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Film

„Going to Brazil“ – So glücklich der Zufall sein kann, so tödlich ist er oft

Filmszene mit Logo (Ausschnitt) Filmszene mit Logo (Ausschnitt)

‚Coincidence can kill‘ ist das Motto dieser flippigen Komödie, über die man am besten nur wenig weiß. Nur so weit: Es beginnt mit einem Partyexzess in Brasilien.

Rezension

Die Pariser Mädels Lily, Chloé und Agathe sind extra nach Rio de Janeiro geflogen, um die Hochzeit ihrer hochschwangeren Freundin Katia zu besuchen (Philippine Stindel, Margot Bancilhon, Alison Wheeler, Vanessa Guide). Doch kaum in Brasilien gelandet, werden sie am Flughafen von Katia versetzt und müssen eine Nacht in der südamerikanischen Metropole überbrücken – kein Problem, wenn der schwerreiche Bräutigam alles zahlt. Die Drei landen, einem Tipp ihrer Freundin folgend, auf einer wilden Sexparty mit Koks, Schnaps und Pokémon-Kostümen, wo sich Chloé und Agathe die Kante geben.

Derweil will sich ein gänzlich besoffener Typ an der taffen, zugleich eher schüchternen Lily vergreifen, die sich allerdings, fit durch Karate, zu verteidigen weiß und im Zornesrausch den Lüstling über die Terrassenbrüstung kickt. Das bringt Lily, Chloé und Agathe an den Rand eines Kollapses, weil sie denken, die meisten brasilianischen Polizisten korrupt wären und der übergriffige Kerl bestimmt aus wohlhabenden Elternhaus. Tatsächlich hat Lily nicht irgendwen erwischt. Es musste ausgerechnet ein VIP sein, dessen reiche und skrupellose Verwandtschaft Nachforschungen der besonderen Art anstellt.

going to brazil 1Going to Brazil ist ein teils seichter, teils schwarzhumorig-böser Mix aus Komödie, Roadtrip und Thriller, der vier schrullige Pariserinnen erst durch die High Society Rio de Janeiros, dann durch die Favelas und schließlich sogar in den Dschungel jagt. Dabei spart der Film nicht an skurrilen Begegnungen. So muss etwa ein schmieriger Konsulatsangestellter die vier Mädels mit seinen Kontakten in der halbseidenen Szene aus der Misere boxen. Gespielt wird der Mann, der ein Macho ist und zugleich eine völlig überzeichnete Aura der Homosexualität ausstrahlt, von Regisseur und Drehbuchautor Patrick Mille höchst selbst.

Besonders schön ist, dass sich der Film von Beginn an die Zeit nimmt, seine Figuren zu charakterisieren und so einige überraschende Wendungen gekonnt vorzubereiten weiß. Interessant ist auch, wie der Genremix den Zuschauer im Unklaren darüber lässt, ob er nicht jeden Moment doch ins Schreckliche abdriftet. Das macht den ständigen Wechsel zwischen Humor und Ernst intensiver. Insgesamt bietet Going to Brazil Popcorn-Kino mit ein, zwei deftigen Noten und vielen Witzen.

Trailer zu Going to Brazil

Infokasten

„Going to Brazil“

Regie: Patrick Mille

Drehbuch: Patrick Mille u.a.

Laufzeit: 94 Minuten

Produzent: Benjamin Elalouf, Dimitri Rassam

Verleih: Ascot Elite

Frankreich | 2016

Letzte Änderung amFreitag, 25 August 2017 12:07
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Kurzes im Schreibatelier @anderwaerts, sonst auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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„Phantastik, auch Fantastik, ist ein literarischer Genrebegriff, der in Fachkreisen sehr unterschiedlich definiert wird. Außerwissenschaftlich bezeichnet der Begriff „fantastisch“ alles, was unglaublich, versponnen, wunderbar oder großartig ist. Der Ursprung des Begriffs „phantastische Literatur“ ist ein Übersetzungsfehler: E. T. A. Hoffmanns „Fantasiestücke in Callots Manier“ wurden 1814 als „Contes fantastiques“ ins Französische übersetzt, statt richtigerweise als „Contes de la fantaisie“.“

– Wikipedia