log in

Film

Der Mörder in meinem Spielzeug: „Chucky – Die Mörderpuppe“

VHS-Cover (Ausschnitt) MGM/United Artists VHS-Cover (Ausschnitt)

Der heutige Ausflug in die Mediengruft beschäftigt sich mit einem populären US-Horrorfranchise ab 1988, dessen siebter Teil im November in Deutschland erscheint.

In der Mediengruft (Rezension und Einordnung)

Chucky 1Brad Dourif spielt in diesen Filmen den Serienkiller Charles Lee Ray, dessen Seele Besitz von einer Puppe ergriffen hat. Die Puppe mit Namen Chucky beherbergt somit den Geist eines Psychopathen. Das muss auch Andy Barclay (Alex Vincent) zu seinem Erschrecken feststellen, nachdem er die Puppe von seiner Mutter (Catherine Hicks) zum sechsten Geburtstag geschenkt bekommen hat. Die alleinerziehende Frau hat kein einfaches Leben und freut sich, als sie für ihren Sohn ein Exemplar der beliebten „Good Guys“-Puppen ergattert. Andy ist zunächst völlig aus dem Häuschen, denn er hat eigentlich keine Freunde. Abends wird Andy von seiner Babysitterin ins Bett gebracht. Sie stürzt kurze Zeit später aus dem Fenster, nachdem sie jemand mit einem Hammer attackiert hat. Dennoch halten alle die Geschehnisse für einen Unfall, doch das Grauen geht weiter. Andy verdächtigt schnell die Puppe, doch zunächst glaubt ihm niemand.

Chucky 4Es gibt zwei Konstanten bei den Chucky-Filmen: Brad Dourif – der in allen Teilen die böse Puppe spricht – und Don Mancini, der das Drehbuch für den ersten Teil der Serie und alle Fortsetzungen schrieb. Seit Chuckys Baby, dem fünften Teil, führt Mancini zudem Regie bei den Filmen. Regie beim ersten Film führte hingegen Tom Holland, der mit Fright Night – Die rabenschwarze Nacht (1985) zuvor einen großen Erfolg erzielte. Chucky – Die Mörderpuppe, der im Original den Titel Child’s Play trägt, ist einer der Filme, die den Erfolg von Horrorpuppen begründet haben. Der Film erschien ein Jahr vor dem Beginn der Geschichten aus der Gruft (Tales from the Crypt), in der die schaurige Horrorpuppe Crypt Keeper (John Kassir) durch die Show führt. Chucky und Crypt Keeper haben einen obszönen Charakter und ein loses Mundwerk. Beide Figuren erlangten Kultstatus, wobei fraglich ist, ob Tales from the Crypt ebenso erfolgreich gewesen wäre, ohne den Überraschungserfolg von Chucky zuvor. Während Tales from the Crypt seit 1996 abgesetzt ist, erscheint Chucky in regelmäßigen Abständen wieder auf der Bildfläche. Nach den ersten drei schnell hintereinander veröffentlichten Werken von 1988 bis 1991 wurde es zunächst etwas stiller um Chucky. Erst 1998 erschien der vierte Teil der Serie, Chucky und seine Braut. Der Film blieb hinter den Erwartungen und spielte in den USA kaum mehr ein, als er gekostet hatte. Dennoch folgte 2004 der fünfte Teil, der die Geschichte scheinbar logisch fortführt: Chuckys Baby. Die beiden Teile der Serie versuchen einen Comedy-Ansatz zu verwenden und stellen somit im Gesamtwerk einen postmodernen Ausflug dar, weil die Filme sich selbst nicht mehr ernstnehmen. Das hat allerdings nicht jedem gefallen und in der Folge wurde es wieder still um die Mörderpuppe. Bis 2013 Curse of Chucky den Weg zurück in die Horrorspur antritt. Dieser Film wird nun erneut fortgesetzt mit dem sinnbildlichen Titel Cult of Chucky.

Chucky 3

Chucky 2Der erste Teil von Chucky war von 1990 bis 2011 in Deutschland indiziert und ist dann nach Neuprüfung sogar ab 16 Jahren freigegeben worden. Teil 2 und 3 wurden ebenfalls indiziert und als jugendgefährdende Medien eingestuft, wodurch das Franchise etwas Anrüchiges bekommen hat, was zweifellos auch zur Popularität beigetragen haben dürfte. Auf Schulhöfen wurden Chucky-VHS als sehr wertvoll angesehen. Wer sowas hatte, war beinahe so cool wie ein Besitzer von Tanz der Teufel oder später Starship Troopers. Es war einer dieser Mutproben-Filme, denen man sich gestellt hat, um zu zeigen, wie hart man ist. Dennoch hat man als Kind nicht verstanden, worum es in dem Werk eigentlich geht. Es war einfach nur ein düsterer Film mit Gewalt – oder im Fall von Tanz der Teufel einem Baum – der etwas aussagen sollte, einen Subtext besessen hat, den man nicht begreifen konnte. Die Gewalt war somit nicht einschätzbar und relativierbar, es ist der Stoff, aus dem Albträume entstehen können.

Chucky 5Genug des Schwelgens in Erinnerungen. Mit zunehmendem Alter verblasste die Heftigkeit. Die Narben, die durch die Werke hinterlassen wurden, konnten relativiert werden und es sind dennoch prägende Erfahrungen, die mit solchen Werken einhergehen. Nicht alle Erinnerungen sind positiv, doch der erste Film der Chucky-Reihe funktioniert auch heute noch erstaunlich gut. Das Puppenspiel wirkt bis heute echter, als es die Computeranimationen in vielen Filmen vermögen. Die Serie thematisiert zudem familiäre Probleme durch eine externe, übernatürliche Bedrohung, die in den Lebensraum eindringt. Die Ausflüge in die Selbstreflexion um die Jahrtausendwende haben das Franchise nicht zu töten vermocht, somit konnte eine Re-Fokussierung auf die eigentliche Stärke des Schreckens von Chucky durchgeführt werden. Das neueste Werk hat einige sehr gute Kritiken erhalten, wir werden es in der kommenden Woche besprechen.

Einige der Chucky-Filme sind in Streamingangeboten verfügbar. Mittlerweile bekommt man die Filme recht preiswert auf DVD. Wer den klassischen Anstrich im ultimativen Retrogefühl wünscht, kann versuchen, auf Flohmärkten oder in digitalen Auktionshäusern den Film auf VHS zu ergattern. Da dieser nun jedoch als Sammlerstück gilt, kann dies relativ teuer werden. Wie immer „In der Mediengruft“ haben wir tief in unser privates Archiv gegriffen und das Werk erneut hervorgeholt.

VHS-Trailer zu Child’s Play

Infokasten

„Chucky – Die Mörderpuppe“ (OT: „Child’s Play“)

Regie: Tom Holland

Drehbuch: Don Manchini, John Lafia, Tom Holland

Produktion: United Artist, Metro Goldwyn Meyer

Verleih: 20th Century Fox, Horror Cult Uncut (aktueller Verleih, DVD Version)

Laufzeit: 87 Minuten (uncut)

USA | 1988

Letzte Änderung amMontag, 30 Oktober 2017 17:48
Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

Schreibe einen Kommentar

Unter anderem auch das

„Game Art is any art in which digital games played a significant role in the creation, production, and/or display of the artwork.“

Matteo Bittanti