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Film

„The Boy Behind the Door“ – Kinder gegen Kidnapper

Filmszene (Ausschnitt) Kinogo Pictures, Whitewater Films Filmszene (Ausschnitt)

In diesem spannenden Katz- und Mausspiel kämpfen zwei Jungs um ihr Überleben, nachdem sie von Kidnappern verschleppt wurden, die das Schlimmste mit ihnen vorhaben.

Kurzrezension

The Boy Behind the Door kommt schnell zur Sache und bleibt durchweg spannungsgeladen. Eine kurze träumerische Exposition zeigt die Jungs Bobby (Lonnie Chavis) und Kevin (Ezra Dewey), die einander ewige Freundschaft schwören. Die zwei sind von Zuhause ausgerissen, um das Meer zu sehen. Doch unterwegs werden sie gekidnappt und in ein Haus abseits der Zivilisation verschleppt. Die lichtdurchflutete Inszenierung bricht ab, die Nacht hebt an: Bobby wacht geknebelt und gefesselt in einem Kofferraum auf. Dem Erstickungstod nahe kann er sich gerade noch von allen Fesseln befreien und aus seinem Gefängnis ausbrechen. Jetzt könnte er fliehen. Ohne Kevin, der ins Haus gebracht wurde. Aber er entscheidet sich dagegen und schleicht sich in die Höhle des Löwen. Es beginnt ein Überlebenskampf, der die Freundschaft der Jungs auf die Probe stellt.

Das enge Szenario kostet The Boy Behind the Door voll aus. Das Katz- und Mausspiel zwischen Kidnappern und Bobby ist spannend und lebt von dem Ungleichgewicht Kinder gegen Erwachsene. Bobby wird glaubhaft in Szene gesetzt, einerseits erfrischend raffiniert, andererseits körperlich unterlegen und mit seiner Angst kämpfend. Der Film ist gut geschrieben, denn der zentrale Konflikt wirkt nicht aufgesetzt und die gegenläufigen Motivationen der Figuren sind klar umrissen. Bobby muss im Haus bleiben, bis er seinen Freund befreien kann. Kevin ist der titelgebende Junge hinter der Tür, eingeschlossen und angekettet. Die Thematik, die sich der Film widmet, ist harter Tobak: organisierter Kindesmissbrauch. Die Schwere des Themas wird erst nur angedeutet, später dann explizit inszeniert, allerdings nicht gezeigt. Der Fokus liegt auf dem Überlebenskampf, dessen Intensität durch diesen Hintergrund verstärkt wird. In diesem Kontext wird Gewalt gegen Kinder nicht ausgespart. Das macht den Film sehr düster. Auch offener Rassismus spielt eine Rolle auf Seiten der Antagonisten, die durchweg das Narzisstisch-Böse verkörpern. Stimmungsvoll ist deswegen auch die Inszenierung der Antagonisten: Ihre Gesichter werden lange Zeit nicht gezeigt. Diese Anonymität verleiht ihnen Unheimliches. Zugleich macht es deutlich: Jeder kann ein Täter sein – und wer die Täter in diesem Film sind, ist eine interessante Wendung. Nach einigen Gewaltspitzen im Handlungsverlauf mündet The Boy behind the Door in einem blutigen Schlagabtausch.

Fazit: Spannungsgeladenes Katz- und Mausspiel

The Boy Behind the Door ist ein intensives Erlebnis, das Brisanz in seine Inszenierung eines Überlebenskampfes bringt, weil die Hauptfiguren in diesem Horrorfilm Kinder sind und ihnen Gewalt angetan wird. Der Film ist dramaturgisch gut durchdacht und bleibt deshalb bis zum blutigen Ende spannend.

Infokasten

„The Boy behind the Door“

Regie: David Charbonier, Justin Powell

Drehbuch: David Charbonier, Justin Powell

Laufzeit: 88 Minuten

Produzent: Kinogo Pictures, Whitewater Films

Verleih: Lighthouse

USA | 2021

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amDienstag, 19 Oktober 2021 11:27
André Vollmer

Schriftsteller. Forscher. Phantast. Am Meer geboren. Gründer von Mellowdramatix.

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„Das Wort Kunst bezeichnet [...] im engeren Sinne Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selber sein.“

– Wikipedia

 

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