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Brett- & Kartenspiele

14. Schocktober: „King of Tokyo“ (2011)

Fotografie des Spielinhaltes mellowdramatix Fotografie des Spielinhaltes

Dieses Spiel lässt die Kreaturen aus der Ära des Monsterfilms aufleben und sich in Tokyo austoben. Mit dabei sind ein riesiger Affe, ein Krake und ein Drache.

Rezension

KoT KarteRichard Garfield ist bekannt als Erfinder des überaus beliebten Sammelkartenspiels Magic: The Gathering. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um das erste Spiel, das der US-Amerikaner erdacht hat und zur Marktreife gedieh. Im Jahr 2011 hat er ein relativ einfaches Würfelspiel veröffentlicht, das gleich mehrere Spielpreise in den USA abgeräumt hat. Es handelt sich um King of Tokyo, das aufgrund der Beschaffenheit des Szenarios viele Nerdherzen vor Aufregung schneller schlagen lässt. Riesige Monstren erheben sich aus dem Ozean und kämpfen um ihre Vorherrschaft in Tokyo. Dieses Szenario erinnert nicht zufällig an die Szenarios der großen japanischen Monsterfilme, die in der Folge von Atomtests und auch der abgeworfenen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki geschaffen wurden. Erst kürzlich erschienen zwei neue filmische Adaptionen von Godzilla in Japan. Das kann als direkte Reaktion auf die Katastrophe von Fukushima gedeutet werden.

Die Monsterfilme von Früher gelten heute als trashige Klassiker, sind beliebt und Teil der Populärkultur geworden. Nur wenige Nicht-Japaner werden die Hintergründe der Filme und deren Subtexte verstehen. Doch heutzutage ist es angesagt nerdig zu sein, was dazu führt, dass es auch angesagt ist, sich mit randständigen Medieninhalten zu beschäftigen, damit man auch richtig nerdig wirkt und nicht wie ein Poser. Um dies zu unterstreichen, kann man für knapp zwanzig Euro ein Brettspiel – was ja bereits als nerdig gilt – erwerben und dann kann man bei Gelegenheit mit Gästen in die Rolle eines von sechs Monstern schlüpfen und versuchen Tokyo zu erobern.

KoT Kraken

KING OF TOKYO enthält sechs verschiedene Monster, die sich entweder an bestehenden Kreaturen aus Monsterstoffen orientieren oder für das Spiel entworfene Monster sind, die sich aber ebenfalls an der Populärkultur orientieren. Dabei gibt es beispielsweise den Affen The King, der von King Kong inspiriert ist, einen Kraken, der an Cthulhu erinnert oder den Klassiker aus Japan Mega Zaur, der im Grunde Godzilla ist. Zusätzlich gibt es noch ein Alien, einen mechanischen Drachen und ein Kaninchen im Kampfanzug. Jedes dieser Monster ist zu Beginn einer Partie gleich stark. Es hat sechs Würfel zur Verfügung und kann damit entweder Punkte generieren, Energiebrocken erhalten, sich heilen und/oder angreifen.

KoT WuerfelDie grundlegende Spielmechanik ist der von KNIFFEL bzw. YAHTZEE relativ ähnlich. Es gilt mit Würfeln ein Ziel zu erreichen. Dabei ist es notwendig, drei gleiche Zahlen (1, 2 oder 3) zu sammeln, um entsprechend viele Punkte zu erhalten. Würfelt man beispielsweise dreimal eine 2, so erhält man dafür 2 Punkte. Insgesamt hat jeder Spielende in seinem Spielzug die Möglichkeit dreimal zu würfeln. Dabei darf man beliebige Würfel herausnehmen und sammeln. Nach dem dritten Wurf wird abgehandelt, was geworfen wurde. So sammelt man entweder Punkte, erhält für Blitzsymbole Energiebrocken, heilt eigenen Schaden (falls möglich) oder führt einen Angriff in der Stärke der aufaddierten Prankensymbole aus. Wer als erstes 20 Punkte erreicht hat, gewinnt das Spiel. Nach der Auswertung der Würfel ist es noch möglich für Energiebrocken Karten zu kaufen, die fortan entweder einen dauerhaften Effekt für das eigene Monster haben oder sofort eine Auswirkung haben. Dann ist der nächste Spielende am Zug.

Würfelt man ein Angriffssymbol und es ist noch keines der Monster in Tokyo, stellt man die eigene Monsterfigur nach Tokyo. Dafür erhält man einen Siegpunkt. Beginnt man seinen Spielzug in Tokyo, erhält man immer zwei Siegpunkte. Allerdings kann man sich in Tokyo nicht heilen, gewürfelte Herzsymbole haben keine Wirkung. Um die Reichweite dieser Auswirkung zu schildern, muss der Kampf zwischen den Monstern erklärt werden. Steht ein Monster in Tokyo, werden alle anderen Monster von den Angriffen dieses Monsters getroffen. Steht ein Monster in Tokyo, wird es zudem von allen Angriffen von Monstern außerhalb Tokyos getroffen. Angriffe der Monster außerhalb Tokyos treffen ausschließlich das oder die Monster (bis zu zwei bei fünf oder mehr Spielenden) in Tokyo. Ein Monster in Tokyo erhält folglich konstant und schnell Punkte, bezieht aber auch einiges an Prügel. Fallen die Lebenspunkte eines Monsters auf 0, so scheidet das Monster aus dem Wettkampf aus und der Spieler verliert. Spielt man mehrere Partien, so wird dieses Monster mit 0 Punkten verrechnet, außer einem Spielenden gelingt es alle anderen Monster zu töten, dann zählen die erreichten Punkte immer für die Spielrunde und der letzte Spieler wird mit 20 Punkten gewertet (auch im Spiel mit zwei Spielenden).

KoT Box

KING OF TOKYO ist leicht verständlich, hat einen relativ hohen Glücksfaktor und kann durch kleine Anpassungen noch zusätzlich spannend gestaltet werden, beispielsweise wenn Angriffssymbole oder Energiebrocken-Symbole behalten werden müssen, statt erneut gewürfelt zu werden oder wenn jeder Spielende zu Beginn des Spiels drei zufällige Karten erhält, die dann im ersten Spielzug verwendet werden müssen. Eine Partie geht meist sehr schnell, kann allerdings bis zu 30 Minuten oder sogar mehr dauern, abhängig von der Spielerzahl. Trotz der Einfachheit macht KING OF TOKYO auch über einen längeren Zeitraum viel Spaß. Das ist vor allem darin begründet, dass dieses Spiel sehr kurzweilig ist und durch den hohen Glücksfaktor beim Würfeln keine Partie wie die andere ist.

Infokasten

„King of Tokyo“

Entwickler: Richard Garfield

Verlag: IELLO

Vertrieb: Heidelberger Spielverlag

USA | 2011

Veröffentlichung: Das Spiel ist im Handel erhältlich, ebenso die Erweiterungen und die zweite Edition KING OF NEW YORK, die auch als Erweiterung verwendet werden kann. Mit diesen kann das Spiel sogar mit mehr als sechs Personen gespielt werden.

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Ein Dichter, der sich real auf die Seite des Pazifismus schlägt, ästhetisch aber auf die der Gewalt, befindet sich durchaus nicht in einem Widerspruch.“

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