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„It Stains the Sands Red“ zeigt den Zombie von seiner sozialen Seite

Filmplakat (Ausschnitt) Filmplakat (Ausschnitt)

Wüste, Hitze, Drogen. Und eine Frau, verfolgt von einem Zombie. Sie laufen, laufen und laufen. Dieser Film dreht sich in der Tat um The ‚Walking‘ Dead.

Rezension

Wer dachte, in The Lord of the Rings wird viel von A nach B gelaufen, der hat It Stains the Sands Red noch nicht gesehen. Denn hier ist es die abgewrackte Molly (Brittany Allen), die ketterauchend und mit ihrem feinen Geschmack für Koks und Wodka durch die Wüste Nevadas stöckelt und stolpert, über ihr die alles versengende Sonne, hinter ihr der Zombie, der sie schon geraume Zeit verfolgt, aber mit seinem Hinkebein einfach zu lahm ist für die nach wie vor agile junge Frau. Und wer wie Molly nicht weiß, einen Untoten mit Improvisiertem zu erschlagen – mit Steinen oder schwerem Geäst – dem wird die wandelnde Leiche bis in alle Ewigkeit nachlaufen.

istsr 2So geschieht es Molly, die ihren fauligen Verfolger, der mehr und mehr ein verständnisvoller Begleiter wird, auf den Namen Smalls (Juan Riedinger) tauft. Verständnisvoll meint hier, dass Smalls, abgesehen von dem gierigen Gegrunze, nichts zu erwidern weiß und daher den perfekten Zuhörer für Mollys endlose Monologe (Dialoge?) darstellt, die, unterstützt von traumartigen Erinnerungsszenen, zunehmend in einer Identitätsfindung münden. In Mollys Vergangenheit verbirgt sich ein Schandfleck, der sie offenbar bis auf den heutigen Tag quält und von ihrem Drogenkonsum nur überdeckt wird.

istsr 1Das wäre glaubhaft, wenn auch nur ein Hauch dieser Entwicklung in ihren Charakter zu Beginn des Films eingewoben wäre, als Potenzial, das trotz ihrer Eigenschaft, eine Hohlbratze zu sein, für den Zuschauer spürbar wird. It Stains the Sands Red versucht einen Charakter zu zeichnen, der aber von der ersten Minute durch seine Banalität und Stupidität langweilt. Dafür, dass diese Figur mit ihren Gedanken und Äußerungen ins absolute Zentrum der Erzählung gerückt wird, ist das schon gewagt. Entsprechend aufgesetzt mutet das Ende dieses Genrebastards an, der dem Zombie-Motiv dennoch einen interessanten Aspekt abringt: der Zombie als fühlendes Wesen, mit dem man durchaus noch kommunizieren kann.

Über die Zeit, in der Smalls nicht zum Biss kommt und also hungrig hinter Molly her trottet, entfaltet sich eine erstaunliche Beziehung zwischen den beiden, die zwischen grotesk und humorvoll schwankt, zumal sich Mollys geistiger Zustand bei Hitze und Wassermangel zunehmend verschlimmert. Spannend, wie geschickt die Erzählung Smalls von einer nervtötenden und partout nicht abzuhängenden Bedrohung zu einem treudoofen Anhängsel entwickelt, aus dessen Gesichtszügen man noch einen Rest Verstand lesen mag. Das Ganze ist gespickt mit amüsanten wie auch heftigen Passagen, nur so viel: Molly ist nicht die einzige, die von der Zombie-Apokalypse in die Wüste getrieben wurde, auch andere Überlebende, Gangster und Soldaten treibt es dort um.

So originell das Szenario von It Stains the Sands Red auch sein mag, es krankt an dreierlei: zunächst an Mollys charakterlichen Eindimensionalität, dann an der Langatmigkeit des Films, der das Timing der Figurenentwicklung verpatzt, sowie drittens an der Beliebigkeit von Raum und Zeit, die je nach den Bedürfnissen des Drehbuchautors erlauben, dass Smalls mal weit weg und mal ganz nah ist. Warum Molly eines Abends in einem verlassenen Wellenblechverschlag einkehren kann, obwohl sie zuvor noch von ihrer besseren Hälfte verfolgt wurde, und warum die wiederum erst nach einem kleinen, aber seltsam seelenruhigen Schläfchen der Protagonistin auftaucht, weiß keiner. Das mag kleinlich sein, ist aber aus der Handlung heraus schlicht unschlüssig und daher ein handwerklicher Fehler. Davon abgesehen, kann It Stains the Sands Red durchaus Spaß machen.

Clip zu It Stains the Sands Red

Infokasten

„It Stains the Sands Red“

Regie: Colin Minihan

Drehbuch: Colin Minihan, Stuart Ortiz

Laufzeit: 92 Minuten

Produzent: Bic Tran, Colin Minihan, Stuart Ortiz

Verleih: Eurovideo

USA | 2016

Letzte Änderung amFreitag, 25 August 2017 12:07
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Kurzes im Schreibatelier @anderwaerts, sonst auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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Dann, wenn es tagt, entweichen sie, jedes nach seiner Seite: Hexen, Kobolde, Visionen, phantastische Bilder. Nur gut, daß sich dieses Volk nur nachts und im Dunkel zeigt. Niemand konnte herausfinden, wo es sich tagsüber einschließt und verbirgt.

– Francisco de Goya über eine phantastische Radierung aus seiner Bilderreihe Los Caprichos.

(Dazu passt das 43. Blatt der Caprichos).