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Film

Orkisch für Anfänger: „Bright“ von David Ayer

Filmszene (Ausschnitt) Netflix Filmszene (Ausschnitt)

Urban Fantasy pur, das ist der viel erwartete Netflix-Film Bright, der Kenner an das Rollenspiel Shadowrun erinnert: Fantasiewesen vor düsterer Stadtkulisse.

Rezension

bright3Aber anders als das „Pen & Paper“-Kultrollenspiel Shadowrun spielt Bright nicht in einer cyberpunkigen Zukunft, sondern ist im Hier und Jetzt der Großstädte situiert. Allerdings leben in diesen Städten neben Menschen auch andere Wesen. Die spitzohrigen Elfen, heißt es in dem Film, regieren die Welt. Sie sind eine Art modebewusstes Oberklasse-Volk. Hingegen die bulligen Orks leben in den heruntergekommenen Gegenden der Stadt und erinnern in ihrer Kleidung an Gangster, wie sie der Hip Hop glorifiziert. Vor 2000 Jahren dienten sie dem dunklem Lord im Kampf gegen die übrigen Völker – das wird ihnen noch heute nachgetragen. Weitere Völker treten am Rande auf: Zwerge etwa werden erwähnt und im Hintergrund eines Tatorts sperrt ein Zentaur-Cop einen Tatort ab. Im Fokus aber steht die historisch belastete Beziehung von Mensch und Ork, die sofort an den Herrn der Ringe denken lässt.

Das ist nicht so einfallslos, wie es zunächst scheinen mag, sondern ziemlich geistreich, da gerade Tolkiens Werk hier eine weitverbreitete Grundlage dafür geschaffen hat, was unter „Orks“ verstanden wird. Gewissermaßen greift Bright intermedial auf bestehende Stereotypen des Fantasy-Genres zurück und denkt sie ‚realistisch‘ weiter, indem auf jene archaische Vorzeit lediglich verwiesen wird, derweil die Welt neuzeitlich pragmatisch geworden ist und die Völker entsprechend bestrebt sind, in der Durchmischung der Globalisierung miteinander klarzukommen. Das ist für alle Gesellschaften dieser Erde ein zentrales Thema, insbesondere aber der US-amerikanischen, die aus der Durchmischung entstanden ist und in der es noch heute die Vorstellung eines gesellschaftlichen „Schmelztiegels“ („melting pot“) gibt, in dem alle Kulturen miteinander zu einer ‚verschmelzen‘.

bright2Konkretisiert wird das vorurteilsbehafte Verhältnis von Mensch und Ork in den Streifenpolizisten Daryl Ward (Will Smith) und Nick Jakoby (Joel Edgerton), die als Partner ihre Schwierigkeiten miteinander haben, da der eine Mensch und der andere Ork ist. Überhaupt ist Nick der erste und einzige Ork im Polizeidienst, was viele seiner Kollegen ungern sehen. Selbst Vorgesetzte schmieden Intrigen, um Nicks Karriere jäh abzusägen. Sie scheuen nicht davor zurück, Daryl zu instrumentalisieren, der darauf angewiesen ist, seinen Job zu behalten. Vor diesem konfliktreichen Hintergrund werden die Partner wider Willen eines Nachts in eine Schießerei verwickelt, die ihr Leben umkrempelt. Wie es scheint, ist in ihrer Stadt eine Sekte abtrünniger Elfen aktiv geworden, die den dunklen Lord wiedererwecken will.

Bright ist ein spannender, actionreicher Film, der zwei ungleiche Figuren in ein Abenteuer wirft, das sie zwingt, sich mit ihren Vorurteilen auseinanderzusetzen. Die komplexen Themen Rassismus und Diskriminierung verhandelt der Film eher schematisch. Bedenkt man aber, wie oft das Fantasy-Genre seine teils klischeebeladenen Erzählmuster und Figurenkonstellationen wiederholt, wirkt Bright zwar nicht schon innovativ, aber doch wie eine willkommene Abwechslung und erfrischende Variation. Urban Fantasy als Subgenre gibt es allerdings schon lange. Nimmt man das Rollenspiel Shadowrun als Vergleichsgröße, wird deutlich, dass auch dort Rassismus und Diskriminierung unter Fantasy-Völkern thematisiert werden – und das schon seit 1989. Insofern fächert der Film ein wenig populäres Subgenre der Fantasy vor einem breiten Publikum auf und bietet so eine gelungene Einstiegsmöglichkeit für Interessierte.

Dennoch, Bright ist sehr unterhaltsam und ich würde es begrüßen, wenn es eine Fortsetzung oder ähnlich gelagerte Filme gäbe, zumal Bright sich wie eine Vorgeschichte zu etwas viel Größerem anschaut, so reichhaltig und tief wirkt die düstere Mischwelt aus Realität und Fantasy, die der Film präsentiert.

Trailer zu Bright

Infokasten

„Bright“

Regie: David Ayer

Drehbuch: Max Landis

Laufzeit: 117 Minuten

Produzent: Clubhouse Pictures (II), Overbrook Entertainment, Netflix

Verleih: Netflix

USA | 2017

Letzte Änderung amSonntag, 21 Januar 2018 22:00
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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