log in

Film

Fantasy Filmfest 2011, Tag 2

Festivalplakat (Ausschnitt) Rosebud Entertainment Festivalplakat (Ausschnitt)

Vampir-Apokalypse und Torture-Porn mit Humor:

Stake Land und Julia X 3D

Außerdem: Hair of the Beast, Phase 7, Little Deaths

Nach fünf weiteren Filmen folgen nun heute die Rezensionen zu Stake Land und Julia X 3D. Hair of the Beast ist ein sehenswerter Fantasy-Slasher, der ein ähnliches Publikum ansprechen dürfte wie Sleepy Hollow. Phase 7 ist ein Film über einen Virus und verrücktwerdende Menschen inmitten des alltäglichen Lebens, gespickt mit einer Prise schwarzen Humors. Little Deaths erschließt sich nicht...

Nach fünf weiteren Filmen folgen nun heute die Rezensionen zu Stake Land und Julia X 3D. Hair of the Beast ist ein sehenswerter Fantasy-Slasher, der ein ähnliches Publikum ansprechen dürfte wie Sleepy Hollow. Phase 7 ist ein Film über einen Virus und verrücktwerdende Menschen inmitten des alltäglichen Lebens, gespickt mit einer Prise schwarzen Humors. Little Deaths erschließt sich nicht: schlechte Schauspieler, schlechte Handlungen mit dem Fokus auf sexuellen Fetischen. Manchmal etwas phantastisch angehaucht, manchmal stumpfsinnig, keinerlei Unterhaltungswert oder bedeutsamer Inhalt. Man kann nur empfehlen, diesen Film nicht anzusehen.

Julia X 3D (Kurzrezension)

Ein Film, über dessen Inhalt man vermutlich am besten gar nichts wissen sollte, bevor man sich diesen ansieht. In einem Café treffen sich Julia (Valerie Azlynn) und ein Verehrer (Kevin Sorbo) zu einem Date, das über das Internet verabredet wurde. Nach dem Date entführt der Verehrer Julia und fügt ihr massiven körperlichen Schaden zu. Julia gelingt es, sich zu befreien und dreht dann den Spieß um.

Mehr soll zu der Handlung nicht gesagt werden. Bei Julia X 3D handelt es sich um das Regiedebüt von P. J. Pettiette. In diesem Film wird die 3D-Technik sehr gut eingesetzt, so dass wirklich räumliche Tiefe entsteht. Wer bei Julia X 3D einen stumpfsinnigen Torture-Porn erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Obwohl der Film einiges an Gewalt und Folter liefert, hat dieser auch einige unerwartete Handlungswenden und zudem einen sehr bösen Humor. Wer solche Sachen mag, sollte hier auf jeden Fall zu schlagen und den Film, am besten in 3D, genießen. Für diejenigen, die es nicht stört, wenn eine Komödie brutaler und derber ist, wird hier einiges geboten. Um ein Highlight innerhalb des Filmes zu erwähnen: Ein Mann mit verbundenen Augen sitzt gefesselt auf einem Küchenstuhl. Gegenüber sitzt ein anderer Mann, eingewickelt in Stacheldraht. Zwischen den beiden findet ein makaberer, aber lustiger Dialog statt. Diesen Dialog kann man unter den besten Dialogszenen in einem (Horror-)Film werten. Nicht auf Grund des Inhaltes, sondern aufgrund der Inszenierung.

Insgesamt ein böser Unterhaltungsfilm für Erwachsene, aber nur dann, wenn es auch etwas blutiger zu Werke gehen darf.

Stake Land (Kurzrezension)

Ein Blick aus dem Autofenster: verwüstete Häuser, verwaiste Straßenzüge. Hinten im Kofferraum kreischt und kratzt etwas. Für den Teenager Martin hört es sich wie ein tollwütiger Mensch an, rasend und um sich schlagend, doch zu keinem klarem Wort mehr fähig. Derweil ziehen liegengebliebene Autowracks am Fenster vorbei. Die Gegend ist menschenleer. Ein Meer aus kahlen Bäumen. Wird es Nacht, zeigt sich, was aus der Welt geworden ist. Dann kommen die hervor, die einmal Menschen gewesen sind. Die jetzt die Fänge und bleckenden Eckzähne voran auf die verbliebenen Lebenden lospreschen. Martin ist Vollwaise. Er weiß, zu was diese Geschöpfe fähig sind. Wäre er nicht dem 'Mister' begegnet, wär's das für ihn gewesen - so wie für den Rest seiner Familie. So wie Martin sind viele Menschen in die neue Welt geschlittert. Doch anders als die meisten ist Martin jetzt auf der Jagd. Der 'Mister' lehrt den Teenager das Überleben: Pflöcke und Speere schnitzen, Bärenfallen für die Ungetüme legen, Stolperdrähte und klappernde Warnanlagen aus Dosen, Flaschen und Metallmüll bauen. Der 'Mister' ist Vampirkiller und Martin sein Lehrling. Für die Zwei steht an der Tagesordnung: In Ruinen sammeln, was sie zum Überleben brauchen, Benzin, Nahrung, Medikamente. Und Nachts, wenn sie kommen: vorbereitet sein! Ohne Erbarmen bringt der 'Mister' das Kreischen und Kratzen im Kofferraum zum Schweigen: drei Schüsse durch die Rückbank, erledigt! Keine Zeit, um anzuhalten und nachzusehen. Die Karre wird weiter angetrieben: Bevor es dämmert, muss eine sichere Zuflucht für Martin und den 'Mister' her.

Überleben, Sammeln, Vampire killen - das allein ist Stake Land nicht. Atmosphärisch dicht wird eine postapokalyptische Welt inszeniert, die sich nicht mit dem Wieso und Warum aufhält, sondern direkt in den Untergang der Zivilisation startet. Martin und der 'Mister' treiben von einem letzten Außenposten der Menschheit zum Nächsten. Die Währung der Anerkennung: spitze Eckzähne. Ihnen schließen sich weitere an, sie müssen sich gegen religiöse Fanatiker durchsetzen und nicht wie diese ihre Menschlichkeit einbüßen. Neben ruhigen Momenten, die das neue Zusammenleben und zusammen Überleben inszenieren, lebt Stake Land auch von den blutigen Kämpfen gegen die Untoten, die nicht zuletzt durch die Coolness des abweisenden, eher schweigsamen 'Misters' angetrieben wird. Aber auch wenn er das Killen drauf hat, ist er wie der ganze Film, keine Metzler ohne Menschlichkeit.

Stake Land ist, was eine Literaturverfilmung von Richard Mathesons "I Am Legend" hätte sein sollen: ein punktuell blutiger Postapokalypse-Survival-Horror mit Tiefsinn und emotionalen Bildern.

Letzte Änderung amDienstag, 24 August 2021 11:08
André Vollmer

Schriftsteller. Forscher. Phantast. Am Meer geboren. Gründer von Mellowdramatix.

Schreibe einen Kommentar

Unter anderem auch das . . .

„Unbestreitbar führt das Internet auch zu positiven Veränderungen. Das Negative besteht meiner Meinung nach darin, dass das Internet zu Oberflächlichkeit verleitet, zu spontanen Reaktionen, hinter denen kein langes Nachdenken steckt: Ich habe etwas gelesen, und sofort twittere ich dagegen oder darüber, und dann womöglich auch noch in falscher Grammatik.“

 

Helmut Schmidt im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo (2012) im Zeit Magazin Nr. 17 vom 19.04.2012, S. 57

Cookie-Einstellungen