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„Memoirs of a Murderer“ – Ein Serienkiller wird zum Popstar

Filmplakat (Ausschnitt) Filmplakat (Ausschnitt)

Als 1995 ein Serienmörder in Tokyo sein Unwesen trieb, konnte der Täter nicht gefasst werden. 22 Jahre später wird dieser mit seiner Biografie zum Star-Autor.

In Kürze: 250 Wörter über…

Das stößt den Hinterbliebenen der Opfer sehr sauer auf. Denn aus dem offenkundig geständigen Täter wird in kürzester Zeit der meistverkaufte Autor des Landes. Um möglichst skandalöse Propaganda zu erzeugen, taucht der ehemalige Killer an den Arbeitsplätzen der Hinterbliebenen auf. In Begleitung von Kamerateams, das versteht sich von selbst. Der ehemalige Chefermittler ist entsprechend angespannt und muss nun – er ist schließlich noch immer Polizist – sogar für den Schutz des Killers sorgen. Auf diese Weise entsteht ein sehr spezieller Konflikt, der viel von der Qualität dieses Thrillers ausmacht.

Die komplexe Geschichte, die mehrere Zeitebenen verschachtelt und die Entwicklungen sowie Schicksalsschläge vieler Figuren thematisiert – inklusive der des Täters – unterhält sehr gut. Bis kurz vor dem Ende gelingt es immer wieder die scheinbar offensichtliche Lösung durch eine Wendung zu verschleiern. Es ist kaum möglich, den Verlauf von Memoirs of a Murderer vorherzuahnen. Anders ist dies allerdings, wenn man den koreanischen Film kennt, auf dem das japanische Remake basiert.

Eingebettet wird der Konflikt der Vorlage in das Jahr 1995, das für Japan ein Schreckensjahr war. Das schwere Erdbeben von Kobe spielt eine wichtige Rolle in diesem Film. Die Taten des Killers in in diesem Zeitraum zu lokalisieren, ist daher überaus gelungen.

Memoirs of a Murderer ist ein extrem spannender Film, der ein sehr ambivalentes Bild der Medien zeichnet. Killer und Opfer befinden sich in einem komplexen Spannungsfeld, bei dem es wirkt, als ob jeder der Hinterbliebenen selbst zum Killer werden könnte. Bedrückend, emotional, vielschichtig und extrem clever, das ist ein Thriller, den man nicht verpassen sollte.

Trailer zu Memoirs of a Murderer

Infokasten

„Memoirs of a Murderer“

Regie: Yû Irie

Drehbuch: Kenya Hirata, Yû Irie

Laufzeit: 118 Minuten

Produzent: Naoaki Kitajima, Masaki Koide

Japan 2017

Letzte Änderung amMittwoch, 27 September 2017 12:40
Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

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„Horror ist eine Gattung der Phantastik, in deren Fiktionen das Unmögliche in einer Welt möglich und real wird, die der unseren weitgehend gleicht, und wo Menschen, die uns ebenfalls gleichen, auf diese Anzeichen der Brüchigkeit ihrer Welt mit Grauen reagieren.“ – Hans. D. Baumann: Horror. Die Lust am Grauen. Weinheim 1989, S. 109.