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Film

Schwarzhumorig und britisch trocken: die Vampirkomödie „Eat Local“

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Treffen sich acht Vampire in einem abgelegenen Farmhaus, um die nächtliche Machtpolitik auszuloten. Da stellt sich heraus: Sie sind von Söldnern umzingelt.

Rezension

Vampire in Games, in Filmen, in Romanen und in Comics, überall Vampire, die Medien sind voll von den Blutsaugern. Erst vor wenigen Jahren gab es dank Twilight einen Hype um die Nächtlichen, in dessen Fahrwasser Serien wie etwa Vampire Diaries, True Blood, Moonlight und The Originals das Licht der Flachbildschirme erblickten, wobei manch gute Geschichte missachtet blieb, wie etwa die NBC-Serie Dracula, die trotz ihres ambivalenten Protagonisten nie eine zweite Staffel erhielt. Gröbster Schund wie Dracula Untold wurde produziert, eine Verflachung des Stoffs sondergleichen.

Die Vampire des 21. Jahrhunderts hatten eine neue Maske aufgesetzt, meist eine engelsgleiche, die zum Schwärmen und Übergeben gleichermaßen einlud, und nicht wenige Parodien zielten darauf ab, dieses neue Bild der Flattermänner zu verlachen. Denkt man da an Vampirkomödien wie den mäßigen I Had a Bloody Good Time at House Harker oder den genialen What We Do in the Shadows, dann möchte man meinen, dass man die Monster mit Fangzähnen gar nicht mehr ernst nehmen kann. Die Komödie Eat Local geht hier einen interessanten Weg, indem sie ihre Blutsauger zwar schwarzhumorig und britisch trocken von der einen Katastrophe zur nächsten jagt, aber dennoch ernstnimmt.

eat locals still 05So sind die acht Vampire, die sich eines Nachts in einem Farmhaus versammeln, um über ihr künftiges Jagdverhalten zu debattieren, keineswegs albern, sondern verfügen über glaubhafte Motivationen und Charakterzüge – auch wenn diese natürlich stark überzeichnet sind. Sogar das Grundszenario ist denkbar ernst, die Inszenierung oft aber urkomisch, sei es durch einfachen Slapstick, witzige Dialoge oder unerwartet absurde Situationen. Ernst ist die Lage für die Versammelten auch deshalb, weil das Häuschen, in dem sie residieren, von einem Haufen Söldner umstellt ist. Sie arbeiten für einen Priester, der Vampire für eine gotteslästerliche Scheußlichkeit hält. Derart dreht Eat Local das Szenario etwa von 30 Days of Night oder From Dusk til Dawn um: nicht die Vampire, die Menschen sind die Bedrohung und dazu deutlich in der Überzahl.

Ein wenig störend allerdings ist der Look von Eat Local, der von seiner Digitalfilm-Ästhetik herrührt und außerdem in den teils doch sehr billig umgesetzten Effekten begründet ist. Aber das ist nur ein Wermutstropfen, der einem knappen Budget geschuldet sein mag.

Insgesamt bietet Eat Local eine erfrischende Vampirkomödie, die zwar nicht herausragend ist, aber wenigstens nicht auf Klischees herumreitet, sondern mit viel Klamauk und Humor den nächtlichen Schlagabtausch zwischen Vampiren und Söldnern feiert und dabei für viele Lacher sorgen kann.

Trailer zu Eat Local

Infokasten

„Eat Local“

Regie: Jason Flemyng

Drehbuch: Danny King

Laufzeit: 94 Minuten

Produzent: Jonathan Sothcott u.a.

Verleih: Splendid Film

Großbritannien 2016

Letzte Änderung amFreitag, 25 August 2017 12:01
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Kurzes im Schreibatelier @anderwaerts, sonst auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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„Ich habe den ganzen Kosmos mit meinem Schädel zerkaut! Ich habe gedacht, bis mir der Speichel floß. Ich war logisch bis zum Koterbrechen. Und als sich der Nebel verzogen hatte, was war dann alles? Worte und das Gehirn.“

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