log in

Film

„Isle of Dogs“ – Eine Odyssee zuliebe des Hundes

Filmszene 20th Century Fox Filmszene

Diese Heldenreise eines 12-Jährigen, der seinen Hund sucht, ist witzig und ungewöhnlich erzählt. Ein Feuerwerk an guten Einfällen, das mit Starbesetzung lockt.

Kurzrezension

Ein Junge sucht seinen Hund – nicht irgendein Junge, auch nicht irgendein Hund, sondern der verwaiste Neffe des Bürgermeisters von Megasaki (Kunichi Nomura) höchst selbst, Atari sein Name (Koyu Rankin), sucht seinen Wachhund und Gespielen Spots (Liev Schrieber). Der allerdings ist als erster Hund überhaupt auf die Trash Island verfrachtet worden. Das war notwendig, weil die grassierende Hundegrippe „snout fever“ die Stadt Megasaki bedrohte. Spots folgten bald sämtliche Hunde der Stadt, darunter auch Rex (Edward Norton), King (Bob Balaban), Boss (Bill Murray), Duke (Jeff Goldblum) und ihr Anführer Chief (Bryan Cranston), der als einziger ein Straßenhund von ihnen ist. Als Rudel kümmern sie sich um Atari, der auf Trash Island bruchlandet, mit einer im Übrigen geklauten Flugmaschine. Atari ist eben ein besonderer, auch sonderbarer 12-Jähriger, der sich von seiner Mission nicht abbringen lässt, komme, was wolle. Lediglich der ehemalige Streuner Chief zweifelt an Atari.

Wer Isle of Dogs anschaut, in Deutschland auch Ataris Reise genannt, beginnt eine Odyssee. Ihn erwartet eine wendungsfreudige, selbstironische Heldenreise mit dem sehr japanischen Thema der persönlichen Ehre, aber auch der Liebe zum besten Freund des Menschen. Ein fulminantes Spektakel aus verschiedenen Animationsstilen mit eigenwilligen, witzigen Dialogen und ebenso eigenwilligen Figuren. Ein Abenteuer, das erfrischend anders erzählt wird, sehr rasant ist und reich an lakonischem Humor. Ataris Abenteuer und das Schicksal der Hunde von Trash Island wird verquickt mit dem politischen Geschehen in Megasaki, die Erzählperspektive springt vielfach zwischen zahlreichen Handlungssträngen, die am Ende aber alle zusammenlaufen – eine Komplexität, die durch ihr Arrangement gar nicht auffällt, aber eben die besagte Rasanz ausmacht. Vieles wird erstaunlich knapp, ja schnell erzählt und gewinnt dadurch an Witz. Ein rhythmisch beeindruckender Film.

isle of dogs 1

Isle of Dogs ist ein herausragender, reichhaltiger Film, der absolut amüsant und spannend ist, allein schon wegen der wechselnden Animationsstile und Sprachen. Die Japaner reden konsequent Japanisch, ohne untertitelt zu werden, und werden in Fernsehübertragungen auf Englisch simultan übersetzt, ein Aspekt der liebevollen Komplexität dieses Films, der zudem stellenweise zum Witz, vor allem aber zur Glaubwürdigkeit beiträgt (Ort der Handlung ist nun einmal Japan). Deswegen und, weil eine Reihe erstklassiger Schauspieler den Figuren ihre Stimmen leihen, empfehle ich diese Abenteuerreise im Originalton anzuschauen.

 

Trailer zu Isle of Dogs

 

Infokasten

„Isle of Dogs“ (AT: Ataris Reise)

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson, Roman Coppola, Jason Schwartzman

Laufzeit: 101 Minuten

Produzent: American Empirical Pictures, Indian Paintbrush, Studio Babelsberg, 20th Century Fox Animation

Verleih: 20th Century Fox

Deutschland, USA | 2018

Bildrechte: Alle Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amMittwoch, 13 Juni 2018 17:40
André Vollmer

Schriftsteller, der Kritiken schreibt; Gründer von Mellowdramatix, Studierter (Germanistik & Skandinavistik, M.A.); am Meer geboren; auf Twitter als er selbst (@avmllr) und in seinem Schreibatelier für kleinste Formen (@anderwaerts)

Schreibe einen Kommentar

Unter anderem auch das

„Das Grauen (seltener: der Graus) ist ein Substantiv der gehobenen Umgangssprache für ein gesteigertes Gefühl der Angst oder des Entsetzens, das meist mit der Wahrnehmung des Unheimlichen oder Übernatürlichen verknüpft ist. Es rührt sprachgeschichtlich vom mhd. grûwen, „Schauder“ her, welcher Begriff auch als Synonym verwendet wird.“

– Wikipedia