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Der Wahnsinn des Einsamen: „Cold Skin"

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Ein Forscher erkennt am Ende der Welt, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als die Wissenschaft angenommen hat. Horror á la Lovecraft.

Kurzrezension

Xavier Gens ist ein Regisseur der neuen französischen Härte. Besondere Horrorperlen wie Frontier(s) oder The Divide haben das Schaffen des Franzosen bekannt gemacht. Seinen Ruf festigte er mit dem Segment „XXL“ in ABCs of Death. Zuletzt machte er mit dem Exorzismus-Horror The Crucifixon von sich reden, der für viele Kenner seiner Werke zu sehr in den Mainstream tendierte. In Cold Skin hat er nun sein größtes Produktionsbudget zur Verfügung und inszeniert ein unerwartetes Werk.

Eine große Überraschung ist Cold Skin in jedem Fall. Zunächst ist es ein stark an den Geiste Lovecrafts erinnernder Horrorfilm, der – für Xavier Gens typisch – das Verhältnis zwischen zwei komplett unterschiedlichen Lebensstilen kollidieren lässt. Dass der Film dabei im visuellen Schrecken gezügelt vorgeht, weiß zu verwundern, passt jedoch thematisch und stilistisch zu diesem Film. Wer einen extremen Film erwartet, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Dennoch, ein figurenzentrischer cthulhuider Horrorfilm ist Cold Skin allemal und hat dabei das Potential zum Kultfilm.

CS 1Ein Mann (David Oakes) wird auf eine abgelegene Insel versetzt, um dort Wetterforschung zu betreiben. Abgesehen von dem Forscher lebt dort nur noch der grimmige und ablehnende Leuchtturmwärter Gruener (Ray Stevenson). Die Insel gleicht einem schwarzen Klippenmassiv, das ohnehin nicht allzu einladend anmutet. Nachts zeigt die lebensfeindliche Insel jedoch ihr wahres Gesicht: Fischähnliche Kreaturen mit humanoidem Einschlag steigen aus dem Wasser. Bereits in der ersten Nacht wird der Forscher von diesen angegriffen. Kurze Zeit später ist er obdachlos und muss mit Gruener eine Zweckallianz eingehen. Dieser hat eine der Kreaturen unterworfen und hält sie wie ein Haustier (Aura Garrido). Durch diese Konstellation kollidieren verschiedene Welten miteinander. Jede Nacht kommen unzählige Meereskreaturen aus dem Wasser und greifen den Leuchtturm an. So entsteht ein kompliziertes Ausgangsszenario, das in einen Überlebenskampf gewandelt wird, bei dem die unfreiwillige Allianz der beiden Männer immer wieder auf die Probe gestellt wird.

Düstere Bilder, kalte Farben und eine lebensfeindliche Umgebung machen Cold Skin zu einer besonderen cineastischen Erfahrung. Ein eigenwilliger Film, der den Figuren viel Raum gibt und dennoch den Überlebenskampf fokussiert. Cold Skin ist ein sehr gelungener kosmischer Horrorfilm, der jedoch nicht auf Lovecrafts Schriften basiert, sondern auf einem Roman von Albert Sánchez.

 

Trailer Cold Skin

Infokasten

„Cold Skin“

Regie: Xavier Gens

Drehbuch: Jesús Olmo, Eron Sheean und Albert Sánchez Pinol (Roman)

Produktion: Mark Albela, Denise O’Dell

Verleih: Tiberius Film

Laufzeit: 108 Minuten (uncut)

Spanien | Frankreich | 2017

Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

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„Jahre waren es, da lebte ich nur im Echo meiner Schreie, hungernd und auf den Klippen des Nichts. […] Bis mich die Seuche der Erkenntnis schlug: es geht nirgends etwas vor; es geschieht alles nur in meinem Gehirn. Nun gab es nichts mehr, das mich trug.“

 Gottfried Benn