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Film

„Mayhem“ – Satirisch hart und bitterböse

Filmszene (Ausschnitt) Filmszene (Ausschnitt)

Mayhem ist ein kathartisches Freudenfest, ein satirischer Gewalt-Exzess voll bösen Humors, der mit der Gesellschaft knallhart abrechnet. Ein großer Spaß!

Kurzrezension

May 1Wer kennt es nicht? Das Gefühl, bloß ein Zahnrädchen in der kapitalistischen Maschinerie zu sein, in der das Individuum für den Erfolg beinahe alles aufgeben muss, um zu funktionieren, in einer Welt aus Missgunst und Neid, in der Intrigen  und Erpressung gang und gäbe sind, um sich einen Vorteil zu verschaffen? Nun gut, vielleicht betrifft das in diesem Ausmaß nicht jeden, aber der Protagonist aus Mayhem befindet sich in genau solch einer Situation. Derek Cho (Steven Yeun) hat zwar Erfolg, aber sein Privatleben, seine Familie und auch seine Wertvorstellungen hat er hierfür längst über Bord geschmissen. Dann eines Tages soll er als Sündenbock für ein misslungenes Geschäft herhalten und für diejenigen, die in der Hierarchie höher stehen als er, den Kopf hinhalten. Das lässt Derek nicht auf sich sitzen. Als dann auch noch ein berüchtigter Virus in seiner Firma um sich greift, eskaliert die Lage. Der sogenannte „Red Eye“-Virus setzt das menschliche Über-Ich außer Kraft und das Es gerät in die Kontrolle über das Subjekt. Moralische Erwägungen spielen keine Rolle mehr. Sexuelle Lust, aufgestaute Wut und blanke Gewalt brechen sich Bahn. Das mittlerweile in Chaos und Anarchie versunkene Hochhaus, der Firmensitz des Unternehmens, wurde von der Polizei abgeriegelt. Ebenfalls von dem Virus infiziert, beschließt Derek sich bis in das oberste Stockwerk und in die höchste Entscheidungsinstanz des Unternehmens – den Vorstand – durchzutöten, um sein Anliegen vorzubringen.

May 2Mayhem inszeniert eine überzeichnete kapitalistische Welt, in der Profitgier und Karrieregeilheit regieren, um dann knallhart und äußert brutal damit abzurechnen. Der Film ist dadurch wahrlich ein kathartischer Exzess, der die Gewalt, die das faulige System aus den Angeln hebt, zelebriert. Durch die unentwegten Übertreibungen, sowohl in der Charakterzeichnung als auch in der Darstellung der Gewalt, entwickelt der Film einen äußerst bösen satirischen Humor. Wie Mayhem das Geschehen vermittelt, ist einzigartig. Derek als handlungsführende Figur ist auch der Erzähler der Geschichte, der sie ironisch und mit viel Witz kommentiert. Auf einer anderen Zeitebene fertigt Derek Gemälde an, die einzelne Szenenbilder wiedergeben und immer zwischen das aktuelle Geschehen geschnitten werden, ein weiterer satirischer Kommentar, der auch zur Charakterzeichnung anderer Figuren eingesetzt wird. Überhaupt funktioniert  Mayhem unglaublich gut: Dialoge, Figurenentwicklung, Effekte und Kameraarbeit sind durchweg gelungen. Dem Zuschauer hat allen Anlass, die dargestellte Gesellschaft nicht zu mögen und sich entsprechend an ihrem Untergang zu erfreuen.

Mayhem ist ein bitterböser Spaß, der mit der westlichen Gesellschaft satirisch hart und super brutal aufräumt, ein kathartisches Freudenfest, nach dem man sich einfach gut fühlt.

May 3

Infokasten

„Mayhem“

Regie: Joe Lynch

Drehbuch:Matias Caruso

Laufzeit: 86 Minuten

Produzent: Parisa Caviani, Mehrdad Elie, Lawrence Mattis

Verleih: Studio Hamburg Enterprises

USA | 2017

Letzte Änderung amMittwoch, 27 September 2017 14:38
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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„If Pac-Man had affected us as kids, we'd all be running around in dark rooms, munching pills and listening to repetitive electronic music.“

Marcus Brigstocke