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Pen & Paper

Nordcon 2017: Das Endzeit-Rollenspiel „NoReturn“

Cover Grundregelwerk (Ausschnitt) M. Altenschmidt Cover Grundregelwerk (Ausschnitt)

Auf dem Nordcon konnte ich einen kurzen Einblick in das deutsche Indie-Rollenspiel NoReturn gewinnen, das einen dystopischen Mix aus Sci-Fi und Endzeit bietet.

Bericht und Ersteindruck

In Eigenregie ist das deutsche „Pen & Paper“-Rollenspiel NoRetun erschienen, dessen Regelwerk und Setting die Macher auf dem Nordcon vorstellten. Die Spielwelt von NoReturn ist die unsrige, nur in einer fernen Zukunft, in der thematisch Science-Fiction und Endzeit zusammenfallen. Denn wo die Erde nicht verseucht und verwüstet wurde, wird sie in schillernden High-Tech-Zitadellen beherrscht von einem totalitären Regime, das sich den technologischen Fortschritt gänzlich einverleibt hat und den Menschen ihre Lebensweise – ähnlich wie in George Orwells 1984 – bis ins Kleinste diktiert. So ist die Geschichtsschreibung etwa eine Fiktion der Regierung, Religionen sind verboten und gesprochen wird nur in der Sprache, die offiziell erlaubt ist. In den glanzvollen Städten hat der technologische Fortschritt unter anderem kybernetische Körpererweiterungen oder Tarnanzüge wie in Shadowrun, Deus Ex oder Ghost in the Shell ermöglicht.Hingegen außerhalb dieser abgeschirmten Sphären kämpfen die Menschen um ihr Überleben. Mutanten und andere genetische Abnormitäten hausen in den Dschungeln und Wüsten der Außenwelt.

In NoReturn gibt es auch noch andere Spezies als den Menschen: Da sind die genetisch verbesserten Menschen namens Evo, die das Regime entwickelt hat, und die durch Selektionsdruck natürlich entstandenden Adivasi, eine Menschenart, die sich an an die lebensfeindlichen Dschungel angepasst hat und über eine Ultraschallwahrnehmung verfügt, um sich in der blätterüberdachten Finsternis orientieren zu können. Die Zeneritonen muten wie Kinder an, sind in Wirklichkeit aber hochbegabte Telekinetiker und Telepathen. Und dann wären da noch die unzähligen Mutanten, die durch Launen der Natur und gezielte Gentransfers halb Menschm halb Tier sind.

Nebenbei bemerkt

Hier sei am Rande noch angemerkt,
wie ähnlich Fantasy und Science-Fiction
einander in ihren Motiven werden können.
In vielen Fantasy-Welten gibt es neben
dem Menschen weitere Völker, in der Welt
von Elder Scrolls etwa die echsenhaften
Argonier oder die Katzenwesen namens
Khajit. Der Unterschied zwischen diesen
fantastischen Völkern und den Spezies
von Science-Fiction-Welten wie NoReturn
besteht lediglich in einer pesudo-
wissenschaftlichen Erklärung, die
Realismus und Wahrscheinlichkeit vor-
gaukelt (der Selektionsdruck der Adivasi,
die genetischen Veränderungen der Evo
und der Gentransfers der Tiermutanten).

Einen roten Faden, der das Rollenspiel strukturiert, soll es nicht geben, um möglichst viel Freiheit zu bieten. Stattdessen ist NoReturn eher als Sandbox-Spiel zu begreifen, aus dem sich jede Spielgruppe herauspicken kann, was ihr gefällt. Zu hoffen ist, dass es aber dennoch genügend Anreize gibt, sich mit der Spielwelt auseinanderzusetzen, narrative Aufhänger, die so inspirierend sind, dass man die Leerstellen selbst füllen möchte.

Interessant an NoReturn ist die vielgestaltige Spielwelt sowie die Möglichkeit, Charaktere zu spielen, die Fähigkeiten aus verschiedensten Quellen haben können, unter anderem aus der Biomechanik (à la Cyberware), aus Mutationen oder aus Psi-Kräften (Telepathie und Telekinese). Die Illustrationen im Grundregelwerk überzeugten mich beim kurzen Durchblättern nicht durchgängig. Einen eingehenderen Blick auf Spielwelt und Regeln habe ich leider noch nicht geworfen, würde es aber sehr gern. Gespielt wird ausschließlich mit sechsseitigen Würfeln, ähnlich wie in Shadowrun.

NoReturn ist im wahrsten Sinne ein Indie-Rollenspiel, da es komplett privatfinanziert ist, also weder auf einen Verlag noch auf Mittel aus dem Crowdfunding zurückgreift. Es blickt auf 21 Jahre Entwicklungarbeit zurück. Das Rollenspiel ist daher nur bei ausgewählten Einzelhändlern, auf Conventions und über die offizielle Website zu erhalten. Bisher erschienen ist das Grundregelwerk und allerhand Merchandising-Artikel. Laut Auskünften der Macher auf dem Nordcon sind vier weitere Bücher und Abenteuer in der Planung.

Infokasten

„NoReturn“

Autor: Manfred Altenschmidt (Chefautor)

Verlag: Im Selbstverlag

Seitenstärke: 300 A4-Seiten

Deutschland 2016

Letzte Änderung amFreitag, 25 August 2017 05:42
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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Unter anderem auch das

„Horror ist eine Gattung der Phantastik, in deren Fiktionen das Unmögliche in einer Welt möglich und real wird, die der unseren weitgehend gleicht, und wo Menschen, die uns ebenfalls gleichen, auf diese Anzeichen der Brüchigkeit ihrer Welt mit Grauen reagieren.“ – Hans. D. Baumann: Horror. Die Lust am Grauen. Weinheim 1989, S. 109.