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Film

„Das Spiel“ nimmt eine unerwartete Wendung ins Schreckliche

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Gerald Burlingame und seine Ehefrau Jessie haben das Feuer in ihrer Beziehung verloren. In den zweiten Flitterwochen soll es wieder knistern. Das geht schief.

In Kürze: 250 Wörter über…

Was bis hierhin auch die Logline für eine Komödie mit Adam Sandler sein könnte, entpuppt sich nach einer ruhigen Exposition als ein grausames Horrorszenario. Denn Gerald (Bruce Greenwood) hat Jessie (Carla Gugino) ans Bett gefesselt, mit Handschellen an massiven Bettpfosten. Dann ist Gerald an einem Herzinfarkt gestorben, während des Liebesspiels. Nun sitzt Jessie fest, ihr bleiben maximal drei Tage, bis sie verdurstet. Zu allem Überfluss hat sich ein streunender Hund Zugang zum abgelegenen Haus verschafft und findet Gefallen daran, den Leichnam anzuknabbern. In ihrer Notsituation beginnt Jessie zu halluzinieren, was sie zu einer Konfrontation mit verdrängten Erinnerungen führt.

Durch die Wahl des Szenarios ist Das Spiel ein Film, der zu weiten Teilen in nur einem Raum stattfindet. Regie für den Netflix-exklusiven Horrorthriller führte Mike Flanagan, der bereits mehrfach mit cleveren Horrorfilmen auf sich aufmerksam machte (Hush, Oculus, Ouija: Ursprung des Bösen, Before I Wake, Absentia, Still). Nun durfte er einen Roman von Stephen King verfilmen. Durch die überraschende visuelle Heftigkeit des Werkes wird dieser Film im Gedächtnis bleiben. Daher ist davon auszugehen, dass Gerald’s Game – so der Originaltitel – die Tür zum ganz großen Kino für den Regisseur sehr weit aufgestoßen hat.

Das Spiel ist ein langsam erzählter, intensiver und sehr überraschender Horrorthriller. Da dieser Film momentan der fünft meistgeklickte bei der Internet Movie Database ist, kann man wohl kaum mehr von einem Geheimtipp sprechen. Zarte Gemüter könnten an diesem Film lange zu knabbern haben, denn die explizite Gewaltdarstellung am Ende des Werkes ist auch für erfahrene Horror-Connaisseurs eine echte Herausforderung.

Trailer Gerald’s Game

Infokasten

„Das Spiel“ (OT: „Gerald’s Game“)

Regie: Mike Flanagan

Drehbuch: Mike Flanagan, Heff Howard, Stephen King (Roman)

Produktion: Intrepid Pictures

Verleih: Netflix

Laufzeit: 103 Minuten (uncut)

Bei Netflix im Stream verfügbar.

Letzte Änderung amDienstag, 10 Oktober 2017 10:55
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten. Das klingt geistreich oder vielleicht zugespitzt. Aber es ist mir ganz ernst damit, es ist nicht eine witzige Formel. Der Mensch, der krank ist, der zeigt, daß bei ihm gewisse menschliche Dinge noch nicht so unterdrückt sind, daß sie in Konflikt kommen mit den Mustern der Kultur und daß sie dadurch, durch diese Friktion, Symptome erzeugen. […] sehr viele Menschen, das heißt, die Normalen, sind so angepaßt, die haben so alles, was ihr eigen ist, verlassen, die sind so entfremdet, so instrumente-, so roboterhaft geworden, daß sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden.“

– Erich Fromm

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