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Vergangenheit und Verdrängung: „Haunted Child“

Filmstill Nameless Media, Glücksstern-PR Filmstill

Nameless Media bringt mit Haunted Child einen exzellenten psychologischen Horrorthriller nach Deutschland, der bereits 2017 fertiggestellt wurde.

Rezension

HC 3Cathrine (Synnøve Macody Lund) lebt mit ihrem Partner Marcus (Ken Vedsegaard) in Stockholm. Die beiden führen ein gutes Leben und sind gemeinsam sehr glücklich. Als Cathrines Vater stirbt, erbt sie ein abgelegenes Landhaus. Cathrine will dieses Erbe schnellstmöglich abstoßen, sie verbindet nichts mit diesem Ort. Ohnehin erinnert Cathrine nicht viel aus ihrer Kindheit. Als sie dann im Haus ihrer Kindheit ankommt, beginnen einzelne Flashbacks verdrängte Erinnerungen zu wecken. Gelegentlich begegnet Cathrine dem kleinen Mädchen Daisy (Ebba Steenstrup Såheim), das es liebt auf dem Grundstück Schlitten zu fahren. Daisy gibt Cathrine die Möglichkeit eine andere Perspektive auf das Leben einzunehmen. Zunehmend verschwimmen Wirklichkeit und Erinnerungen in Cathrines Wahrnehmung.

HC 1Wie oft in Geisterfilmen schwebt ein dunkler Schleier der Vergangenheit über einem Ort oder einer Figur in einem Werk. So ist es auch in Haunted Child. Der deutsche Name ist irreleitend, aber nicht störend. Dennoch trifft der Originaltitel Hjemsøkt, was in etwa „heimgesucht“ bedeutet, den Kern des Films deutlich besser. Das Werk ist stark auf Cathrine ausgerichtet. Synnøve Macody Lund spielt hier exzellent und verkörpert glaubhaft eine Protagonistin bei einem Drahtseilakt zwischen Wahnsinn und Phantastik. Sie trägt das ruhige Werk, das zwar in manchen Belangen ein typischer Geisterfilm ist, aber durch eine sehr starke Hauptfigur aus der Masse heraussticht. Die Inszenierung im vorweihnachtlichen Norden von Norwegen rahmt den Film in winterlichen Bildern, die neben Schönheit auch etwas Bedrohliches vermitteln. Immer wieder taucht Daisy auf, die zu Hause vernachlässigt wird und Cathrine nimmt sich des Mädchens zunehmend an.

HC 2

Insgesamt setzt Haunted child auf eine dichte Atmosphäre, doch die mittlerweile genretypischen Jump-Scares kommen in diesem Werk ebenfalls zum Einsatz. Allerdings nicht so inflationär, dass sich diese abnutzen. Der Film ist bisher noch nicht in vielen Ländern außerhalb seines Ursprungslands Norwegen veröffentlicht worden. Tatsächlich hat es fast vier Jahre gedauert, bis der Film eine deutsche Veröffentlichung bekommen hat. Auf technischer Ebene lässt sich bemängeln, dass die häufig verwendeten Zeitungsausschnitte nicht mit übersetzten Untertiteln versehen wurden. Wer den Film somit in der Originalsprache ansieht und nicht zufällig – wie der Autor dieser Zeilen – ausreichend norwegisch lesen kann, um einen Sinnzusammenhang zu entnehmen, wird hier wenig von dem Film verstehen. Das ist ein großer Kritikpunkt an einer ansonsten großartigen Veröffentlichung.

Haunted Child ist ein ruhiger und emotionaler Horrorfilm, der das Geschehene immer wieder ins Phantastische flirren lässt und somit gleichermaßen der Protagonistin und den Rezipierenden die klare Deutbarkeit dessen entzieht, was wirklich ist. Dichte Atmosphäre, eine überragende Hauptdarstellerin und ein enges Szenario sind die Erfolgsfaktoren für diesen anspruchsvollen Geisterhorrorfilm.

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Trailer zu Haunted Child

Infokasten

„Haunted Child“ (OT: „Hjemsøkt“; International Titel: „Haunted“)

Regie: Carl Christian Raabe

Drehbuch: Maja Lunde

Produktion: Woodworks Film Company

Verleih: Nameless Media

Laufzeit: 81 Minuten (uncut)

Norwegen | 2017

Veröffentlichung: Ab dem 17. Juni 2021 im Handel erhältlich als DVD, Blu-ray-Disc und Video-on-Demand.

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Letzte Änderung amFreitag, 16 Juli 2021 15:08
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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