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Film

One-Man-Army vs. verstrahlte Inzest-Kannibalen: „The Horde“

Werbematerial Pierrot le Fou Werbematerial

In dieser Paul-Logan-One-Man-Show trifft plumper, kruder Horror auf einen an Rambo erinnernden Ex-Soldaten, der sich durch Massen von Inzest-Kannibalen tötet.

Rezension

Als die Studierendengruppe um Dozentin Selina Duboix (Tiffany Brouwer) zu einem Fotoausflug in die Natur aufbricht, ahnt noch keiner von ihnen, dass dort eine große Gefahr lauert. Durch Zufall ist jedoch Selinas Partner John (Paul Logan) mitgefahren, der ein ehemaliger Soldat, genauer gesagt, ein Ex-NAVY-SEAL ist. Also bestens ausgebildete Spezialeinheiten-Fertigkeiten sind somit vorhanden. Am See angekommen – bis hierhin vergehen ca. dreißig weitgehend ereignislose Minuten – machen sich die Studierenden auf, um Fotos zu schießen. Das Paar in der Gruppe, das Finger und Münder nicht voneinander lassen kann, geht in den Wald, um sich den fleischlichen Gelüsten hinzugeben. Dann gibt es noch das reiche, arrogante Arschloch unter den Studierenden und zwei weitere, die wohl irgendwie ineinander verliebt sind, es aber nicht auszusprechen wagen. Da wird viel Zeit mit platten Dialogen gefüllt, bis dann am Abend – man ist gewillt zu sagen: endlich! – eine Horde von Waldbewohnern auftaucht, die alle Männer abschlachtet, um sie zu verspeisen, und die Frauen behält, um sich fortzupflanzen. So landet die Jungfrau unter den Studierenden an einen Tisch genagelt in einer versifften Kammer und wird von der „Gang“ nacheinander und immer wieder vergewaltigt. The Horde selbst hat jedoch nicht das Niveau, um solch ein hartes Thema wirklich zu behandeln, wodurch das dann mit einem „Ihr geht es gut“ nach der Befreiung abgehandelt wird. Selina wird unterdessen kein Haar gekrümmt, weil der Bandenboss Cylus (Costas Mandylor) sie für sich haben will. Der für tot gehaltene John macht sich unterdessen auf, um die Überlebenden zu befreien, wofür er eine blutigen Guerilla-Krieg-Strategie wählt.

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Horde1Paul Logan schrieb das Drehbuch, machte die Kampfchoreografien und ist der Hauptdarsteller in The Horde. Der Film liefert eine Mischung aus Action und Horror. Die Horde geizt dabei keineswegs mit Ekel erregenden Sequenzen und expliziter Gewaltdarstellung. Bereits zu Beginn werden die Zuschauer Zeuge von einem jungen Pärchen, das an einem See campt. Ohne ersichtlichen Grund werden die beiden Turteltauben abgeschlachtet, hierbei wird kein Klischee des Achtziger-US-Slashers ausgespart, sodass all jene sterben müssen, die sexuell aktiv und an einem abgelegenen Fleckchen Natur campieren. Ohne große Überraschungen plätschert der Film dann für einige Zeit vor sich hin und macht in Dialogqualität und -inhalt Daily-Soaps Konkurrenz. Jede Form von Ambivalenz sucht man vergeblich, es wird nicht über die Geschehnisse reflektiert, ab der Entführung der beiden Frauen ist der Film eigentlich nur noch Paul Logan, sein gestählter Körper, überlegener Geist und improvisierte Waffen (Paul Logan selbst ist eine Waffe – zumindest in dieser Rolle), der sich durch ein Stückwerk von Drehbuchabschnitten stolpert, die irgendwie zusammengeführt werden. Für den amerikanischen Markt wird auch auf inszenierten Patriotismus gesetzt, der in diesem Werk auch als idealistischer Grundwert der USA gedeutet werden kann; es braucht jedoch Soldaten, um diesen zu sichern.

Anspruchslos. Abgesehen von krudem Ekel und einer beeindruckenden Ausstattung lässt The Horde – Die Jagd hat begonnen es an vielem vermissen. Die Schauspieler bleiben hinter ihren Möglichkeiten, der Plot ist löchrig und nicht besonders gut, aber wer eine kurzweilige Schlachtplatte haben möchte, der kann hier durchaus einen Blick riskieren. Die Kampfsequenzen wirken authentisch, die digitalen visuellen Effekte hingegen eher billig. Insgesamt pendelt Die Horde zwischen Trash und Einheitsbrei, hält aber zumindest nach der langen Einleitung den Adrenalinpegel der Figuren hoch. Der Ansatz, Rambo und verstrahlte Inzucht-Kannibalen, die von einer Gruppe Gangster kontrolliert werden, miteinander zu kreuzen, ist zumindest interessant. In der vorliegenden Form allerdings wenig gelungen.

Trailer The Horde – Die Jagd hat begonnen

Infokasten

„The Horde – Die Jagd hat begonnen“ (OT: „The Horde“)

Regie: Jared Cohn

Drehbuch: Paul Logan

Produktion: 313 Films, Razor Edge Productions, Traplight Pictures

Verleih: Pierrot le Fou

Laufzeit: 88 Minuten (Uncut)

USA 2016

Ab 31.03.2017 im Handel auf DVD, Blu-ray-Disc und Video-on-Demand (VoD).

Letzte Änderung amDonnerstag, 24 August 2017 20:56
Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

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„Das Wort Kunst bezeichnet [...] im engeren Sinne Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selber sein.“

– Wikipedia