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Film

„Bitch“ – Wenn ein Mensch zum Tier wird

Filmplakat (Ausschnitt) Filmplakat (Ausschnitt)

Als eine gestresste Mutter ihren Unmut äußert, wird die Metapher zum Motiv, denn die Frau wird tatsächlich zum Tier. Eine anspruchsvolle Tragikomödie.

 In Kürze: 250 Wörter über…

In Bills (Jason Ritter) Leben ist alles perfekt. Er hat einen großartigen Job, vier kluge Kinder und eine Ehefrau, die alle seine Eskapaden und Weltfremdheit auffängt. Doch irgendwann reicht es Jill (Marianna Palka). Sie wird von ihrer Familie behandelt wie eine Dienerin, die sich um alles kümmern muss. Kein Wunder also, dass der Film damit beginnt, wie Jill auf einem Tisch steht, um sich kurz darauf zu erhängen. Bereits hier wird die Mischung aus durchdachter Bildgestaltung und repetitiven Jazz-Melodien eingesetzt, die in den nachfolgenden rund neunzig Minuten als wiederkehrende Elemente auftreten. Der Suizid misslingt, Jill ist weiterhin gefangen in ihrem Leben. Doch ein mysteriöser Hund beobachtet sie und könnte mit ihrem Verschwinden zusammenhängen, dem die Familie sich eines Morgens gegenübersieht.

Bitch ist ein Film, der den Irrsinn des Alltags überzeichnet und in ein unterhaltsames Konzept fügt. Hauptfigur Bill wird durch die neue Situation gezwungen, sein Leben zu ändern, denn betrachtet man die Figur zu Beginn des Films, ist sie ein egozentrisches Arschloch. Bill treibt es fröhlich mit einer Kollegin auf der Arbeit, schert sich einen Dreck um seine Frau und verweigert ihr sogar noch dem Zusammenbruch zunächst jede Hilfe.

Wenn auch etwas paradigmisch und im Endeffekt auf ein klares Ziel zulaufend, ist Bitch sehr charmant gelungen und macht dabei alles richtig. Verrückt, einfühlsam und gesellschaftskritisch sucht sich Bitch eine eigene Nische. Ein Film, der zum Nachdenken einlädt, einen jedoch häufig zum Lachen bringt, denn einige Überzeichnungen grenzen ans Absurde oder gar Groteske. Herrlich.

Infokasten

„Bitch“

Regie: Marianna Palka

Drehbuch: Marianna Palka

Laufzeit: 93 Minuten

Produzent: Daniel Noah, Josh C. Waller, Elijah Wood

USA 2017

Letzte Änderung amSonntag, 17 September 2017 11:41
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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Because we don't know when we will die, we get to think of life as an inexhaustible well. Yet everything happens only a certain number of times, and a very small number really. How many more times will you remember a certain afternoon of your childhood, some afternoon that is so deeply a part of your being that you can't even conceive of your life without it? Perhaps four or five times more, perhaps not even that. How many more times will you watch the full moon rise? Perhaps twenty. And yet it all seems limitless.

– Paul Bowles, Autor von The Sheltering Sky

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