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„ClownTown“ ist filmerisch mehr als unausgereift

Filmplakat (Ausschnitt) Tiberius Film Filmplakat (Ausschnitt)

An diesem Slasher ist nur zweierlei gut: die Location und die Grundidee. Alles Weitere lässt die ästhetische Höhe missen, die einem jeden Film zukommen sollte.

Rezension

Clowntown 1Ist ClownTown überhaupt ein Film? Diese Frage kündigt schon ein hartes Urteil an. Wenn ja, dann ist dieses Werk einer der schlechtesten Filme, die ich jemals gesehen habe. Dabei ist die Grundidee durchaus spannend und die Location vielversprechend, nur eben die Ausführung muss leider als miserabel bezeichnet werden. Eine Gruppe von Freunden macht auf dem Hinweg zu einem Musik-Event in einer verlassenen Stadt Stopp, um dort einen Unbekannten zu treffen, der in einem Diner das verlorengegangene Mobiltelefon von einer der Mitreisenden gefunden hat und es der Besitzerin wiedergeben will. Dummerweise taucht er nie auf. Derweil wird es Nacht und mit der Dunkelheit ziehen plötzlich als Clowns maskierte Verrückte durch die Stadt, die Jagd auf die Protagonisten machen.

ClownTown kann nicht überzeugen, weder technisch noch erzählerisch. Die Qualität von Schnitt, Bildgestaltung und Lichtsetzung erinnert an schlecht gemachte Fanfilme aus dem Internet, ebenso die laienhafte Schauspielleistung, die den unglaubwürdigen Figuren den Rest gibt. Licht scheint kaum gesetzt: Hintergründe saufen in der Dunkelheit ab, schwere Schatten decken die Gesichter der Schauspieler zu, ganze Szenen wirken wie Schattentheater. Detailaufnahmen, die Nähe erzeugen und Akzente setzen, fehlen ebenfalls. Stattdessen ist der Film größtenteils in Totalen oder Halbtotalen geschossen. Selbst in Dialogen zwischen zwei Figuren wird unnötigerweise die gesamte Gruppe gezeigt. Es mangelt an allen Ecken und Enden an künstlerischer Bildgestaltung, die wenigstens den Standards gerecht wird.

Clowntown 2Erzählerisch arbeitet sich der Film ohne jede ästhetische Höhe an der Genrestruktur eines Slashers ab. Offenbar haben die Filmemacher nicht verstanden, weshalb es diese gängigen Horrorformeln gibt, welchen erzählerischen Zweck sie erfüllen und wie man sie kunstvoll weiterentwickeln könnte. Die Protagonisten flüchten daher von einer schlecht ausgeleuchteten Kulisse zur nächsten, während die Clowns ihnen nachstellen und sie in hanebüchenen Szenen dezimieren, die jeglicher Wahrscheinlichkeit entbehren. Es dauert quälend lange, bis die Figuren ihre Panik überwinden und ihr Schicksal in die Hand nehmen, sprich: sich zur Wehr setzen. Weder leitet der Tod ihrer Gefährten eine Charakterentwicklung ein, noch tut dies der Moment, ab dem es den Figuren gelingt, stellenweise die Überhand zu gewinnen. Der Schrecken, der ihnen widerfährt, und der Schrecken, zu dem sie gezwungenermaßen selbst werden, lassen sie unverändert zurück. Sie bleiben – will man es so sagen – das Schlachtvieh eines klapprigen Plotgerüsts, das nicht über den Status einer Protostory ohne einen dramaturgischen Bogen hinausgeht.

Ebenso findet eine eingehendere Charakterisierung der Antagonisten kaum statt, ganz zu schweigen von einer Motivation, die für ihr mörderisches Tun angeboten wird, sei es eine realistisch-psychologische oder eine paranormale. Nur sehr rudimentär und von Klischees erstickt wird erkennbar, was zu der psychischen Situation der Menschen geführt hat, die sich hinter dem Clownsmakeup verstecken. Aber auch das wird narrativ sehr lieblos dargeboten und betrifft eigentlich nur zwei der Clowns. Woher deren Schergen stammen, weiß niemand. Schon in dem unnötig langen Einstieg, der eine düstere Vorausschau auf kommende Schrecken sein soll, deutet sich an, dass ClownTown eine unmotivierte und wenig durchdachte Aneinanderreihung von Szenen ist, die sich nur schwerlich zu einem sehenswerten Film zusammenfügen wollen. Denn hier wird der Zuschauer ausgiebig mit einer Figur vertraut gemacht, die kurz darauf ableben muss – wobei ‚ausgiebig‘ in diesem Fall nur meint, dass lapidare Alltagsszenen und die Brüste der Schauspielerin gezeigt werden.

Die Grundidee von ClownTown hat viel Potenzial: Psychopathen, die in einer verlassenen Stadt auf Menschenjagd gehen, wirken zunächst nicht sehr innovativ. Aber in der konkreten Ausgestaltung dieses Schreckens kann auch dieses Szenario noch Herzrasen und schwitzige Hände erzeugen. Das Motiv des Überlebenskampfes wird bei guter Inszenierung niemals alt, weil es unsere ältesten Triebe und Ängste anspricht. Filme wie 31 oder The Belko Experiment belegen, dass dieses Motiv dem Zuschauer noch immer die fieberhafte Spannung einer in den Protagonisten gespiegelten Todesangst geben kann. Bei der ästhetischen Ausformung dieses zeitlosen Motivs versagt ClownTown allerdings auf voller Länge.

Trailer zu ClownTown

Infokasten

„ClownTown“

Regie: Tom Nagel           

Drehbuch: Jeff Miller

Laufzeit: 86 Minuten

Produzent: Millman Productions, Steel House Productions, Zorya Films

Verleih: Tiberius Film

USA | 2016

Veröffentlichung am 05.10.2017 auf DVD und Blu-Ray.

Letzte Änderung amSonntag, 01 Oktober 2017 21:46
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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„Fantasy is escapist, and that is its glory. If a soldier is imprisioned by the enemy, don't we consider it his duty to escape? If we value the freedom of mind and soul, if we're partisans of liberty, then it's our plain duty to escape, and to take as many people with us as we can!“

― J. R. R. Tolkien