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Serie

„What we do in the Shadows“ – Urkomischer Vampiralltag

Das Vampir-Trio in Aktion FX Network Das Vampir-Trio in Aktion

Diese Mockumentary ist zum Totlachen. Haha, Wortwitz – denn es geht um eine fiktive Vampir-Doku mit witzigen Anachronismen, schwarzem Humor und Situationskomik.

Rezension

Stellen Sie sich vor, jemand könnte und würde eine Dokumentation über Vampire machen. Dann würde er in Staten Island, USA fündig werden. Denn dort leben – wenn man von leben sprechen möchte – in einem alten Gemäuer drei Vampire in einer WG, nein, sogar vier Vampire – der vierte ist allerdings ein Energievampir und das nicht sprichwörtlich, sondern ganz und gar tatsächlich: Colin Robinson (Mark Proksch) beraubt seine Opfer meist im Büroalltag ihrer Lebenskraft, indem er sie mit den langweiligsten, niemals enden wollenden Gesprächen quält. Die übrigen Vampire sind da schon klassischer. Da hätten wir zum einen ein oft voneinander genervtes Liebespaar, bestehend aus dem englischen Aristokraten Laszlo Cravensworth (Matt Berry) und der Roma Nadja (Natasia Demetriou). Zum anderen wäre da noch der selbsternannte Hausvorstand und einstige Kriegerfürst Nandor der Gnadenlose (Kayvan Novak), der sich außerdem einen Vertrauten hält, einen Diener also, der nichts lieber wäre als selbst ein Vampir: Guillermo (Harvey Guillén), der leider überhaupt nicht zum Vampir taugt. Eine verrückte Wohngemeinschaft also, deren allnächtliche Eskapaden jüngst in einer TV-Serie dokumentiert wurden…

Stromberg mit Vampiren

wwdits 1What we do in the Shadows lässt sich für ein deutschsprachigen Publikum am einfachsten als eine Art Stromberg mit Vampiren beschreiben. Denn wo jene Serie den Büroalltag mit seinem Machtgeplänkel karikiert, nimmt die anspielungsreiche Serie des TV-Senders FX Network die gängigen Vampirmythen auf die Schippe, und das ebenfalls in einem Mockumentary-Stil: Ein Kamerateam folgt den Vampiren durch die Nacht, die Bildgestaltung ist durch eine wacklige Handkamera geprägt und zwischendurch werden die Blutsauger interviewt. What we do in the Shadows lebt absolut von seinen ulkigen Figuren, die sympathisch und zugleich keine weichgespülten Vampire sind. Trotzdem, so richtig ernst nehmen kann man sie als Kreaturen der Nacht nicht. Ein Großteil des Witzes entsteht dadurch, dass die Vampire einen furchteinflößenden Mythos verkörpern wollen, charakterlich aber immer wieder grandios daran scheitern. Oft wirken die Figuren wie Blender und schielen peinlich berührt in die Kamera oder spielen sich extra groß auf, um ihren Fauxpas zu kaschieren.

wwdits 2Zum Glück erschöpfen sich ihre überzeichneten Charaktere nicht in der Karikatur. Das hätte sie schablonenhaft gemacht. Neben Situationskomik, absurden Anachronismen und schwarzem Humor, ist es auch die Erzählsituation selbst, die für Lacher sorgt. Denn immerhin ist das Kamerateam in einer Mockumentary auch Teil der erzählten Welt und, da es sich dabei um Menschen handelt, die normalerweise Beute für Vampire sind, sind absurd-witzige Momente vorprogrammiert. Dabei haben die Serienmacher darauf geachtet, dass nur das erzählt wird, was ein menschliches Kamerateam auch filmen kann – sieht man einmal davon ab, dass Vampire normalerweise im Verborgenen existieren.

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Die What-we-do-in-the-Shadows-Storyworld

Die Blaupause für die TV-Serie liefert der gleichnamige, von der Kritik gefeierte Kinofilm von 2014, der im deutschsprachigen Raum unter dem Titel 5 Zimmer, Küche, Sarg erschienen ist. Die Mockumentary in Spielfilmlänge porträtiert ebenfalls eine Vampir-WG, bei der die Schöpfer des Franchises, Jemaine Clement und Taika Waititi, selbst als Vampire mitspielen – genauer: als Vladislav und Viago, ersterer ein blutrünstiger Adliger aus dem Mittelalter, letztere ein affektierter Dandy. Beide Figuren haben auch in der TV-Serie einen Auftritt, neben anderen prominenten Gastauftritten, wie Mark Hamill als nachtragender Rivale von Laszlo oder Tilda Swinton, Danny Trejo und Wesley Snipes, die nicht zufällig Vampire spielen, deren Look an frühere Vampirfilme erinnert, etwa an Only Lovers Left Alive und Blade.

wwdits 3Die Ursprünge des What-we-do-in-the-Shadows-Franchises liegen aber noch weiter zurück. Begonnen hat alles 2005 mit Kurzfilmen, die erstmals die drei Hauptfiguren des Kinofilms ausloten, Vladislav, Viago und den ehemaligen Nazi Deacon (Jonathan Brugh), der sich nach Wellington, Neuseeland abgesetzt hat. Seit 2018 existiert auch eine zweite Serie in der Storyworld des Franchises – Wellington Paranormal, deren bisherigen drei Staffeln von den übernatürlichen Erlebnissen zweier Polizeioffiziere in Wellington erzählen, ebenfalls im Mockumentary-Stil und mit dem für das Franchise typischen Humor. Wellington Paranormal wird voraussichtlich bald in den USA ausgestrahlt.

wwdits 5Die TV-Serie What we do in the Shadows ist kein Rip-off des vorangegangenen Kinofilms, auch wenn mancher Witz ähnlich oder sogar derselbe ist, sondern eine Erweiterung und Fortführung. Tatsächlich passt das gewählte Serienformat mit ca. 20-minütigen Episoden sogar besser zu dem Erzählstoff als ein abendfüllender Kinofilm, da so kein langer Handlungsbogen entwickelt werden muss, der im Rahmen des Mockumentary-Stils eher künstlich wirkt. Stattdessen kann episodisch erzählt werden: Schwank für Schwank aus dem endlosen Dasein vierer Vampire.

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Zwei Staffeln umfasst die Serie bisher. Eine dritte Staffel ist seit Mai 2020 bestätigt, hat sich aufgrund der Covid-19-Pandemie allerdings verzögert. Doch seit Februar laufen endlich die Dreharbeiten, sodass man vielleicht schon im Sommer mit der Veröffentlichung rechnen kann.

Fazit: Vampirklamauk mit schrulligen Figuren

What we do in the Shadows ist teils absurd komischer, teils schwarzhumoriger Vampirklamauk im Mockumentary-Stil, der seine Figuren trotz ihrer überzeichneten Schrulligkeit ernst nimmt und eine konsistente Erzählwelt erschafft, sodass die anspielungsreiche Serie kurzweilig ist und trotzdem Lust macht, ihr über mehrere Staffeln zu folgen.

 

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Trailer zu What we do in the Shadows

 

Infokasten

„What we do in the Shadows“, Staffel 1-2

Schöpfer: Jemaine Clement

Regie: Jemaine Clement, Taika Waititi u.a.

Drehbuch: Jemaine Clement, Taika Waititi u.a.

Laufzeit: ca. 30 Minuten / 2 Staffeln à 10 Folgen

Produzent: FX Productions, Two Canoes Pictures, 343 Incorporated, FX Network

Verleih: FX Network, Walt Disney Television

USA | 2019-2020

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Letzte Änderung amMittwoch, 07 April 2021 11:28
Edvard Solstad

Edvard schreibt über Horror und Phantastik, deren literarische Formen ihn am meisten interessieren.

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„A belief in a supernatural source of evil is not necessary. Man alone is quite capable of every wickedness.“

Joseph Conrad

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