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Von Obsession zu Home-Invasion: „The Fanatic”

Filmstill (Ausschnitt) Koch Film, et. al. Filmstill (Ausschnitt)

Fred Durst (Limp Bizkit) hat einen Film über einen obsessiven Filmfan gemacht. Als dieser spielt John Travolta exzellent auf, alles andere gelingt hingegen nicht.

Rezension

The Fanatic2Moose (John Travolta) lebt in LA und schlägt sich irgendwie durch. Seine große Liebe gilt Sammelobjekten von Action-Star Hunter Dunbar (Devon Sawa) und anderen Sternchen. In dieses teure Hobby steckt der offenbar kognitiv Eingeschränkte sein gesamtes Geld und die Zeit, die er nicht benötigt, um als Rollendouble auf dem Walk of Fame zu arbeiten. Als er dann die Chance bekommt, Hunter Dunbar zu treffen, benimmt sich Moose ziemlich unfreundlich und beginnt daraufhin den großen Star zu verfolgen. Einige Zeit später findet Moose sich dann im Haus von Hunter Dunbar wieder und die Situation droht zu eskalieren.

The Fanatic4Fred Durst, Frontmann der Nu-Metal-Band Limp Bizkit und Regisseur diverser Musikkurzfilme, zeigt in The Fanatic nicht das Talent, ein schwaches Drehbuch gut zu inszenieren. Da die grundlegende Idee zu der Geschichte von Fred Durst selbst stammt, fragt man sich, wie dieser Film zu einem solchen Machwerk werden konnte, da anzunehmen ist, dass Durst etwas an seiner filmischen Vision liegt. Das Drehbuch wurde von Dave Bekerman geschrieben und ist dessen erstes Drehbuch. Ob das Skript dieselben eklatanten Fehler aufweist, wie es der Film tut, kann nicht beurteilt werden, aber irgendetwas ist hier grundlegend schiefgelaufen.

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Bereits die Eröffnung des Films ist eine aus dem Off gesprochene Thematisierung dessen, was Hollywood mit Menschen machen kann, parallel dazu sind Bilder der Stadt montiert. Hier wird versucht dramaturgische Schwächen durch das Kapern eines Stilmittels aus dem Genre Film Noir zu kaschieren. Da der Einsatz von Off-Texten im Film Noir bewusst als Element in die Dramaturgie des Gesamtwerkes eingeplant wird, wirken diese in dem Genre selbst, das The Fanatic hier zu sein vorgaukeln will, nicht aufgesetzt. Bei The Fanatic hingegen scheint es der Versuch, das Werk zu retten, denn solche Sequenzen finden sich immer wieder in The Fanatic, wenn der Film keine logische Lösung mehr für seine Aneinanderreihung von verschiedenen Sequenzen und dramaturgisch begründeten Handlungsfolgerungen anzubieten hat. Unter anderem durch diese Form der Inszenierung ist der Film weder homogen noch stringent. Dies ist die Hauptursache dafür, dass der Film kaum Spannung erzeugt und im Endeffekt einen unbefriedigenden Schlusspunkt setzt, der äußerst konstruiert und letztlich absurd wirkt.

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Erstaunlicherweise ist John Travolta als Moose in einer seiner besten schauspielerischen Leistungen der jüngeren Vergangenheit zu sehen. Fred Durst gelingt es, dass sein Hauptdarsteller absolut authentisch und dessen Handlungen in sich schlüssig wirken. Ohne John Travolta wäre The Fanatic einer der schlechtesten Filme aller Zeiten oder zumindest ein Kandidat für diese Filmreihe bei Tele 5. Das liegt aber nicht an der Bekanntheit des Darstellers, sondern daran, mit welcher Begeisterung Travolta den kognitiv eingeschränkten Filmfan verkörpert, der selbst kein Bewusstsein dafür besitzt, dass er mit einer gnadenlosen Penetranz in das Leben eines Hollywood-Stars eindringt. Das Auftreten von Moose sorgt einerseits für Situationskomik und andererseits für düstere Horrormomente, trotz des zugrundeliegenden Machwerks von Drehbuch.

Fazit

Wie es Fred Durst gelungen ist, John Travolta für The Fanatic zu bekommen, bleibt ein Rätsel. Aber in der Besetzung seines Protagonisten mit dem Hollywood-Veteran Travolta ist es dem Regisseur gelungen, einen grundsätzlich schwachen Film davor zu retten, zu komplettem Trash – nicht im lustigen oder bewusst eingesetzten Sinne wie im Genre Trashfilm – zu verkommen. Durch Travoltas Darbietung ist The Fanatic durchaus mal eine Sichtung wert. Aber man muss damit umgehen können, dass alles andere an The Fanatic hinter den Ansprüchen zurückbleibt, die heutzutage an einen typischen Film gestellt werden können.

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Infokasten

„The Fanatic“

Regie: Fred Durst

Drehbuch: Dave Bekerman (Drehbuch), Fred Durst (Idee)

Animationen: Wes Borland

Produktion: Quiver Distribution, Redbox Entertainment, Pretzel Fang Productions, Wonderfilm Media, Oscar Generale Productions, Daniel Grodnik Productions, Media Finance Capital, Fig Production Group

Verleih: Koch Films

Laufzeit: 85 Minuten (uncut)

USA | 2019

Veröffentlichung: Der Film ist auf DVD, Blu-ray-Disc und als Video-on-Demand im Handel erhältlich.

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amFreitag, 17 September 2021 12:47
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Das Grauen (seltener: der Graus) ist ein Substantiv der gehobenen Umgangssprache für ein gesteigertes Gefühl der Angst oder des Entsetzens, das meist mit der Wahrnehmung des Unheimlichen oder Übernatürlichen verknüpft ist. Es rührt sprachgeschichtlich vom mhd. grûwen, „Schauder“ her, welcher Begriff auch als Synonym verwendet wird.“

– Wikipedia

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