log in

Film

„Your Name“ – Phantastisches Abenteuer über Zeit, Liebe und Schicksal

Filmszene Universum Film Filmszene

Der Anime Your Name ist mehr als eine ulkige Teenie-Komödie. Der irrige Trailer verrät nichts von der ästhetischen Kraft, die dieser Romanverfilmung innewohnt.

Kurzrezension

Der wirtschaftlich bisher erfolgreichste Animationsfilm aus Japan, Your Name, war Anfang des Jahres für kurze Zeit in den deutschen Kinos zu sehen. Am 18. März erscheint er nun als Blu-Ray, DVD und digital. Mit mehr als 350 Millionen eingespielten US-Dollar hat die Romanverfilmung von Regisseur und Autor Makoto Shinkai dem märchenhaften Kultfilm Chihiros Reise ins Zauberland (289 Millionen US-Dollar) den Rang als weltweit erfolgreichster Anime abgelaufen.

your name 1Nichts über Your Name zu wissen und den Film dann zu schauen, scheint mir die beste Herangehensweise zu sein, da dieser Anime eine jener Geschichten ist, die mittels überraschender Wendungen den Handlungsrahmen erstaunlich erweitern und plötzlich unerwartete Themen aufgreifen. Ohne also das Abenteuer einer genussvollen Sichtung zu beeinträchtigen, ist ein solcher Film nur schwierig zu bewerben (und zu besprechen). Entsprechend kann der Filmtrailer deutlich in die Irre führen, da er – so mein Eindruck – eine ulkige Liebeskomödie vermuten lässt, die vor allem von pubertärem Humor lebt. Denn was erfahren wir? Zwischen dem Großstadtjungen Taki (Ryûnosuke Kamiki) und dem Kleinstadtmädchen Mitsuha (Mone Kamishiraishi) entsteht ein ungeahntes, weil übernatürliches Band. Schläft der eine, schlüpft er träumend in den Körper der anderen und umgekehrt. Ein Mädchen im Jungenkörper, ein Junge im Mädchenkörper, das gibt Anlass für allerlei Späße im Stile einer Verwechslungskomödie. Aber darin erschöpft sich diese Liebesgeschichte nicht.

your name 2Vielmehr schlägt sie alsbald einen poetischen Ton an und webt eine starke Symbolik in ihre Erzählung über zwei Jugendliche, die geradezu intim miteinander verbunden sind und zugleich, so scheint es, unüberbrückbar voneinander getrennt. Und doch können sie, so verschieden sie sind, viel voneinander lernen. In der ergreifenden Symbolik von Your Name werden das moderne Japan mit dem traditionellen und mythischen in Verbindung gesetzt, woraus produktive Widersprüche entstehen, in denen die Erzählung schwebt. Der Anime stützt sich zudem auf Gegensätze, die er miteinander verhandelt und ineinander verfließen lässt: „Junge und Mädchen“, „Großstadt und Kleinstadt“, „Moderne und Tradition“, „Traum und Realität“, „Leben und Tod“ sowie „Gegenwart und Vergangenheit“ sind nur einige davon.

Was als realistische Geschichte über universelle Alltagsprobleme der Jugend anhebt, versetzt mit einem Extra an Fantasie, wandelt sich bald in ein mythisches Abenteuer über Zeit, Liebe und Schicksal, von dessen Ausgang das Überleben vieler Menschen abhängt. Your Name ist eine poetische Geschichte, die an entscheidenden Stellen hart bleibt und darum umso schöner wird. Sie ringt der Unumstößlichkeit menschlichen Leidens einen höheren Sinn ab – einen momenthaften Sinn, der, bevor er verfliegt, für die Dauer einer Filmsichtung Bestand hat.

Trailer zu Your Name: Gestern, heute und für immer

Infokasten

„Your Name: Gestern, heute und für immer“ (OT: Kimi no na wa)

Regie: Makoto Shinkai

Drehbuch: Makoto Shinkai, Clark Cheng

Laufzeit: 106 Minuten

Produzent: Toho Company u.a.

Verleih: Universum Film

Japan | 2016

Veröffentlichung in Deutschland:  11.01.2018 (Kinostart), 18.03.2018 (DVD/Blu-Ray/Digital)

Letzte Änderung amSonntag, 18 März 2018 11:48
André Vollmer

Schriftsteller, der Kritiken schreibt. Gründer von Mellowdramatix. Am Meer geboren.

Schreibe einen Kommentar

Unter anderem auch das . . .

„Phantastik, auch Fantastik, ist ein literarischer Genrebegriff, der in Fachkreisen sehr unterschiedlich definiert wird. Außerwissenschaftlich bezeichnet der Begriff „fantastisch“ alles, was unglaublich, versponnen, wunderbar oder großartig ist. Der Ursprung des Begriffs „phantastische Literatur“ ist ein Übersetzungsfehler: E. T. A. Hoffmanns „Fantasiestücke in Callots Manier“ wurden 1814 als „Contes fantastiques“ ins Französische übersetzt, statt richtigerweise als „Contes de la fantaisie“.“

– Wikipedia