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Film

„Rendel“ – Düstere Superhelden-Action aus Finnland

Filmplakat (Ausschnitt) Filmplakat (Ausschnitt)

Rendel, ein Superheld aus Finnland, wirkt wie ein Mix aus Spawn und Batman. Dieser actionreiche Film erzählt seine Erschaffung, aber auf unerwartet andere Weise.

Kurzrezension

Ren 1Ein Superhelden-Film aus Europa, genauer: aus Finnland – wer hätte das gedacht? Gewöhnlich kommen derlei Filme ja nur aus den USA. Rendel ist entsprechend gering budgetiert, sieht dafür aber großartig aus, hat eine tolle Kameraarbeit und strahlt eine durchweg düstere Atmosphäre aus. Vor allem der titelgebende Superheld ist herrlich finster und tragisch. Rendel wirkt wie eine Mischung aus Spawn, dessen Düsternis und Vefluchtheit er teilt, und Batman, weil er wie der Fledermausmann aus der Dunkelheit und mit Taktik angreift, vornehmlich seine Fäuste sprechen lässt. Anders als der dunkle Ritter hat Rendel allerdings keine Scheu mit den Verbrechern knallhart, und oftmals mit Todesfolge, aufzuräumen.

Das Spannende an Rendel: Die handlungsführende Figur ist der Antagonist, nicht der Superheld (Kristofer Gummerus), dessen Hintergrundgeschichte parallel zur Gegenwart der Erzählung auf einer zweiten Zeitebene vermittelt wird, die in der Vergangenheit liegt, aber mit aktuellen Geschehnissen in Verbindung steht. Derart ist die tiefere Motivation des Helden lange Zeit verborgen, auch wenn natürlich klar ist, dass er als die Verkörperung des Guten gegen das Böse kämpft. Wie er dazu kommt, erschließt sich erst nach und nach. Wiederum der jähzornige Antagonist, Rotikka (Rami Rusinen), ist der Sohn eines skrupellosen Unternehmers, dessen Firma fragwürdige Medikamente herstellt und sie an Kindern testet. Seinem strengen Vater, der nicht viel von ihm hält, kann er kaum genügen – mit Rendel an den Hacken wird es umso schwieriger. Das entwickelt mitunter auch komische Situationen.

Ren 2Rendel weist ein paar Schwächen im Skript auf. Etwa engagieren die Verbrecher, um Rendel loszuwerden, ein berüchtigtes Killerteam, deren Mitglieder leider etwas blass bleiben und in ihrer Gestaltung nicht an den Titelhelden heranreichen, sodass sie nicht ganz so interessante Gegenspieler  abgeben. Hier und da stolpert man ein wenig über die Kampfchoreographien, deren Verlauf manchmal ein wenig willkürlich wirkt. Dennoch sind die Actionsequenzen überwiegend sehr ansprechend. Zudem ist der Film unerwartet humorvoll. So gibt es auf Seiten der Gangster ein Handlanger-Duo, das mit ihrer Schusseligkeit für ein paar Lacher sorgt. Auch der Antagonist ist, obwohl er eine tragische und brutale Figur ist, immer wieder auch witzig.

Insgesamt fühlt sich Jesse Haajas Langfilmdebüt wie ein Prolog zu einer noch ausstehenden Geschichte an, da hier zunächst ein neuer Superheld etabliert werden muss. Tatsächlich planen die Macher eine Trilogie, wie sie im Q&A auf dem Fantasy Filmfest 2017 verrieten. Dafür müsse der erste Teil natürlich einigermaßen gut laufen, aber die Vorbereitungen für den zweiten Teil seien schon im Gange. Es wäre schade, wenn es nie zu einer Fortsetzung käme, denn ein solcher Film ist aus Europa bisher einzigartig.

Rendel ist trotz einiger narrativer Schwächen gelungene Abendunterhaltung mit viel Action und Humor. Eine gute Alternative zu den zahllosen Comicverfilmungen des Marvel- oder DC-Universums.

Trailer zu Rendel

Infokasten

„Rendel“

Regie: Jesse Haaja

Drehbuch: Jesse Haaja, Pekka Lehtosaari, Miika J. Norvanto

Laufzeit: 105 Minuten

Produzent: Trevor Doyle, Jesse Haaja, Miika J. Norvanto

Verleih: Splendid Film

Finnland | 2017

Letzte Änderung amDienstag, 21 November 2017 17:24
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker, Gründer von Mellowdramatix, Studierter (Germanistik & Skandinavistik, M.A.); am Meer geboren; auf Twitter als er selbst (@avmllr) und in seinem Schreibatelier (@anderwaerts)

2 Kommentare

  • Dyrakro
    Dyrakro Dienstag, 27. Februar 2018 21:09 Kommentar-Link

    Vielen Dank für eine so angenehme Rezension! Ich habe bisher nur schlechte Kritiken gelesen. Nicht, dass ich anderen Menschen andere Meinungen zu spreche, jedoch macht es mich fast schon krank mitansehen zu müssen, wie auf den Film teilweise eingeschlagen wird.

  • André Vollmer
    André Vollmer Freitag, 02. März 2018 13:12 Kommentar-Link

    Lieber Dyrakro, entschuldigen Sie die späte Antwort. In letzter Zeit haben wir hier selten Kommentare. (Dabei freuen wir uns immer über welche). Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, "Rendel" nur schlecht zu machen. Ich habe versucht, ihn so ambivalent zu beschreiben, wie ich ihn wahrgenommen habe: es gibt Gutes, es gibt weniger Gutes. Die Konkurrenz im Superhelden-Genre ist gigantisch, allein deswegen schon bewundere ich die Macher hinter dem Film.

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