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Film

„Ruin me“ – Spiel mit Horrorklischees, das Ernst wird

Filmszene Terror Weekend Productions Filmszene

Sechs Fremde gehen in den Wald und spielen Horror. Sie sind Fans des Horrorfilmgenres und wollen erschreckt werden. Bis auf eine, die ernst macht.

Kurzrezension

ruin me 1„Slasher Sleepout“, so heißt eine Erlebnisveranstaltung für Horrorfans der besonderen Art. Für 36 Stunden werden sechs Teilnehmer im Wald ausgesetzt, um Rätsel zu lösen, abends zu zelten und – natürlich – um erschreckt zu werden. Darunter auch Horrorfilmliebhaber Nathan (Matt Dellapina) und seine Freundin Alexandra (Marcienne Dwyer), die in ihrem Leben noch nie einen Horrorfilm gesehen hat. Sie ist nur Nathan zuliebe mit dabei, weil sein Kumpel Jared (Sam Ashdown) unerwartet krank wurde. Klingt spaßig, geradezu nach wohligem Grusel für Hobby-Abenteurer. Dumm nur, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Teilnehmer verschwinden und nachts wandern seltsame Gestalten durch den Wald. Ausgerechnet Alexandra ist bald mit der Frage konfrontiert, was inszenierter und was realer Schrecken ist. Eine Frage des Überlebens.

Ruin me spielt mit der Doppeldeutigkeit des Szenarios. Niemand erwartet, dass alles nur Show und Entertainment ist, doch was es ist, das sich innerhalb dieses gespielten Horrors letztlich als wirklicher Schrecken erweist, ist lange Zeit unklar. In dieser Weise ist der Film fesselnd, auch wenn einige entscheidende Wendungen sehr gerafft erzählt werden. Erzähllogisch mag die Handlung aufgehen, durch die Präsentation aber entsteht stellenweise der Eindruck von Ungereimtheiten und lässt das Ende ein wenig aufgesetzt wirken. Nicht immer ist die Unterscheidung von Inszenierung und Tatsächlichkeit des Schreckens glaubwürdig. Es drängt sich das Gefühl auf, die Protagonistin müsste den Unterschied doch bemerken. Warum sie es vielleicht doch nicht kann, erklärt der Film, stellt es aber inszenatorisch nicht markant genug heraus, so dass es – zumindest mich – nicht ganz überzeugt hat. Ruin me ist dennoch eine unterhaltsame, oft auch witzige Metaperspektive auf das Horrorgenre. Außer Alexandra kennen sich alle Figuren mit den Stereotypen, Klischees und Erzählformeln des Genres aus. Die Figuren sind sich also möglicher Handlungsverläufe bewusst und thematisieren sie, was eine ganz eigene Komik entwickelt. Den Spaß und den wohligen Grusel, den sich die Teilnehmer des „Slasher Sleepout“ erhoffen, bekommen die Zuschauer von Ruin me auf jeden Fall.

 

Trailer zu Ruin me

 

Infokasten

„Ruin me“

Regie: Preston DeFrancis

Drehbuch: Trysta A. Bissett, Preston DeFrancis

Laufzeit: 87 Minuten

Produzent: Terror Weekend Productions

Verleih: bisher keiner

USA | 2017

Bildrechte: Alle Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amDonnerstag, 14 Juni 2018 07:14
André Vollmer

Kein Kritiker. Aber ein Schriftsteller, der ab und an Kritiken schreibt. Am Meer geboren.

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„Unbestreitbar führt das Internet auch zu positiven Veränderungen. Das Negative besteht meiner Meinung nach darin, dass das Internet zu Oberflächlichkeit verleitet, zu spontanen Reaktionen, hinter denen kein langes Nachdenken steckt: Ich habe etwas gelesen, und sofort twittere ich dagegen oder darüber, und dann womöglich auch noch in falscher Grammatik.“

 

Helmut Schmidt im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo (2012) im Zeit Magazin Nr. 17 vom 19.04.2012, S. 57