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Überarbeitetes Zeitalter der Legenden: Earthdawn 3. Edition (Update)

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Bereits vor einiger Zeit hat Red Brick die dritte Edition von Earthdawn auf den Markt gebracht. Das unter Kennern beliebte High-Fantasy-Rollenspiel ging somit nach der desolaten zweiten Edition mit einer neuen Auflage an den Start. Vieles ist mit der ersten Edition vergleichbar. Das Regelwerk jedoch bekam einige sinnvolle und dringend notwendige Überarbeitungen. Die neue Earthdawn-Edition ist komplett in Englisch, somit werden die Zitate ebenfalls in dieser Sprache übernommen.

Before science, before history, an era of magic existed in our world’s dim past. Magic flowed freely, touching every aspect of the lives of men and women of the Namegiver races. It was an age of heroes, an age of fantastical deeds and mythical stories. It was the Age of Legend.

Bold heroes from all across Barsaive band together ready to fight for life and freedom against the remaining Horrors and the oppressive Theran Empire, which seeks to bend the rebellious province again to their yoke. Through noble deeds and sacrifice, the heroes of the world forge Barsaive's future, arming themselves for their daunting task with powerful magical spells and treasures.”1

Bereits dieses Zitat verdeutlicht, dass die Bücher in einem anspruchsvollen Englisch abgefasst sind. Das ist eine der Grundlagen für sehr atmosphärische Texte in der Welt von Earthdawn.

Die Plage ist vorbei, eine Zeit, in der Dämonen auf die Namensgeber Jagd gemacht haben. Nun sind die Schrecken aus der Welt weitgehend verschwunden und die Namensgeber kehren aus ihren unterirdischen Zufluchtsorten an die Oberfläche zurück. Doch auch die unterschiedlichen Königreiche haben noch immer ihre Differenzen und so bedroht das theranische Weltreich die Bevölkerung von Barsaive auch nach der Plage. In dieser Welt voller Konfliktpotential ist das Spiel angesiedelt.

An den spielbaren Völkern hat sich nichts verändert. Es sind immer noch Zwerge, Menschen, Elfen, Orks, Trolle und die in Earthdawn einzigartigen Obsidianer, T‘skrang und Windlinge. Die dritte Edition geht mit einer strikten Trennung von Spieler- und Spielleiterbüchern einen Weg, den manch ein Spielleiter sich bereits lange wünschte. Zum Spielen benötigt man auf diese Weise allerdings nicht mehr nur das Grundregelwerk, sondern die beiden Grundbücher für Spieler und Spielleiter. Die sogenannten Gamemaster’s Guide und Player’s Guide sind hierbei jedoch wesentlich umfangreicher als das Grundregelwerk vorheriger Editionen. Hinzu kommt, dass die Bücher alle als eBooks vertrieben werden, die für einen Preis von 20 bis 40 US-Dollar über drei Anbieter vertrieben werden. Auch diese Neuerung ist ein angenehmes Feature, da die gedruckten Versionen in nur sehr kleinen Stückzahlen vertrieben werden und somit einen deutlich hören Preis haben. Diese sind jedoch sehr gut verarbeitet und somit eine schöne Anschaffung für Earthdawn-Liebhaber.

ed3_gamemasters_guideed3_players_guideDie Spielregeln ähneln denen der ersten Edition, allerdings wurden einige Kleinigkeiten verändert. Es gibt eine neue Stufen-/Würfeltabelle, die den Zufallsfaktor reduziert, in dem W20 und W4 aus dem Schema entfernt wurden. Alle, die diese Umstellung nicht mögen, können auch weiterhin mit der ursprünglichen Tabelle aus der ersten Earthdawn-Edition spielen. Im Feldversuch ergab die neue Tabelle bessere Erfolge, wodurch allerdings auch die Spielercharaktere in Kämpfen schnell an ihre Existenzgrenze geraten können, da auch die Gegner potenziell besser treffen.

Eine weitere und sehr gelungene Änderung findet sich im Einsatz der Fertigkeiten. Diese funktionieren nun besser als eine spielerische Ergänzung zur Disziplin des Charakters. Über Fertigkeiten kann man nun ein breites Spektrum von Optionen für den eigenen Charakter aufstellen. Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass der Umfang der Fertigkeitenliste zugenommen hat und auch bei der Charaktererschaffung deutlich mehr Punkte auf die Fertigkeiten eines Charakters ausfallen.

Die Erstellung des Charakters hat eine wesentliche Veränderung erhalten, da die Grundwerte der Attribute nicht mehr in Würfelreihen ermittelt werden, sondern auf Ausgangswerten für einzelne Völker basieren. Diese erfreuliche Verminderung von Zufall bei der Charaktererschaffung ist im Grunde positiv. Allerdings werden durch dieses Prinzip einige Völker unattraktiv zum Spielen. So kommen beispielsweise die T’skrang sehr gut weg, die Menschen bilden den Durchschnitt und die Orks wirken zu Beginn etwas benachteiligt. Im Großen und Ganzen ist dieses System jedoch fairer, als es früher war, zumal man von den Ausgangswerten zusätzlich steigern kann.

Die Disziplinen wurden ebenfalls neu angelegt. Grundsätzlich gibt es noch immer alle Disziplinen, die es früher gab. Die Disziplinstruktur hat weiterhin 15 Kreise, allerdings nicht mehr so aufgebaut wie in der ersten Edition. Die Kreise teilen die Disziplin nun in verschiedene Abschnitte ein, die über die Erfahrungen des Charakters Aufschluss geben. Beginnend bei dem Rang des Initiate setzt sich die Entwicklung ab dem zweiten Kreis mit Novice, Journeyman, Warden und Master fort. Dabei wird in jedem Kreis ein feststehendes Disziplintalent und zusätzlich ein weiteres Talent aus einem Fundus von Optionen erlernt. Diese sogenannten Talentoptionen ermöglichen es dem Spieler, den eigenen Charakter nach seinen Wünschen auszubalancieren. Somit kann der Spielende nun selbst einen Teil der Disziplin mitbestimmen und dadurch den Charakter mehr auf seine Bedürfnisse anpassen.

Dies sind nur einige der vielen Neuerungen in Earthdawn 3. Eine letzte wesentliche soll jedoch noch Erwähnung finden, da das Kampfsystem wesentlich dynamischer und spaßiger geworden ist. Die Kämpfe in Earthdawn waren eigentlich immer ein nervtötender und langwieriger Vorgang, man sitzt, man würfelt, niemand weiß genau, wer sich wo aufhält, und schnell ist man orientierungslos. Diesem Zustand beugt Earthdawn in der dritten Edition vor. Die Kämpfe werden mit Hilfe eines Spielplanes und Figuren visualisiert. Hierbei sind sechseckige Felder die Grundlage, wodurch viel Bewegungsspielraum für die Charaktere und das Kampfgeschehen entsteht. Mit der neuen Tabelle für Kampfoptionen kann man wesentlich taktischer Kämpfen und einige Fertigkeiten können erstmalig vernünftig eingesetzt werden (vornehmlich soziale Skills wie Heartening Laugh). Auch wenn die Kämpfe meist immer noch sehr langwierig sind, machen sie nun mehr Spaß. Taktik wurde auf diese Weise zu einer nicht unerheblichen Komponente des Kampfsystems, was einer der größten Pluspunkte für die dritte Earthdawn-Edition ist.

Leider finden sich in den Büchern immer wieder Fehler. Dies können falsche Seitenverweise sein, oder aber wesentlich schlimmer falsche Tabellen, die somit gegen die Spieldynamik wirken. Allerdings hat der neue Verlag Red Brick online einen großen Support-Bereich eingerichtet, in dem neben den Errata zu Fehlern auch diverse andere Unterlagen kostenlos zur Verfügung stehen. Gekrönt wird das von dem Gratis eBook „Missguided Ambitions“, dass hier heruntergeladen werden kann (Registrierung erforderlich).

Insgesamt ist Earthdawn 3 eine sehr gelungene Überarbeitung. Mittlerweile sind fünf Kernbücher, acht Quellenbücher und fünf Abenteuerbände2 erschienen. Darunter eine Erweiterung mit einer komplett neuen Spielumgebung mit einem asiatischen Touch. Dieses neue Land, welches sehr weit östlich von Barsaive liegt, trägt den Namen Cathay3. Die neuen Regeländerungen machen den Spielfluss von Earthdawn angenehmer. Besonders herausragend ist das neue Kampfsystem, das wirklich viel Spaß bereitet. Der Online-Support des neuen Verlages ist ein großartiges Feature, genau wie die preisgünstige Alternative des eBooks zur gedruckten Version. Für Fans von High-Fantasy-Rollenspielen ein Muss, auch wenn die Texte zuweilen sehr anspruchsvolles Englisch verwenden.

 

Nachtrag 29.12.2011

Red Brick hat auf der neuen Internetseite allen Support durch Gratis-Downloads entfernt. Dadurch wird das grundlegend positive Bild auf die dritte Edition von Earthdawn massiv beschädigt. Bevor man allerdings zu sehr enttäuscht vom Verlag ist, lohnt es sich nach einer Stellungnahme zu diesem Schritt zu suchen. Im Forum der neuen Red Brick Homepage findet sich folgendes Statement zum Online-Support der neuen Internetseite:

"Downloads, errata, and product pages are on their way and will be available soon." (Red Brick 2011)

Die neue Seite befindet sich noch im Aufbau und scheint unfertig online gestellt worden zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass der zuvor bereitgestellte Support zumindest im Ansatz zurückkehren wird. Im Moment beziehen sich die Fußnoten und Verlinkungen auf Quellen, die es derzeit nicht gibt. Da diese zum kompletten Artikel gehören, werden sie nicht entfernt und ggf. bei geliefertem Ersatz ausgetauscht. Momentan führen alle Links auf die Startseite des Red Brick Verlages. Wir behalten die Situation im Blick.

 

Links

Weitere Informationen zu Earthdawn


1http://www.redbrick-limited.com/cms/index.php?categoryid=18

 

2In der Free Stuff-Sektion unter Downloads findet man auf der Verlagsseite jedoch noch einige weitere Abenteuer, die kostenlos heruntergeladen werden können.

 

3 Am Ende des Monats wird zu den beiden Büchern ein weiterer Artikel erscheinen.

 

Letzte Änderung amFreitag, 18 August 2017 17:55
syno nyhm

„Syno ist irgendwann hier aufgetaucht und seit dem nicht mehr weggegangen.“

– Edward

syno hat das Bloggen bemerkt. Da er das Jonglieren mit Medien liebt, ist das für ihn genau die richtige Freizeitaktivität. Durch einen Bachelor in Multimedia Production bringt er so manches an Vorwissen mit. Vor Kurzem beendete er erfolgreich das Masterstudium der Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Schwerpunkte sieht er im Bereich Horror, Film, Videospiel und Miniaturen, wildert jedoch ohne große Scheu auch in anderen Rubriken. Sein persönlicher Liebling ist die Kategorie Wissen, für dessen Aufzucht er zuständig ist.    

Twitter: @synonyhm     Facebook: syno nyhm

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Unter anderem auch das

„Ein Dichter, der sich real auf die Seite des Pazifismus schlägt, ästhetisch aber auf die der Gewalt, befindet sich durchaus nicht in einem Widerspruch.“

Alban Nikolai Herbst in Schöne Literatur muß grausam sein