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Film

Der Film „Geralt von Riva – Der Hexer“

Die Verfilmung von Sapkowskis Hexer-Romanen

Der Film „Geralt von Riva – Der Hexer“ ist eine 130-minütige Literaturverfilmung von Andrzej Sapkowskis polnischer Fantasy-Saga.

Die Handlung kurz angerissen: Es geht – wie schon der Titel nahelegt – um Geralt von Riva, der als Kind von Hexern geholt und unter magischen Prozeduren zu ihresgleichen gemacht wird. Hexer waren ursprünglich professionelle Monsterjäger, die durchs Land reisen und ihren Lebensunterhalt mit Töten von Bestien bestreiten. Doch ganz so einfach ist es nicht mehr: In einer Zeit des Umbruchs und wachsender Herrschaft der Zivilisation müssen Hexer wie Geralt ihre Rolle in der Gesellschaft neu bestimmen, um nicht zu Meuchelmördern zu verkommen.

Es ist erstaunlich, wie skurril sich der Film durch die Handlung der Romane hangelt: Ist der Sprechtext der Figuren in der deutschen Synchronisation szenenweise fast identisch mit den Dialogen der deutschen Romanfassung, werden plötzlich entscheidende Passagen sang- und klanglos ausgelassen. Nur die wichtigsten Plot-Points werden abgeklappert, sodass Kenner von Sapkowskis Werken diese zwar noch wiedererkennen können, jedoch ein seltsam romantisiertes Zerrbild davon geliefert bekommen. Als hätte der Drehbuchautor Sapkowskis Werke nach Belieben zusammengestrichen, um gerade das Wesentliche unbeachtet zu lassen, nämlich die derben wie auch tiefsinnigen Auseinandersetzungen rivalisierender Parteien. Denn Interessen prallen immer in Sapkowskis Hexer-Geschichten aufeinander, die recht selten zwischen Gut und Böse eindeutig trennen. Das Skurrile des Films: Übrig bleibt ein weinerlicher Hexer, der eine Zauberin mit Mutterkomplexen zur Geliebten hat, dazu ein Haufen unmotivierter Szenen mit furchtbaren Überblendungen, als hätte niemand über eine ordentliche Auflösung des aus Versatzstücken bestehenden Drehbuchs nachgedacht. Hinzu kommen unwillkürliche Lacher ausgelöst durch die eigenwillige, oft albern wirkende Inszenierung – Lacher, die wiederum sehr sehenswert sind. Sie spicken die gefühlt endlos währende Handlung, in der sich scheinbar nichts zuträgt außer moralisierende Gespräche in kammerspielhaftem Look. Beraubt um die typische Vielstimmigkeit und den Pfiff der Romandialoge sind sie nicht in die Sprache des Films übersetzt und bleiben ein steriles Imitat. Wer die literarische Vorlage nicht kennt, kann sich die Spannung derselben mit der 130-Minuten-Videozusammenfassung namens „Geralt von Riva – Der Hexer“ ruinieren.

Des Rätsels Lösung für das beschriebene Chaos ist die Tatsache, dass dieser Film das Produkt eines Zusammenschnitts aus einer 13-teiligen TV-Serie ist. Die Serie mag ganz gut sein. Der Film allerdings funktioniert so nicht.

Angemerkt sei zuletzt, dass eine Verfilmung nicht per se schlechter sein muss als das literarische Original. Die Fortsetzung der Hexer-Romane als Computerspiele ist zum Beispiel exzellent gelungen.

Der deutsche Trailer zu „Geralt von Riva – Der Hexer“

Letzte Änderung amMontag, 04 September 2017 09:07
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Kurzes im Schreibatelier @anderwaerts, sonst auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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„Der Traum ist ein zweites Leben. Ich habe nie ohne zu schaudern durch die Elfenbein- oder Horntore dringen können, die uns von der unsichtbaren Welt scheiden. Die ersten Augenblicke des Schlafes sind das Bild des Todes. Eine nebelhafte Erstarrung ergreift unsern Gedanken, und wir können den genauen Augenblick nicht feststellen, wo das Ich in einer andern Form die Tätigkeit des Daseins fortsetzt. Ein ungewisses unterirdisches Gewölbe erhellt sich allmählich und aus dem Schatten der Nacht lösen sich in ernster Unbeweglichkeit die bleichen Figuren, welche den Vorhof der Ewigkeit bewohnen. Dann nimmt das Bild Form an, eine neue Helligkeit erleuchtet diese Erscheinungen in wunderlichem Spiel: - es öffnet sich uns die Welt der Geister.“

– Gérard de Nerval in „Aurelia oder Der Traum und das Leben