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Gaming

„Knights of Pen & Paper 2“ – Selbstironie hoch zwei

Titelbildschirm (Ausschnitt) Paradox Interacive Titelbildschirm (Ausschnitt)

Humorig, ironisch und mit unzähligen Seitenhieben auf das Rollenspielgenre, sei es auf PC oder Pen & Paper, geht es in diesem RPG zu. Kurzweil für unterwegs.

Rezension mit Angespielt-Video

Knights of Pen and Paper 2Knights of Pen and Paper 1In Knights of Pen & Paper 2 stürzen sich die Spieler in ein hochgradig selbstreferenzielles Abenteuer, denn sie spielen, nun ja, Spieler, die wiederum ein „Pen & Paper“-Rollenspiel zocken. Und das in der guten alten Manier des Dungeon Crawlers. Story gibt es, aber der Spielleiter, der sie vermittelt, ist nicht der beste Erzähler. Ebenso sind seine Spieler die Verkörperung des Powergamers. Sie wollen schnell stark und reich werden, aber haben kaum Sinn für die Darstellung ihres Charakters. Vielmehr sind sie Dramaturgie-Allergiker. Heldentaten erledigen sie, weil sie das eben tun: „That’s what we do!“ Außerdem gibt es Erfahrungspunkte und Gold, was Grund genug sein dürfte.

Diesem Szenario entsprechend blickt der Spieler auf die pixeligen Rücken seiner Charaktere, die dem Spielleiter an einem Tisch gegenübersitzen. Von dem erfährt er in Sprechblasen, was so vor sich geht, während die Hintergründe wechseln und weitere Figuren auftreten. Zu jedem Zeitpunkt ist also klar: Hier wird ein Rollenspiel gespielt. Figuren, Spielcharaktere und Spielleiter kommentieren sich und ihre regelmäßige Unfähigkeit gegenseitig, während die Spielwelt Papyros von dem übermächtigen Paper Knight bedroht wird. Viele Figuren machen keinen Hehl daraus, dass sie bloß Questgeber sind. Da muss man anfangs schon mal helfen, eine Plage von Rattenfallen zu bekämpfen, ja, von Fallen. Denn die sind der obligatorischen Rattenplage im Weg. Wer kennt’s nicht? Die ersten Gegner in RPGs sind häufig Ratten, worauf hier ironisch verwiesen wird.

Der Nachteil an der vielen Selbstironie ist, dass Knights of Pen & Paper 2 absichtsvoll mit vielen Klischees aufwartet und daher nicht zur Weiterentwicklung des Fantasy- oder Rollenspielgenres beiträgt, sondern auf Neuerungen gerade verzichtet, damit das Altbekannte erst beschworen und dann verlacht werden kann. Letzteres ist zwar eine gute Sache, aber über kurz oder lang werden auch die ironisierten Klischees langweilig und fade.

Knights of Pen and Paper 3Knights of Pen and Paper 4Knights of Pen & Paper 2 ist neben der lustigen, bisweilen albernen Geschichte auch von der Spielmechanik her ein solides Rollenspiel, das zum Looten und Leveln für Zwischendurch einlädt. Selbst hier ist die Metafiktion serienmäßig eingebaut (Was ist Metafiktion?). Der Spieler kann bis zu fünf Charaktere mit Gold ‚freikaufen‘, das er durch rundenbasierte Kämpfe erlangt, beginnend mit zwei Charakteren, die vor allem durch drei Auswahlmöglichkeiten definiert werden. Da haben wir erstens den Spielertyp, etwa den Hipster, die Cheerleaderin oder den Rocker, zweitens das Volk, etwa Elfen, Menschen oder Zwerge, und drittens die Klasse, darunter den Dieb, Krieger oder Magier. Es gibt noch einige Spielertypen und Charakterklassen mehr, auch solche, die man mit erkämpftem Gold kaufen oder im Spiel finden kann. Wer Dungeons fleißig bis zum letzten Raum durchkämmt, kann schon mal die Klasse des Ninjas entdecken. Nach einiger Zeit wirken aber gerade die Dungeons sehr wiederholend und daher etwas eintönig, was schade ist. Auch lässt der Witz hier eher nach. Was einen in den Verliesen im Großen und Ganzen erwartet: Monster, Fallen, ein paar Schätze und halbgare Witze. Besser ist Knights of Pen & Paper 2 bei der Erzählung der verschiedenen Questlines.

Während der Spielertyp und das Volk dem Charakter nützliche Eigenschaften geben, ist es vor allem die Klasse, die beeinflusst, welche Fähigkeiten er hat. Krieger können besonders starke Schläge austeilen. Magier wirken Zauber mit verschiedenen taktischen Effekten. Der Dieb glänzt durch Meuchelattacken, die bei Gegnern mit voller Lebensenergie extra viel Schaden verursachen. Das ist nur eine Auswahl der Fertigkeiten, von denen jede Klasse drei besitzt. Bei einem Stufenanstieg kann der Spieler diese mit immer nur einem Punkt zurzeit steigern.

Knights of Pen and Paper 5

Eine Besonderheit sticht im Kampfsystem heraus. Der Charakterwert Threat gibt an, wie bedrohlich ein Charakter ist oder wirkt, weshalb er vornehmlich von Monstern angegriffen wird. Mit diesem Wert muss aktiv gespielt werden, etwa indem er durch Fertigkeiten und Ausrüstung gesenkt oder erhöht wird, sodass die gegnerischen Angriffe von den Charakteren mit wenig Lebensenergie abgelenkt werden. Aber selbst zähe Krieger halten nicht unendlich viel aus und so muss ihm hin und wieder ein anderer Charakter zur Seite springen. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad eher niedrig, sieht man von wenigen überraschend starken Gegnern ab. Eine Warnung am Rande: Der Soundtrack kann auf Dauer nervtötend sein. Da hilft nur abschalten.

Die Free Edition des Spiels, die getestet wurde, ist auf den mobilen Geräten erhältlich und kostet, wie der Name sagt, nichts. Daran gekoppelt sind einige Extras, unter anderem Spielerweiterungen, die man mit erspielten In-Game-Gold freischalten kann. Die Beträge erscheinen zunächst astronomisch, aber schnell wird klar: Man muss im Shop für echtes Geld kein Gold kaufen. Das Freispielen kann man durchaus schaffen. Allerdings einen Groschen für die Entwickler auszugeben, kann auch nicht schaden.

Knights of Pen & Paper 2 – Free Edition ist ein selbstironischer Rollenspiel-Spaß mit Retro-Look, der zwischen anspielungsreichen Witzen und albernen Klischees changiert. Das Spiel ist vor allem für unterwegs zu empfehlen, wenn man nur kurz Zeit hat und den Kopf nicht frei für komplexe Handlungsabläufe, aber doch gern etwas Unterhaltung und spielerische Herausforderung möchte.

Trailer zu Knights of Pen & Paper – Free Edition

Angespielt: Das erste Dungeon

Infokasten

„Knights of Pen & Paper 2 – Free Edition“

Entwickler: KYY games

Publisher: Paradox interactive

Plattformen: Mobilgeräte (Android, iPhone), PC (Steam)

Sprache: Englisch

Schweden 2015

Letzte Änderung amMontag, 28 August 2017 06:46
André Vollmer

Schriftsteller, Philologe und Journalist (Germanistik & Skandinavistik, M.A.)

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„Das Grauen (seltener: der Graus) ist ein Substantiv der gehobenen Umgangssprache für ein gesteigertes Gefühl der Angst oder des Entsetzens, das meist mit der Wahrnehmung des Unheimlichen oder Übernatürlichen verknüpft ist. Es rührt sprachgeschichtlich vom mhd. grûwen, „Schauder“ her, welcher Begriff auch als Synonym verwendet wird.“

– Wikipedia