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Comics

Transmediale Storyworld: „Aliens – Original Comics”

Cover (Ausschnitt) Mark A. Nelson/ Dark Horse Cover (Ausschnitt)

Mark Verheidens Comic setzt die Geschichte nach Aliens fort und überzeugt durch komplexe Erzählung und Figuren sowie dem düsteren Zeichenstil von Mark A. Nelson.

Rezension

Ursprünglich wurde der Comic Aliens im Jahr 1988 veröffentlicht, also vor beinahe 30 Jahren. Der Verlag Dark Horse erhielt von 20th Century Fox die Lizenz, um eine offizielle Fortsetzung zu Aliens – Die Rückkehr zu erstellen. Allerdings wurde eine Verwendung der Hauptfigur Ellen Ripley (in den Filmen Sigourney Weaver) untersagt, weil diese für weitere Filme eingeplant wurde. Aus diesem Grund konzentriert die Geschichte der Comics sich auf die beiden weiteren Überlebenden des zweiten Films: Hicks und Newt.

Viele Jahre nach den schrecklichen Geschehnissen in der Kolonie, ist Newt nun beinahe erwachsen. Sie befindet sich in einer psychiatrischen Einrichtung und wird betreut, doch scheinbar macht sie keine Fortschritte, immer wieder manifestieren sich die durchlittenen Schrecken vor ihrem geistigen Auge. Hicks ist ein gebrochener Mann. Sein Gesicht ist entstellt und er gilt als unehrenhaft, weil sein gesamtes Team bei der Mission starb, nur er nicht. Hicks ertränkt seine Wut, Verzweiflung und Frustration in Alkohol und Isolation. Als eine Crew von Schrottsammlern unerwartet auf einen Xenomorphen trifft, werden die Geister der Vergangenheit neu erweckt.

01AHicks soll zu einer Vernichtungsmission aufbrechen, zur Heimatwelt der Aliens. Gemeinsam mit einem Team von bestens trainierten Soldaten wird er dem Kommando eines ehrgeizigen Forschers unterstellt. Durch verschiedene Verstrickungen entscheidet sich Hicks dazu, Newt mit auf die Reise zu nehmen, die wie ein Himmelfahrtskommando erscheint. Doch in der Einsamkeit des Alls warten nicht nur Schrecken auf die vom Leben gezeichneten Charaktere. Unterdessen bildet sich auf der Erde ein Kult, der die Aliens anbetet und dessen Mitglieder sich freiwillig als Wirte für neue Aliens anbieten. Die Bedrohung war den Menschen noch nie so nah.

AlienComic3Bis zum Erscheinen von Alien3 im Jahr 1992 war dieser Comic die offizielle Fortsetzung der Filmreihe. Dann wurden im dritten Film Hicks und Newt für tot erklärt und die Leichen der beiden Charaktere eingeäschert. Dieser Umstand stößt nicht nur Autor Mark Verheiden sauer auf, sondern wurde auch von den Fans der Comics nicht sehr positiv aufgenommen. Warum beim dritten Film eine Auskopplung der Comics aus dem Kanon der Storyworld durchgeführt wurde, ist nicht bekannt und erscheint – angesichts der Gestaltung der Inhalte von Film und Comic – als nicht notwendig. Dennoch werden die Werke von Mark Verheiden bewundert, auch von Regisseuren des Franchises. So wird am Ende von Alien – Die Wiedergeburt die von Aliens verwüstete Erde gezeigt (wenn auch in einer fernen Zukunft), in Prometheus wird klar, dass die Köpfe der außerirdischen Kreaturen unter Helmen verborgen liegen – so wie es von Mark Verheiden im Comic erzählt wird – und die wohl klarste und größte Ehrerbietung wird dem Autoren dadurch zu Teil, dass in der Verfilmung der Dark-Horse-Reihe AVP – Alien versus Predator einer der Charaktere den Namen Verheiden trägt. Aber all diese Dinge helfen nicht über den Schmerz hinweg aus dem Kanon gestrichen worden zu sein, so schreibt der Autor selbst im Vorwort der Comicausgabe, die zum 30. Jubiläum des Films Aliens erschienen ist. Ob Aliens – The Original Comics Series nun die bessere oder schlechtere Form einer Fortsetzung darstellt, als es Alien3 tut, soll hier nicht diskutiert werden. Dennoch bleibt die Frage im Raum, warum es eine strikte Trennung geben musste. In den beiden Fortsetzungen des Comics wird die Geschichte weitererzählt, mit jeweils anderen Illustratoren. Dadurch verändert sich der Stil der Comics im Verlauf der Trilogie deutlich. Die düstere und wirklichkeitsnahe Visualisierung des ersten Abschnitts der Geschichte durch Mark A. Nelson erreichen die späteren Illustrationen allerdings nicht, da jeweils in einem komplett anderen Stil vorgegangen wird.

In der Jubiläumsausgabe ist Aliens als edles Hardcover-Buch erschienen. Neben einem Vorwort durch den Autor und ein Nachwort von Illustrator Mark A. Nelson sind noch einige weiter Zeichnungen und der Kurz-Comic Lucky enthalten. In dieser Form wird deutlich, dass der nun selbst schon fast 30 Jahre alte Comic nichts von dessen Qualität und Intensität eingebüßt hat. Mit dem wohl düstersten Handlungsstrang im Erzähluniversum von Alien ist es Mark Verheiden gelungen, ein zeitloses und ungeachtet der Löschung aus dem Kanon herausragendes Werk zu schaffen, das für jeden Alien-Enthusiasten unumgänglich ist.

AlienComic Intro

Infokasten

„Aliens – The Original Comic Series“

Geschichte: Mark Verheiden

Zeichnungen: Mark A. Nelson

Kolorierung: keine

Schriftsatz: Willie Schubert

Sprache: Englisch

Verlag: Dark Horse

Als Aliens 30th Anniversary: The Original Comics Series im Handel erhältlich.

Letzte Änderung amDonnerstag, 24 August 2017 21:01
Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

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„Das Grauen (seltener: der Graus) ist ein Substantiv der gehobenen Umgangssprache für ein gesteigertes Gefühl der Angst oder des Entsetzens, das meist mit der Wahrnehmung des Unheimlichen oder Übernatürlichen verknüpft ist. Es rührt sprachgeschichtlich vom mhd. grûwen, „Schauder“ her, welcher Begriff auch als Synonym verwendet wird.“

– Wikipedia