: „Conductor“ („Sound of Violence”)

Filmplakat (Ausschnitt) You Know Films, No-Office Filmplakat (Ausschnitt)

Eine Musikstudentin sucht nach dem ultimativen Klangerlebnis. Was andere als unangenehme Klänge wahrnehmen, wird für sie zu einer Suche nach dem perfekten Sound.

Rezension

SoundAls Kind ist Alexis (Jasmin Savoy Brown) durch einen Unfall taub geworden. Als Zehnjährige muss sie miterleben, wie ihre Familie getötet wird, dabei sind in ihrem Kopf die Verknüpfungen entstanden, die es ihr möglich machen, erneut zu hören. Dass Alexis ihre Hörkraft wiedererlangt hat, ist auch Jahre später ein Wunder. In besonders stressigen Situationen kann es jedoch passieren, dass ihr Gehör kurzeitig den Dienst verweigert. Seit sie Zeugin des Todes ihrer Familie geworden ist, sucht Alexis nach eben dem besonderen Klang, der ihr das Hörvermögen zurückgebracht hat. Mehr noch, sie träumt davon, dieses Geräusch aufzuzeichnen und daraus eine hörbare Klangerfahrung zu gestalten, an der auch andere Menschen teilhaben können, mit einem Wort: Musik.

Regisseur und Drehbuchautor Alex Noyer inszeniert seine Protagonistin als eine ambitionierte, talentierte Studentin, die ihre Forschung über alles stellt. Alexis lebt weitgehend zurückgezogen, um an ihrer Musik zu werkeln, auf der Suche nach dem perfekten Klang. Ihre Mitbewohnerin Marie (Lili Simmons) unterstützt Alexis, so gut sie es kann, beispielsweise indem sie Aufnahmegeräte für sie anpasst. Allerdings entstammt der initiale Moment für die Rückkehr von Alexis‘ Hörvermögen einem Akt abscheulicher Gewalt und zunehmend scheint es, dass auch nur eine solche Erfahrung einen entsprechenden Klang hervorbringen kann. Während Alexis diese Erkenntnis verarbeitet, inszeniert Alex Noyer die Figur zunehmend gefühlskalt. In der Folge wird hier der Schrecken von realer, physischer Gewalt zu einem Werkzeug der musikalischen Entwicklung. Parallel dazu entfremdet sich Alexis zunehmend von ihren Mitmenschen.

Die Suche steht im Mittelpunkt der Inszenierung. Zum einen ist es die Suche nach einer künstlerischen Artikulation der Protagonistin und zum anderen ist es die Suche nach Anerkennung ebendieser Kunst durch ihr Umfeld. Die Transformation der Protagonistin wird entlang dieser Suche erzählt, bis hin zu dem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Sound of Violence, der mittlerweile den Titel Conductor bekommen hat, macht seinen Titel zum Thema. Gesucht wird nach dem Klang der Gewalt, der von Alexis dirigiert wird. Dass die Figur dabei jeden Bezug zur Wirklichkeit verliert, koppelt auch die zunehmend phantastischer werdende Inszenierung im Werk zurück. Die Gewalttaten und dabei verwendeten Gerätschaften erinnern partiell an die Foltermaschinen aus den späteren Saw-Filmen. Irgendwann schlägt der Film ins komplett Unnatürliche und Unwahrscheinliche um, bleibt dabei aber seiner Linie treu. Einige der Gewaltspitzen können gar körperliche Nachempfindungen beim Publikum auslösen, bevor der Film dann kurz vor Ende die Grenze zum Trashfilm berührt.

Conductor ist eine blutige Wundertüte für ein audiophiles Publikum. Mancher Gore-Effekt wirkt bewusst überzogen, andere hingegen wirken intensiv nach. Das Regiedebüt von Alex Noyer ist ein sperriger, aber zugleich kurzweiliger Film, der einem einiges anbietet. Lässt man sich darauf ein, ist Conductor eine intensive und vor allem audio-visuell wirkungsvolle Erfahrung.

Sound 2

Infokasten

„Conductor“ (Alternativer Titel: „Sound of Violence“)

Regie: Alex Noyer

Drehbuch: Alex Noyer

Produktion: You Know Films, No-Office

Verleih: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes steht kein deutscher Verleih für den Film fest.

Laufzeit: 94 Minuten (uncut)

Finnland, USA | 2021

Veröffentlichung: Der Film ist Teil des Programms vom Fantasy Filmfest 2021. Ein Veröffentlichungstermin für das Heimkino steht zum Zeitpunkt der Textveröffentlichung nicht fest.

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amSamstag, 16 Oktober 2021 16:58
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

Schreibe einen Kommentar

Unter anderem auch das . . .

„STORIES DEFINE: Who we are. Where we have come from. Where we are going... and what we care about! Stories give life!“

– Dana Atchley

Cookie-Einstellungen