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Film

18. Schocktober: „Slugs“ (1988) [Horror for Future #3]

Empfehlung Filmstill (Ausschnitt) Dister Group Filmstill (Ausschnitt)

Ekel: Schleim, Blut, Schnecken und Würmer. Von all diesen visuellen Eindrücken bietet Slugs einiges. Der Film thematisiert Umweltverschmutzung anhand mutierter Killerschnecken.

Aus der Mediengruft: Rezension und Kommentar

Slugs2In einer kleinen Stadt in den USA kommt es zu merkwürdigen Todesfällen. Menschen werden bis auf die Knochen abgenagt, die Augen und Eingeweide der Toten sind ebenfalls nicht auffindbar. Die Leichen sind von einem seltsamen Schleim überzogen, doch von den Tätern fehlt zunächst jede Spur. Mike Brady (Michael Garfield) arbeitet als Umweltinspektor und hat die Aufgabe bei der Räumung von Häusern anwesend zu sein. An diesem Morgen findet er gemeinsam mit Sheriff Reese (John Battaglia) allerdings eine Leiche, die wie eben beschrieben entstellt wurde. Parallel dazu werden verschiedene Handlungsstränge verfolgt, die weitere Personen aus dem Bekanntenkreis von Mike und seiner Frau Kim (Kim Terry) durch ihren Tag begleiten. In allen Erzählsträngen tauchen bedrohliche Schnecken auf, die sich zunehmend als der lautlose Killer manifestieren, der auf den Geschmack von Menschen gekommen ist.

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Slugs5Dramaturgisch ist Slugs kein Meisterwerk. Slugs bleibt auf inszenatorischer Ebene meist auf dem Niveau eines soliden, doch unterhaltsamen Horrorfilms. Besonders macht den Film das Thema, das hier zusätzlich angeschnitten wird. Es geht um Umweltverschmutzung durch Kunststoffe und andere Chemieabfälle. Wie sich herausstellt, ist ein Teil der Stadt auf einer ehemaligen Sondermülldeponie errichtet worden. In der Kanalisation der Stadt haben sich daraufhin mutierte Schnecken entwickelt. Diese sind nicht nur extrem hungrig und verspeisen alles Essbare in ihrem Weg. Zusätzlich sondern die Schnecken noch ein Gift ab und übertragen parasitäre Blutegel, die sich dann bilden, wenn die Schnecken sich in einem Wirtskörper angesiedelt haben oder jemanden damit infizieren. Da die Schnecken aus der Kanalisation kommen, dringen sie irgendwann auch in die Frischwasserleitungen ein und vergiften das Trinkwasser. Mit seiner Theorie, dass Schnecken für die Tötungen verantwortlich sind, steht Mike allerdings allein da und weder der Sheriff noch der Bürgermeister (Manuel de Blas) sind bereit ihm zu helfen. Am Ende nimmt er mit einem befreundeten Wissenschaftler sowie einem befreundeten Kanalarbeiter den Kampf gegen die Schnecken auf.

Slugs3Slugs greift ein Thema auf, mit dem wir heute zu kämpfen haben: die nachhaltige Verschmutzung der Umwelt durch Kunststoffabfälle. Hier wird einfach der Müll mit Erde abgedeckt und damit augenscheinlich versiegelt. Als dann ein neues Einkaufszentrum errichtet werden soll, genau dort, wo die Deponie einst stand, wurde von den Bauarbeiten etwas Giftiges freigesetzt, das für die Mutation der Schnecken gesorgt hat, die nun ihrerseits die Menschen töten. Die Natur schlägt zurück, ohne eine Balance zwischen Natur und Fortschritt kann der Mensch nicht existieren, sonst wird die Natur einen Weg finden den Menschen zu vernichten. Das ist der Subtext dieses Werkes, das am Ende zeigt, dass eine Schnecke überlebt.

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Dies ist natürlich ein klischeehaftes Horrorende, bei dem das Böse immer irgendwie fortbesteht. In diesem Fall ist es aber auch ein Statement. Die Menschen verwenden hier eine Chemikalie, um die Schnecken zu vernichten, die durch Chemikalien mutiert sind. Dieser Umstand macht das Ende auch so lesbar, dass der Mensch nicht durch einen Eingriff in die Natur einen anderen auszulöschen versuchen sollte, denn die Sünde gegenüber dem Planeten ist bereits geschehen. Darunter leiden werden die kommenden Generationen, nicht jene Menschen, die es ursprünglich verursacht haben. In einer ähnlichen Situation befinden wir uns heute. Wir sitzen auf dem Müll von einstmals, beispielsweise auf dem Atommüll, der durch die Atomkraftwerke entsteht. Erst nach der Katastrophe von Fukushima war es hierzulande für die Mehrheit der Politiker erkennbar, dass Atomkraftwerke keine saubere Alternative sind. Das hätte man eigentlich schon aus Tschernobyl gelernt haben müssen.

Nachdem dann 2001 die Rot-Grüne-Bundesregierung den Atomausstieg beschlossen hat, ging die Union hierzulande anschließend auf Stimmenfang damit, diesen Schritt rückgängig machen zu wollen. Unter Schwarz-Gelb folgte dann 2010 der Ausstieg vom Atomausstieg. Nach der Katastrophe von Fukushima, ausgelöst von einer Naturkatastrophe, die ein Atomkraftwerk beschädigte und eine große Region in Japan unbewohnbar machte und verstrahlte, folgte dann 2011 die erneute Kehrtwende der deutschen Regierung und man beschloss aus diesem „Ausstieg vom Ausstieg“ auszusteigen. Mit heftigen Konsequenzen für die Bevölkerung, denn der Vertragsbruch mit den Energiekonzernen kostet Deutschland eine große Menge Geld. Dieses Geld bezahlen die Steuerzahlenden und folglich jeder einzelne von uns. Die Entscheidung von Schwarz-Gelb, wieder zur Atomenergie zurückkehren zu wollen, war somit fatal, auch erkennbar für die Menschen, die nur an Geld denken. Andere haben das auch vorher schon gesagt.

Die „Schwarze Null“ muss stehen, daher fehlt es an Geld in der Bildung, Kinderbetreuung und Kultur. Dieses Geld fehlt auch wegen dem Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg und es ist eine unglaubliche Farce, dass man unter diesen Bedingungen nicht in die Zukunft investiert, sondern darauf besteht, dass der Staat keine neuen Schulden mehr macht. Umweltschutz kostet Geld, niemand hat aktuell Lösungen für die unbestreitbaren Probleme und Missstände, auf die von der Fridays-for-Future-Bewegung hingewiesen wird. Prinzipiell wäre es aber möglich, Geld dafür verfügbar zu machen, neue Ansätze zu erforschen oder in erneuerbare Energien zu investieren. Staatsanleihen wären hier ein Weg, der bei aktuellem Kurs dafür sorgt, dass der Staat dem Darlehensgeber real weniger Geld zurückgeben müsste, als der Staat erhält. Dies liegt an einem negativen Zinssatz auf deutsche Staatsanleihen. Ja, so gut geht es der Wirtschaft in diesem Land, als dass die Staatsanleihen in unserem Land so sicher sind, dass Menschen darin investieren, obwohl sie damit Geld vernichten, weil die Anlage als absolut krisensicher gilt. Auch ansonsten sind die Zinsen derzeit derart niedrig, dass es einem Skandal gleichkommt, dass man an einer „Schwarzen Null“ festhält. Ein Weg zum Umweltschutz beizutragen und das Klima zu schützen, wäre beispielsweise dadurch gegeben, dass der öffentliche Personenverkehr deutschlandweit, bestenfalls europaweit, kostenfrei genutzt werden kann und so ausgebaut wird, dass dieser überall attraktiv gestaltet wird. Nun mag man sich fragen, wie man das bezahlen soll. Wenn jeder Bürger und jede Bürgerin monatlich eine Abgabe von fünf Euro dafür aufwenden würden, den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen, dann entstünde bei einer Zahl von 50 Millionen Aufwendungen eine Summe von 250 Millionen Euro monatlich, somit 3 Milliarden Euro pro Jahr.

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Slugs wirkt wie ein oberflächlicher Horrorfilm mit Schneckenmonstern, der auf kruden Schrecken und Ekel abzielt. Tatsächlich ist dieser Film wieder sehr aktuell und der Subtext von Slugs so akut wie nie zuvor. Slugs thematisiert auch, dass es im Angesicht der Bedrohung keine Frage mehr ist, ob man an dessen Existenz glaubt oder nicht. Die Art und Weise, in der die Natur in der Wirklichkeit zurückschlägt, ist eine andere als durch mutierte Schnecken, aber der Mensch zerstört die Natur und damit den eigenen Lebensraum, was dazu führen könnte, dass die Natur einen Weg finden wird, die Menschen auszulöschen. Die Erde braucht uns nicht, um zu existieren, umgekehrt ist das schon sehr viel schwieriger.

Trailer zu Slugs

Infokasten

„Slugs“ (OT: „Slugs, muerte viscosa“)

Regie: Juan Piper Simón

Drehbuch: Ron Gantman, José Antonio Escrivá und Juan Piper Simón sowie Shaun Hutson (Roman)

Produktion: Dister Group

Verleih: ’84 Entertainment, Best Entertainment, New Vision Video, White Pearl Movies (uncut)

Laufzeit: 92 Minuten (uncut)

Spanien, USA | 1988

Erstveröffentlichung: 5. Februar 1988 in den USA

Veröffentlichung: Der Film ist nach einer Langenzeit auf dem Index mittlerweile im Handel auf DVD und Blu-ray-Disc erhältlich sowie als Video-on-Demand verfügbar.

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amFreitag, 18 Oktober 2019 21:15
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Fantasy is escapist, and that is its glory. If a soldier is imprisioned by the enemy, don't we consider it his duty to escape? If we value the freedom of mind and soul, if we're partisans of liberty, then it's our plain duty to escape, and to take as many people with us as we can!“

― J. R. R. Tolkien