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Fantastikdefinitionen diskutiert

Das (Nicht-)Fantastische in Christoph Marzis Roman „Fabula“. Darstellung und Anwendung ausgewählter Definitionen der Fantastik.

 In meiner Bachelor-Thesis diskutiere ich Ansätze, die Fantastik zu definieren, darunter Caillois, Todorov, Wünsch und Durst. Ein Einstieg in die Fantastik-Forschung.

 

1. Methode

Diese Bachelor-Arbeit ist das Ergebnis eines von strukturalistischen Theorien geprägten Studiums. Sie versucht eine abschließende Definition für den Teil der Literatur zu finden, der als Fantastik bezeichnet wird, und tut dies, indem sie die gemeinsame Struktur der sogenannten fantastischen Texte ins Zentrum der Betrachtung rückt.

2. Inhalt

Diese Arbeit ist deshalb lesenswert, weil sie wichtige Definitionen der Fantastik anführt, diskutiert und zur Anwendung bringt. Nicht nur deshalb kann sie als kleine Einführung gelesen werden, sondern auch, weil sie den Gattungsbegriff selbst problematisiert. Sie stellt die Frage, was die Fantastik eigentlich ist: eine Gattung oder eine Erzählstruktur? Um der Antwort auf diese Frage näherzukommen, stellt sie die Fantastikbegriffe von Roger Caillois, Tzvetan Todorov, Marianne Wünsch und Uwe Durst vor. Die Arbeit kann im begrenzten Rahmen ihrer Funktion als Abschlussprüfung nicht den Anspruch erheben, das Thema umfassend abzuarbeiten, bietet jedoch zu Beginn auch einen kurzen Überblick über die bisherige Forschung.

3. Ergebnis

Diese Arbeit zeigt auf, dass die strukturalistische Fantastikdefinition von Uwe Durst gegenüber anderen Ansätzen klare Vorteile besitzt, weil sie dem Wesen der Literatur gerecht wird und ihren Unterschied zur Wirklichkeit berücksichtigt. Denn die erzählte Welt der Literatur ist – so banal es zunächst klingt – immer [!] ungleich der Wirklichkeit. Trotzdem berücksichtigen dies andere Forscher nicht und messen das Fantastische der Literatur an seiner Differenz zur Wirklichkeit. Dieser simple Wirklichkeitsvergleich würde allerdings jede Literatur fantastisch erscheinen lassen, weil jede literarische Wirklichkeit ihre eigenen Gesetze hat und diese von den Naturgesetzen differieren. Das Anwendungsbeispiel verdeutlicht, wie jede Literatur eine immanente Wunderbarkeit in sich trägt, selbst dort, wo sie explizit realistisch vorzugehen vorgibt. Außerdem zeigt sich, wie Dursts Theorie der Fantastik auch mit aktueller Literatur einwandfrei funktioniert. So ist der analysierte Roman „Fabula“ von Christoph Marzi nach Dursts Begriffen kein fantastischer, sondern ein wunderbarer Text. Mehr dazu in der Arbeit.

4. Literatur

Einen schnellen, aber nicht den besten Einblick in Dursts Theorie der Fantastik liefert der Wikipedia-Artikel zur Fantastik. Problematisch ist hier, dass einzelne Begriffe verschiedener Theorien recht ungeordnet nebeneinander gestellt werden, sodass jemand, der sich gerade durch das Lesen eines Lexikonartikel informieren will, wohl eher verwirrt als informiert wird (denn die Begriffe passen nicht ohne Weiteres zusammen).

In der Arbeit behandelte Definitionen der Fantastik:

  • Caillois, Roger: Das Bild des Phantastischen. Vom Märchen bis zur Science Fiction. In: Phaicon. Almanach der phantastischen Literatur. Hg. von Rein A. Zondergeld. Bd. 1. Frankfurt am Main 1974, S. 44–83.
  • Durst, Uwe: Theorie der phantastischen Literatur. Berlin 2007.
  • Todorov, Tzvetan: Einführung in die fantastische Literatur. Aus dem Französischen vom Karin Kersten u. a. Frankfurt am Main 1992.
  • Wünsch, Marianne: Die Fantastische Literatur der Frühen Moderne (1890-1930). Definition, Denkgeschichtlicher Kontext, Strukturen. München 1991.

Weitere in dieser Arbeit nicht behandelte Definitionsversuche zu Fantastik, Fantasy und Science-Fiction finden sich in der thematischen Linksammlung oder Bibliografie.

 

André Vollmer: Das (Nicht-)Fantastische in Christoph Marzis Roman „Fabula“. Darstellung und Anwendung ausgewählter Definitionen der Fantastik. Kiel 2010. [Herunterladen als .pdf] momentan nicht verfügbar

Letzte Änderung amFreitag, 18 August 2017 11:09
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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Dann, wenn es tagt, entweichen sie, jedes nach seiner Seite: Hexen, Kobolde, Visionen, phantastische Bilder. Nur gut, daß sich dieses Volk nur nachts und im Dunkel zeigt. Niemand konnte herausfinden, wo es sich tagsüber einschließt und verbirgt.

– Francisco de Goya über eine phantastische Radierung aus seiner Bilderreihe Los Caprichos.

(Dazu passt das 43. Blatt der Caprichos).